Klassische Kurzgeschichten

Redaktion 27. März 2017

z.B. von Arkadij Awertschenko, Joseph von Eichendorff, Bret Harte, Mark Twain, Prosper Merimée, O. Henry, Edgar A. Poe, Alexander Puschkin, Anton Tschechow, Ivan Turgenjew, Oskar Wilde, Stefan Zweig

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Eine Zeitungsgeschichte

Um acht Uhr morgens lag sie an Guiseppis Zeitungskiosk, noch feucht von der Presse. Guiseppi schäkerte mit der Gewitztheit seinesgleichen an der anderen Ecke und überließ es seinen Kunden, sich selbst zu bedienen, ohne Zweifel aufgrund einer Theorie, die auf … Weiterlesen

Das schwedische Zündholz

Am Morgen des 6. Oktober 1885 erschien in der Kanzlei des Amtshauptmanns des zweiten Distrikts des S–schen Kreises ein anständig gekleideter junger Mann und meldete, daß sein Prinzipal, der dim. Garde-Kornett Mark Iwanowitsch Kljausow ermordet sei. Der junge Mann war … Weiterlesen

Telegin und Pawlowna

Es ist nun schon eine ganze Reihe von Jahren her, daß etwa vierzig Werst von unserer Besitzung auf seinem Erbgute Suchodol ein entfernter Verwandter meiner Mutter lebte; er war in seiner Jugendzeit Gardeoffizier gewesen, hatte dann, da er ein ziemliches … Weiterlesen

Auf der Post

Nachdem wir die junge und hübsche Frau unseres alten Postmeisters Sladkoperzew beerdigt hatten, begaben wir uns in das Postgebäude, um dort nach der Sitte unserer Altvordern das Leichenmahl zu begehen. Als die traditionellen Pfannkuchen serviert waren, begann der alte Witwer … Weiterlesen

Starker Tobak

Der Geometer Gljeb Gawrilowitsch Smirnow war auf der Station Gniluschki ausgestiegen. Bis zu dem Gut, auf dem er eine Vermessung vornehmen sollte, hatte er noch dreißig bis vierzig Werst zu Wagen zurückzulegen. »Sagen Sie, bitte, wo kann ich hier Postpferde … Weiterlesen

Jonytsch

I Wenn sich die Fremden in der Gouvernementsstadt S. über die Langweile und Eintönigkeit des Lebens beklagten, so rechtfertigten sich die Ortsbewohner, daß es in S. im Gegenteil sogar sehr schön sei, daß man hier eine Bibliothek, ein Theater und … Weiterlesen

Ich reise mit Jelena

Wir saßen in einer kleinen, gemütlichen Gesellschaft, und ich erwähnte, daß ich demnächst eine Reise nach der Krim unternehmen wollte. Jelena Nikolajewna, eine entzückende, junge Witwe mit grauen Augen und blondem Haar schaute mich vielversprechend an und sagte: »Sie auch? … Weiterlesen

Der Agent

Michael saß am Schreibtisch und arbeitete. Plötzlich hörte er auf der Stiege ein Gepolter, als ob jemand von der Treppe herunterfallen würde. Er sprang auf, ging zur Tür und öffnete sie. Da taumelte schon ein Mann ins Zimmer . . … Weiterlesen

Wolodja der Große und Wolodja der Kleine

»Laßt mich, ich will selbst kutschieren! Ich setz‘ mich neben den Kutscher!« sagte Ssofja Lwowna laut. »Kutscher, halt, ich setz‘ mich zu dir auf den Bock.« Sie stand im Schlitten, und ihr Mann Wladimir Nikitytsch und ihr Jugendfreund Wladimir Michailytsch … Weiterlesen

Der Gast

Der Winkeladvokat Selterskij konnte seine Augen nur noch mit Mühe offen halten. Die ganze Natur schlief bereits. Die Vöglein schwiegen im Walde. Selterskijs Frau war schon längst zu Bett gegangen, das Dienstmädchen und die übrigen lebenden Wesen im Hause schliefen … Weiterlesen

