Heinrich Schliemann: Kindheit und kaufmännische Laufbahn

1822 bis 1866

Wenn ich die­ses Werk mit ei­ner Ge­schich­te des eig­nen Le­bens be­gin­ne, so ist es nicht Ei­tel­keit, die da­zu mich ver­an­lasst, wol aber der Wunsch, klar dar­zu­le­gen, dass die gan­ze Ar­beit mei­nes spä­tern Le­bens durch die Ein­drü­cke mei­ner frü­hes­ten Kind­heit be­stimmt wor­den, ja, dass sie die nothwen­di­ge Fol­ge der­sel­ben ge­we­sen ist; wur­den doch, so­zu­sa­gen, Ha­cke und Schau­fel für die Aus­gra­bung Tro­jas und der Kö­nigs­grä­ber von My­ken­ae schon in dem klei­nen deut­schen Dor­fe ge­schmie­det und ge­schärft, in dem ich acht Jah­re mei­ner ers­ten Ju­gend ver­brach­te. So er­scheint es mir auch nicht über­flüs­sig, hier zu er­zäh­len, wie ich all­mäh­lich in den Be­sitz der Mit­tel ge­langt bin, ver­mö­ge de­ren ich im Herbs­te des Le­bens die gros­sen Plä­ne aus­füh­ren konn­te, die ich als ar­mer klei­ner Kna­be ent­wor­fen hat­te. Wol darf ich hof­fen, dass die Art und Wei­se, in der ich mei­ne Zeit und mei­ne Mit­tel ver­wen­det ha­be, all­ge­mei­ne An­er­ken­nung fin­den, und dass für al­le Zu­kunft auch die Ge­schich­te mei­nes Le­bens et­was da­zu bei­tra­gen wird, un­ter dem ge­bil­de­ten Pu­bli­kum al­ler Na­tio­nen die Freu­de an je­nen gros­sen und schö­nen Be­stre­bun­gen zu ver­brei­ten, die, wie sie mich wäh­rend so man­cher har­ten Prü­fun­gen auf­recht er­hal­ten ha­ben, mir auch den Rest mei­ner Ta­ge noch er­hei­tern sol­len.