Mord um Mitternacht

Nachts kamen wir durch Fort Laramie und am siebenten Morgen unserer Fahrt befanden wir uns in den Schwarzen Bergen, wo – scheinbar dicht neben uns – der Laramie Peak in gewaltiger Einsamkeit aufstieg; in tiefem dunklem vollem Indigoblau starrte uns … Weiterlesen

Das Gewinnlos

Iwan Dmitritsch, ein kleiner Mann, der für sich und seine Familie zwölfhundert Rubel im Jahre zu verzehren hatte und mit seinem Schicksal sehr zufrieden war, setzte sich eines Abends nach dem Essen auf seinen Diwan und begann die Zeitung zu … Weiterlesen

In der Osternacht

Ich stand am Ufer der Goltwa und wartete auf die Fähre. Zur gewöhnlichen Zeit stellt diese Goltwa ein mittelgroßes, schweigsames und versonnenes Flüßchen dar, das mild durch das dichte Schilf leuchtet; jetzt breitete sich aber vor mir ein ganzer See … Weiterlesen

Gram

Abenddämmerung. Große, nasse Schneeflocken wirbeln träge um die soeben angezündeten Straßenlaternen und legen sich als weiche Decke auf die Dächer, die Pferderücken, die Schultern und Mützen. Der Droschkenkutscher Jona Potapow ist weiß wie ein Gespenst. Er hat sich zusammengekrümmt, soweit … Weiterlesen

Die letzte Mohikanerin

Ich und der Stabsrittmeister a. D. und Gutsbesitzer Dokukin, bei dem ich im Frühjahr zu Besuch war, saßen eines schönen Morgens in Großvatersesseln und blickten träge zum Fenster hinaus. Die Langeweile war ganz fürchterlich. »Pfui Teufel!« schimpfte Dokukin. »So langweilig … Weiterlesen

Hopp-Frosch

Ich habe niemals jemand gekannt, der so sehr zu Scherz und Spaß aufgelegt war wie der König; es war geradezu sein Lebenselement. Eine lustige Geschichte gut erzählen – das war der sicherste Weg, sich bei ihm in Gunst zu setzen. … Weiterlesen

Auch ich war in Arkadien!

Da säß ich denn glücklich wieder hinter meinem Pulte, um dir meinen Reisebericht abzustatten. Es ist mir aber auf dieser Reise so viel Wunderliches begegnet, daß ich in der Tat nicht recht weiß, wo ich anfangen soll. Am besten, ich … Weiterlesen

Die Rache

Lew Ssawwitsch Turmanow, ein Durchschnittsbürger im Besitze eines kleinen Kapitals, einer jungen Frau und einer großen Glatze spielte einmal bei der Namenstagsfeier eines seiner Freunde Whist. Nach einem ordentlichen Verlust, der ihm den Schweiß in die Stirne trieb, erinnerte er … Weiterlesen

Der Schneesturm

Ende des Jahres 1811, in der uns allen denkwürdigen Zeit, lebte auf seinem Landgute Neparadowo der wackere Gawrila Gawrilowitsch R. Er war durch seine Gastfreundlichkeit und Gutmütigkeit in der ganzen Gegend bekannt. Die Nachbarn kamen jeden Tag zu ihm auf … Weiterlesen

Verwirrung der Geister

Die Erde stellte eine Hölle dar. Die Nachmittagssonne brannte mit solchem Eifer, daß selbst das Thermometer, das im Amtszimmer des Akzisebeamten hing, ganz ratlos wurde: es stieg bis 35,8 Grad Reaumur und blieb unentschlossen stehen …. Von den Bürgern troff … Weiterlesen

Das Fräulein als Bäuerin

In einem unserer entlegenen Gouvernements befand sich das Gut Iwan Petrowitsch Berestows. In seiner Jugend hatte er in der Garde gedient, aber zu Beginn des Jahres 1797 seinen Abschied genommen und war auf sein Gut gezogen, das er seitdem niemals … Weiterlesen