Ich wur­de am 6. Ja­nu­ar 1822 in dem Städt­chen Neu-Buckow in Meck­len­burg-Schwe­rin ge­bo­ren, wo mein Va­ter, Ernst Schlie­mann, pro­tes­tan­ti­scher Pre­di­ger war und von wo er im Jah­re 1823 in der­sel­ben Ei­gen­schaft an die Pfar­re von An­kers­ha­gen, ei­nem in dem­sel­ben Gross­her­zogt­hum zwi­schen Wa­ren und Pen­zlin be­le­ge­nen Dor­fe, be­ru­fen wur­de. In die­sem Dor­fe ver­brach­te ich die acht fol­gen­den Jah­re mei­nes Le­bens, und die in mei­ner Na­tur be­grün­de­te Nei­gung für al­les Ge­heim­niss­vol­le und Wun­der­ba­re wur­de durch die Wun­der, wel­che je­ner Ort ent­hielt, zu ei­ner wah­ren Lei­den­schaft ent­flammt. In un­serm Gar­ten­hau­se soll­te der Geist von mei­nes Va­ters Vor­gän­ger, dem Pas­tor von Russ­dorf, »um­ge­hen«; und dicht hin­ter un­serm Gar­ten be­fand sich ein klei­ner Teich, das so­ge­nann­te »Sil­ber­schäl­chen«, dem um Mit­ter­nacht ei­ne ge­spens­ti­sche Jung­frau, die ei­ne sil­ber­ne Scha­le trug, ent­stei­gen soll­te. Aus­ser­dem hat­te das Dorf ei­nen klei­nen von ei­nem Gra­ben um­zo­ge­nen Hü­gel auf­zu­wei­sen, wahr­schein­lich ein Grab aus heid­ni­scher Vor­zeit, ein so­ge­nann­tes Hü­nen­grab, in dem der Sa­ge nach ein al­ter Raub­rit­ter sein Lieb­lings­kind in ei­ner gol­de­nen Wie­ge be­gra­ben hat­te. Un­ge­heu­re Schät­ze aber soll­ten ne­ben den Rui­nen ei­nes al­ten run­den Thur­mes in dem Gar­ten des Guts­ei­gen­t­hü­mers ver­bor­gen lie­gen; mein Glau­be an das Vor­han­den­sein al­ler die­ser Schät­ze war so fest, dass ich je­des­mal, wenn ich mei­nen Va­ter über sei­ne Geld­ver­le­gen­hei­ten kla­gen hör­te, ver­wun­dert frag­te, wes­halb er denn nicht die sil­ber­ne Scha­le oder die gol­de­ne Wie­ge aus­gra­ben und sich da­durch reich ma­chen woll­te? Auch ein al­tes mit­tel­al­ter­li­ches Schloss be­fand sich in An­kers­ha­gen, mit ge­hei­men Gän­gen in sei­nen sechs Fuss star­ken Mau­ern und ei­nem un­ter­ir­di­schen We­ge, der ei­ne star­ke deut­sche Mei­le lang sein und un­ter dem tie­fen See bei Speck durch­füh­ren soll­te; es hiess, furcht­ba­re Ge­spens­ter gin­gen da um, und al­le Dorf­leu­te spra­chen nur mit Zit­tern von die­sen Schreck­nis­sen. Ei­ner al­ten Sa­ge nach war das Schloss einst von ei­nem Raub­rit­ter, Na­mens Hen­ning von Hol­stein, be­wohnt wor­den, der, im Vol­ke »Hen­ning Bra­den­kirl« ge­nannt, weit und breit im Lan­de ge­fürch­tet wur­de, da er, wo er nur konn­te, zu rau­ben und zu plün­dern pfleg­te. So ver­dross es ihn denn auch nicht we­nig, dass der Her­zog von Meck­len­burg man­chen Kauf­mann, der an sei­nem Schlos­se vor­bei­zie­hen muss­te, durch ei­nen Ge­leits­brief ge­gen sei­ne Ver­ge­wal­ti­gun­gen schütz­te, und um da­für an dem Her­zog Ra­che neh­men zu kön­nen, lud er ihn einst mit heuch­le­ri­scher De­muth auf sein Schloss zu Gas­te. Der Her­zog nahm die Ein­la­dung an und mach­te sich an dem be­stimm­ten Ta­ge mit ei­nem gros­sen Ge­fol­ge auf den Weg. Des Rit­ters Kuh­hir­te je­doch, der von sei­nes Herrn Ab­sicht, den Gast zu er­mor­den, Kun­de er­langt hat­te, ver­barg sich in dem Ge­büsch am We­ge, er­war­te­te hier hin­ter ei­nem, et­wa ei­ne vier­tel Mei­le von un­serm Hau­se ge­le­ge­nen Hü­gel, den Her­zog und ver­rieth dem­sel­ben Hen­ning’s ver­bre­che­ri­schen Plan. Der Her­zog kehr­te au­gen­blick­lich um. Von die­sem Er­eig­niss soll­te der Hü­gel sei­nen jet­zi­gen Na­men »der War­tens­berg« er­hal­ten ha­ben. Als aber der Rit­ter ent­deck­te, dass der Kuh­hir­te sei­ne Plä­ne durch­kreuzt hat­te, liess er den Mann bei le­ben­di­gem Lei­be lang­sam in ei­ner gros­sen ei­ser­nen Pfan­ne bra­ten, und gab dem Un­glück­li­chen, er­zählt die Sa­ge wei­ter, als er in To­des­qua­len sich wand, noch ei­nen letz­ten grau­sa­men Stoss mit dem lin­ken Fus­se. Bald da­nach kam der Her­zog mit ei­nem Re­gi­ment Sol­da­ten, be­la­ger­te und stürm­te das Schloss, und als Rit­ter Hen­ning sah, dass an kein Ent­kom­men mehr für ihn zu den­ken sei, pack­te er al­le sei­ne Schät­ze in ei­nen gros­sen Kas­ten und ver­grub den­sel­ben dicht ne­ben dem run­den Thur­me in sei­nem Gar­ten, des­sen Rui­nen heu­te noch zu se­hen sind. Dann gab er sich selbst den Tod. Ei­ne lan­ge Rei­he fla­cher Stei­ne auf un­serm Kirch­ho­fe soll­te des Mis­set­hä­ters Grab be­zeich­nen, aus dem Jahr­hun­der­te lang sein lin­kes, mit ei­nem schwar­zen Sei­den­strump­fe be­klei­de­tes Bein im­mer wie­der her­aus­ge­wach­sen war. So­wol der Küs­ter Pran­ge als auch der Tod­ten­grä­ber Wöl­lert be­schwo­ren hoch und theu­er, dass sie als Kna­ben selbst das Bein ab­ge­schnit­ten und mit dem Kno­chen Bir­nen von den Bäu­men ab­ge­sch­la­gen hät­ten, dass aber im An­fan­ge die­ses Jahr­hun­derts das Bein plötz­lich zu wach­sen auf­ge­hört ha­be. Na­tür­lich glaub­te ich auch all dies in kin­di­scher Ein­falt, ja bat so­gar oft ge­nug mei­nen Va­ter, dass er das Grab sel­ber öff­nen oder auch mir nur er­lau­ben mö­ge, dies zu thun, um end­lich se­hen zu kön­nen, wa­rum das Bein nicht mehr her­aus­wach­sen wol­le.