Die Sphinx ohne Geheimnis

Eine Radierung Eines Nachmittags saß ich vor dem Cafe de la Paix und betrachtete den Glanz und die Schäbigkeit des Pariser Lebens und bewunderte hinter meinem Glas Wermut das merkwürdige Panorama von Stolz und Armut, das sich vor mir entwickelte. … Weiterlesen

Episode am Genfer See

Am Ufer des Genfer Sees, in der Nähe des kleinen Schweizer Ortes Villeneuve, wurde in einer Sommernacht des Jahres 1918 ein Fischer, der sein Boot auf den See hinausgerudert hatte, eines merkwürdigen Gegenstandes mitten auf dem Wasser gewahr, und näherkommend … Weiterlesen

Die Pique-Dame

I. Die Pique-Dame bedeutet versteckte Feindseligkeit. (Neuestes Wahrsagebuch) Beim Gardeoffizier Narumow fand ein Kartenabend statt. Die lange Winternacht ging ganz unmerklich dahin, und man setzte sich zum Souper erst um fünf Uhr morgens. Diejenigen, die gewonnen hatten, zeigten großen Appetit, … Weiterlesen

Lokis

»Theo­dor,« sag­te Herr Pro­fes­sor Wit­tem­bach, »wol­len Sie mir bit­te das in Per­ga­ment ge­bun­de­ne Heft aus dem zwei­ten Fa­che über dem Schreib­ti­sche ge­ben; nein, das nicht, son­dern den Kleinok­tav­band. Dar­in hab‘ ich al­le mei­ne Ta­ge­buch­no­ti­zen von ein­tau­sen­dacht­hun­dertsechs­und­sech­zig, we­nigs­tens die den Gra­fen … Weiterlesen

Djuman

Am 21. Mai 18.. kehrten wir nach Tlemcen zurück. Die Unternehmung war glücklich gewesen; Rinder, Schafe, Kamele, Gefangene und Geiseln brachten wir mit. Nach siebenunddreißigtägigem Feldzug oder vielmehr unaufhörlicher Jagd waren unsere Pferde mager, abgetrieben, hatten aber immer noch das … Weiterlesen

Die Hexe

Die Nacht war hereingebrochen. Der Küster Ssawelij Gykin lag in seiner Wächterhütte bei der Kirche in dem riesigen Bett und konnte nicht schlafen, wenn er auch gewöhnt war, immer mit den Hühnern einzuschlafen. Unter dem einen Rande der schmierigen, aus … Weiterlesen

Die unsichtbare Sammlung

Eine Episode aus der deutschen Inflation Zwei Stationen hinter Dresden stieg ein älterer Herr in unser Coupe, grüßte höflich und nickte mir dann, aufblickend, noch einmal ausdrücklich zu wie einem guten Bekannten. Ich vermochte mich seiner im ersten Augenblick nicht … Weiterlesen

Buchmendel

Wieder einmal in Wien und heimkehrend von einem Besuch in den äußern Bezirken, geriet ich unvermutet in einen Regenguß, der mit nasser Peitsche die Menschen hurtig in Haustore und Unterstände jagte, und auch ich selbst suchte schleunig nach einem schützenden … Weiterlesen

Schachnovelle

Auf dem großen Passagierdampfer, der um Mitternacht von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde. Gäste vom Land drängten durcheinander, um ihren Freunden das Geleit zu geben, Telegraphenboys mit schiefen Mützen … Weiterlesen

Die Seelen des Fegefeuers

  Cicero sagt irgendwo, ich glaube in dem Traktat über die Natur der Götter, daß es mehrere Jupiter gegeben habe, – einen Jupiter auf Kreta, – einen andern in Olympia, – einen andern anderswo; – so daß nicht eine in … Weiterlesen

Ligow

„Wollen wir doch mal nach Ligow fahren,“ sagte mir einmal Jermolai, den meine Leser schon kennen, „wir können dort nach Herzenslust Enten schießen.“ Für den echten Jäger hat die Wildente zwar nichts besonders Anziehendes, aber in Ermangelung anderen Wildes (es … Weiterlesen

Die Venus von Ille

Ich kletterte die letzte Berglehne des Canigou hinunter, und obwohl die Sonne bereits hinabgesunken war, sah ich noch deutlich in der Niederung die Häuser der kleinen Stadt Ille, die das Ziel meiner Reise war. »Ihr wißt doch«, sagte ich zu … Weiterlesen

Wald und Steppe

Dann aber zieht es seinen Wandersinn Ins Dörfchen, in den dunkeln Garten hin, Wo hohe Linden reichen Schatten spenden, Die Veilchen süße Düfte rings entsenden, Wo runder Geisklee sich vom Damme biegt, Hold in der Flut sein Blumenantlitz wiegt, Auf … Weiterlesen

Besser tot als lebendig

  Mentone ist still, einfach, ruhig und anspruchslos. An diesem abgeschiedenen Plätzchen hat man privatim all die Vorzüge, die in Monte Carlo und Nizza, ein paar Meilen die Küste runter, öffentlich zu haben sind. Das heißt, man hat hellen Sonnenschein, … Weiterlesen

Das Glück von Roaring Camp

Im Roaring Camp war große Aufregung. Eine Prügelei konnte die Ursache nicht sein; denn im Jahre 1850 war so etwas nicht neu genug, um die ganze Ansiedlung auf die Beine zu bringen. Nicht bloß die Gräben und Goldwäschereien waren verlassen, … Weiterlesen

Angst auf der Landstraße

„Was ich Ihnen sagen wollte“, sagte Jermolai, zu mir in die Stube tretend – ich hatte eben zu Mittag gegessen und mich auf mein Feldbett gelegt, um nach einer recht erfolgreichen, aber ermüdenden Birkhuhnjagd auszuruhen – es war gegen Mitte … Weiterlesen

Desperado Slade

Bereits seit dem Tage vor unserem Eintreffen in Julesburg hatten sich gewiß und wahrhaftig zwei Drittel dessen, was Kutscher und Kondukteur sprachen, mit Slade beschäftigt. Um nun dem Leser ein deutliches Bild von einem ›Desperado‹ des Felsengebirges auf der höchsten … Weiterlesen

Die lebende Reliquie

Land der Dulder und der Demut, Meine Heimat, Russenerde! F. Tjutschew. Ein französisches Sprichwort lautet; „Der trockene Fischer und der nasse Jäger bieten einen traurigen An­blick.“ Da ich für die Fischerei niemals etwas übrig ge­habt habe, vermag ich nicht darüber … Weiterlesen

Teure Stunden

Für einen gebildeten Menschen ist das Nichtwissen fremder Sprachen oft sehr störend. Worotow bekam das zu fühlen, als er, nachdem er die Universität mit dem Grade eines Kandidaten absolviert hatte, sich an eine kleine wissenschaftliche Arbeit machte. »Es ist schrecklich!« … Weiterlesen

Ein wehrloses Geschöpf

So stark auch der nächtliche Gichtanfall war, so heftig auch die Nerven schmerzten, begab sich Kistunow dennoch des Morgens in den Dienst und begann zur gewohnten Stunde, die Besucher und die Kunden der Bank zu empfangen. Er sah verschmachtet und … Weiterlesen

Aus dem Regen in die Traufe

Beim Dom­chor­di­ri­gen­ten Gra­dus­sow sitzt der Ad­vo­kat Kal­ja­kin. Er hält ei­ne an Gra­dus­sow adres­sier­te Vor­la­dung zum Frie­dens­rich­ter in der Hand und spricht: »Sie mö­gen sa­gen, was Sie wol­len, Dos­si­fej Pe­tro­witsch, aber Sie sind schuld. Ich ach­te Sie, ich schät­ze Ih­re Zu­nei­gung, … Weiterlesen

Dick Bakers Kater

Bald darauf traf ich einen früheren Bekannten, der Bergmann in einem der verlassenen Grubendistrikte Kaliforniens war. Ich ging mit ihm zurück und blieb mehrere Monate dort unter den Goldgräbern, welche in der ausgedehnten Hügel und Waldlandschaft vier bis fünf zerstreute … Weiterlesen

Die Nacht vor der Verhandlung

(Erzählung eines Angeklagten) Es wird ein Unglück geben, Herr!« sagte der Postillon, sich zu mir wendend und mit der Peitsche auf einen Hasen zeigend, der uns über den Weg lief. Ich wußte auch ohne den Hasen, daß meine Lage eine … Weiterlesen

Die Dame mit dem Hündchen

I. Man erzählte sich, daß am Strande ein neuer Kurgast aufgetaucht sei: eine Dame mit einem Spitz. Dmitrij Dmitrijewitsch Gurow, der schon seit vierzehn Tagen in Jalta war und sich an das Badeleben gewöhnt hatte, interessierte sich bereits wie die … Weiterlesen

Der Schuss

Wir lagen im Städtchen … Man kennt das Leben eines Armeeoffiziers: morgens Exer­zieren, Reitbahn; mittags zu Tisch beim Regimentskommandeur oder im jüdischen Wirtshaus; abends Punsch und Karten. Es gab in … kein einziges gastliches Haus, kein heiratsfähiges Mädchen; wir besuchten … Weiterlesen

Der Sargmacher

Die letzten Habseligkeiten des Sargmachers Adrian Prochorow waren auf den Leichen­wagen gelegt, und ein Paar magerer Pferde schleppte diesen zum vierten Mal von der Basmannaja in die Nikitskaja, wohin der Sargmacher mit seinem ganzen Haushalt um­zog. Er machte seinen Laden … Weiterlesen

Der Postmeister

Wer hätte nicht schon die Postmeister verflucht? Wer hätte sich nicht mit ihnen gezankt? Wer hat nicht in zornigen Augenblicken von ihnen das verhängnisvolle Buch gefordert, um eine unnütze Klage über Grobheit, Bedrückung, Fahrlässigkeit und Unzuverlässigkeit einzutragen? Wer hätte sie … Weiterlesen

Die Verstoßenen von Poker Flat

Als Herr John Oakhurst, Spieler vom Fach, am Morgen des 23. November 1850 in die Hauptstraße von Poker-Flat hinaustrat, gewann er die Überzeugung, daß sich seit dem vorhergehenden Abend in der moralischen Atmosphäre dieses Ortes eine Änderung vollzogen hatte. Zwei … Weiterlesen

Wan-Li der Heide

Als ich Hop Sings Brief öffnete, flatterte ein viereckiger Streifen gelben Papiers daraus zu Boden, das mit Hierogly­phen bedeckt war, die ich in meiner Unschuld auf den ersten Blick für die Etikette eines Päckchens mit chinesischen Knallerbsen hielt. Aber dasselbe … Weiterlesen

Das blaue Zimmer

Mit allen Anzeichen der Unruhe wandelte ein junger Mann in der Vorhalle eines Bahnhofes auf und ab. Er trug eine blaue Brille, und obwohl er keinen Schnupfen hatte, tupfte er sich fortwährend mit seinem Taschentuche an der Nase herum. In … Weiterlesen

Die Leichtbeschwingte

I   Der Hochzeit Olga Iwanownas wohnten alle ihre Freundinnen und guten Bekannten bei. »Seht ihn nur an: nicht wahr, es ist was an ihm?« sagte sie ihren Freunden, auf ihren Mann zeigend, als wollte sie erklären, warum sie diesen … Weiterlesen

Der Narr von Fünfgabel

Er lebte einsam für sich. Ich glaube nicht, daß diese Eigentümlichkeit dem Wunsche entsprang, sich mit seiner Narrheit den übrigen Bewohnern des Lagers möglichst fernzuhalten; auch ist es nicht wahrscheinlich, daß die vereinte Weisheit von Fünfgabel imstande gewesen wäre, ihn … Weiterlesen

Der Rächer seiner Ehre

  Fjodor Fjodorowitsch Ssigajew stand, kurz nachdem er seine Frau auf frischer Tat erwischt hatte, in der Waffenhandlung Schmucks & Co. und suchte nach einem passenden Revolver. Sein Gesicht drückte Zorn, Schmerz und unwankbare Entschlossenheit aus. – Ich weiß wohl, … Weiterlesen

Nach zwanzig Jahren

Der Schutzmann gab eine imposante Erscheinung ab, so wie er die Straße entlang patroullierte. Dieses Gehabe war Gewohnheit und nicht etwa auf Wirkung berechnet, denn es gab kaum jemanden, der es sehen hätte können. Es war erst kurz vor zehn … Weiterlesen

Das Gässchen der Mme. Lucrezia

Dreiundzwanzig war ich, als ich meine Romreise antrat. Mein Vater gab mir ein Dutzend Empfehlungsbriefe mit, von denen einer, nicht weniger als vier Seiten lang, versiegelt war. Auf der Anschrift stand: »An die Marchesa Aldobrandi.« »Du wirst mir schreiben«, sagte … Weiterlesen

Kasan von der schönen Aussicht

Ich kehrte in einem Wägelchen, das stark rüttelte, von der Jagd zurück, schlummerte, von der schwülen Hitze des bewölkten Sommertages erdrückt (bekanntlich ist die Hitze an solchen Tagen noch unerträglicher als an heiteren, besonders wenn es windstill ist), ein wenig … Weiterlesen

Die Beschinwiese

Es war ein herrlicher Julitag, einer von den Tagen, die nur dann vorkommen, wenn kein Wetterumschlag zu erwarten ist. Der Himmel ist dann vom frühen Morgen an heiter; das Morgenrot flammt nicht wie eine Feuersbrunst; die Sonne ist nicht feurig … Weiterlesen

Tamango

Der Kapitän Ledoux war ein tüchtiger Seebär. Als einfacher Matrose hatte er angefangen und es bald bis zum Steuermannsmaat gebracht. Bei Trafalgar war ihm die linke Hand durch einen herumschwirrenden Balkensplitter wüst zugerichtet worden; er wurde sie mit ärztlicher Kunst … Weiterlesen

Burmistr

Etwa fünfzehn Werst von meinem Gut wohnt ein Bekannter von mir, ein junger Gutsbesitzer, der Gardeoffizier a.D. Arkadij Pawlytsch Pjenotschkin. Auf seiner Besitzung gibt es viel Wild, sein Haus ist nach dem Plan eines französischen Architekten errichtet, seine Leute sind … Weiterlesen

Der Birjuk

Ich fuhr abends al­lein auf mei­nem Renn­wa­gen von der Jagd. Bis nach Hau­se hat­te ich an die acht Werst; mei­ne gu­te Tra­ber­stu­te lief rüs­tig über die stau­bi­ge Stra­ße, in­dem sie ab und zu schnaub­te und die Oh­ren be­weg­te; der mü­de … Weiterlesen

Federigo

Es lebte hier herum einmal ein junger vornehmer Herr*, Federigo hieß er; der war schön, wohlgestalt, höflich und gutmütig, aber auch ganz hübsch locker in seinem Lebenswandel; denn er hing sein Herz und seine Sinne Übermaßen an das Spiel, an … Weiterlesen

Lebedjan

Einer der Hauptvorzüge der Jagd, meine lieben Leser, besteht darin, daß sie Sie zwingt, fortwährend von einem Ort zum anderen zu ziehen, was für einen müßigen Menschen recht angenehm ist. Allerdings ist es zuweilen (besonders in der Regenzeit) nicht sehr … Weiterlesen

Brown von Calaveras

Der gedämpfte Ton der Unterhaltung und das Fehlen von Zigarrenrauch und Stiefelab­sätzen an den Fenstern der Wingdamer Postkutsche ließen darauf schließen, daß sich unter den Passagieren im Innern eine Frau befand; und der Eifer, mit dem die Stations­bummler auf den … Weiterlesen

Einsame Fahrt

Als ich in die Slumgullioner Postkutsche stieg, sah ich, daß die Nacht dunkel, die Straße einsam und ich der einzige Passagier war. Der Leser gestatte mir, ihn zu versichern, daß ich mit dieser Bemerkung keinen geheimnisvollen Nebenzweck verfolge. Ein langer … Weiterlesen

Tschertopchanow und Nedopjuskin

An einem heißen Sommertag kehrte ich einmal in einem einfachen Bauernwagen von der Jagd heim; Jermolai duselte neben mir sitzend und nickte fortwährend mit dem Kopf. Die schlafenden Hunde wurden unter unseren Füßen wie Leichen herumgerüttelt. Der Kutscher verscheuchte fortwährend … Weiterlesen

Das Ende Tschertopchanows

1   Etwa zwei Jahre nach meinem Besuche bei Pantelej Jeremejitsch trafen ihn harte Schicksalsschläge, Schicksalsschläge im buchstäblichen Sinne des Wortes. Unannehm­lichkeiten, Mißerfolge und Unglücksfälle hatte er auch schon früher erlebt; aber er hatte ihnen keine Beachtung geschenkt und nach … Weiterlesen

Das Faß Amontillado

Die tausend Ungerechtigkeiten Fortunatos hatte ich, so gut es ging, ertragen, doch als er mich zu beleidigen wagte, da schwor ich Rache. Sie kennen mich und werden mir deshalb glauben, daß ich auch nicht eine einzige Drohung gegen ihn ausstieß. … Weiterlesen

Du hast’s getan

Ich will jetzt den Ödipus des Rätsels spielen, das ganz Rattelburg so lange Zeit in Aufregung hielt. Ich will, ja, ich allein kann Ihnen die geheime Maschinerie erklären, die das Wunder zustande brachte – das einzig dastehende, das wahrhaftige, das … Weiterlesen

Pony-Express

Gleich nach­her rich­te­te sich all un­ser Sin­nen und Trach­ten dar­auf, mit lang­ge­streck­tem Hal­se nach dem ›Po­ny­rei­ter‹  aus­zu­schau­en, dem Eil­bo­ten, der mit der Brief­post in acht Ta­gen neun­zehn­hun­dert Mei­len weit über den Kon­ti­nent von St. Jo­seph bis nach Sa­kra­men­to da­hin­jag­te! Man … Weiterlesen

Eine schreckliche Nacht

  Iwan Pe­tro­witsch Pa­ni­ch­idin er­blaß­te, schraub­te den Lam­pen­docht hin­un­ter und be­gann mit er­reg­ter Stim­me: »Dich­te Fins­ter­nis hielt die Er­de um­fan­gen, als ich in der Weih­nachts­nacht 1883 von mei­nem in­zwi­schen ver­stor­be­nen Freund heim­kehr­te, bei dem wir ei­ne spi­ri­tis­ti­sche Sit­zung ab­ge­hal­ten hat­ten. … Weiterlesen

Drei Begegnungen

   Passa quei‘ colli e vieni al­le­gra­men­te, Non ti curar di tanta com­pa­gnia – Vieni, pen­san­do a me se­gre­ta­men­te – Ch’io t’ac­com­pa­gna per tutta la via. I. Vor Jah­ren jagte ich mit be­son­de­rer Vor­lie­be in der Nähe des Kirch­dor­fes Glin­no­je, … Weiterlesen

Liebe auf den ersten Blick

Vor noch nicht allzulanger Zeit gehörte es zum guten Ton, den Glauben an die ›Liebe auf den ersten Blick‹ für eine Lächerlichkeit zu halten, doch alle Leute, die denken und tief empfinden können, sind stets von seiner Wahrheit überzeugt gewesen. … Weiterlesen

Die etruskische Vase

Auguste Saint-Clair war in der sogenannten großen Welt nicht gerade beliebt; hauptsächlich aus dem Grunde, weil er nur den Leuten zu gefallen suchte, die ihm selber gefielen. Er pflegte den Umgang mit den einen und hielt sich fern von den … Weiterlesen

Drei Sonntage in einer Woche

Du hartherziger, dickköpfiger, eigensinniger, schimmeliger, verknöcherter, muffiger, vertrockneter alter Filz! sagte ich eines Nachmittags in Gedanken zu meinem Großonkel und ballte ihm eine Faust – in der Tasche. Nur in der Tasche! Denn es existierte leider eine kleine Diskrepanz zwischen … Weiterlesen