Ei­nen un­ge­mein tie­fen Ein­druck auf mein emp­fäng­li­ches Ge­müth mach­te auch ein Thon­re­lief an ei­ner der Hin­ter­mau­ern des Schlos­ses, das ei­nen Mann dar­stell­te und nach dem Volks­glau­ben das Bild­niss des Hen­ning Bra­den­kirl war. Kei­ne Far­be woll­te auf dem­sel­ben haf­ten, und so hiess es denn, dass es mit dem Blu­te des Kuh­hir­ten be­deckt sei, das nicht weg­ge­tilgt wer­den kön­ne. Ein ver­mau­er­ter Ka­min im Saa­le wur­de als die Stel­le be­zeich­net, wo der Kuh­hir­te in der ei­ser­nen Pfan­ne ge­bra­ten wor­den war. Trotz al­ler Be­mü­hun­gen, die Fu­gen die­ses schreck­li­chen Ka­mins ver­schwin­den zu ma­chen, soll­ten die­sel­ben stets sicht­bar ge­blie­ben sein – und auch hier­in wur­de ein Zei­chen des Him­mels ge­se­hen, dass die teuf­li­sche That nie­mals ver­ges­sen wer­den soll­te. Noch ei­nem an­dern Mär­chen schenk­te ich da­mals un­be­denk­lich Glau­ben, wo­nach Herr von Gund­lach, der Be­sit­zer des be­nach­bar­ten Gu­tes Rums­ha­gen, ei­nen Hü­gel ne­ben der Dorf­kir­che auf­ge­gra­ben und dar­in gros­se höl­zer­ne Fäs­ser, die sehr star­kes alt­rö­mi­sches Bier ent­hiel­ten, vor­ge­fun­den hat­te.

Ob­gleich mein Va­ter we­der Phi­lo­lo­ge noch Ar­chäo­lo­ge war, hat­te er ein lei­den­schaft­li­ches In­ter­es­se für die Ge­schich­te des Al­ter­th­ums; oft er­zähl­te er mir mit war­mer Be­geis­te­rung von dem tra­gi­schen Un­ter­gan­ge von Her­cu­la­num und Pom­pe­ji, und schien den­je­ni­gen für den glück­lichs­ten Men­schen zu hal­ten, der Mit­tel und Zeit ge­nug hät­te, die Aus­gra­bun­gen, die dort vor­ge­nom­men wur­den, zu be­su­chen. Oft auch er­zähl­te er mir be­wun­dernd die Tha­ten der Ho­me­ri­schen Hel­den und die Er­eig­nis­se des Tro­ja­ni­schen Krie­ges, und stets fand er dann in mir ei­nen eif­ri­gen Ver­fech­ter der Sa­che Tro­jas. Mit Be­trüb­niss ver­nahm ich von ihm, dass Tro­ja so gänz­lich zer­stört wor­den, dass es oh­ne ei­ne Spur zu hin­ter­las­sen vom Erd­bo­den ver­schwun­den sei. Aber als er mir, dem da­mals bei­na­he acht­jäh­ri­gen Kna­ben, zum Weih­nachts­fes­te 1829 Dr. Ge­org Lud­wig Jer­rer’s »Welt­ge­schich­te für Kin­der« schenk­te, und ich in dem Bu­che ei­ne Ab­bil­dung des bren­nen­den Tro­ja fand, mit sei­nen un­ge­heu­ern Mau­ern und dem Skai­ischen Tho­re, dem flie­hen­den Ai­nei­as, der den Va­ter An­chi­ses auf dem Rü­cken trägt und den klei­nen As­ka­ni­os an der Hand führt, da rief ich vol­ler Freu­de: »Va­ter, du hast dich ge­irrt! Jer­rer muss Tro­ja ge­se­hen ha­ben, er hät­te es ja sonst hier nicht ab­bil­den kön­nen.« »Mein Sohn«, ant­wor­te­te er, »das ist nur ein er­fun­de­nes Bild.« Aber auf mei­ne Fra­ge, ob denn das al­te Tro­ja einst wirk­lich so star­ke Mau­ern ge­habt ha­be, wie sie auf je­nem Bil­de dar­ge­stellt wa­ren, be­jah­te er dies. »Va­ter«, sag­te ich dar­auf, »wenn sol­che Mau­ern ein­mal da­ge­we­sen sind, so kön­nen sie nicht ganz ver­nich­tet sein, son­dern sind wol un­ter dem Staub und Schutt von Jahr­hun­der­ten ver­bor­gen.« Nun be­haup­te­te er wol das Ge­gen­t­heil, aber ich blieb fest bei mei­ner An­sicht, und end­lich ka­men wir über­ein, dass ich der­einst Tro­ja aus­gra­ben soll­te.

Wes das Herz voll ist, sei es nun Freu­de oder Schmerz, des ge­het der Mund über, und ei­nes Kin­des Mund vor­zugs­wei­se: so ge­schah es denn, dass ich mei­nen Spiel­ka­me­ra­den bald von nichts an­de­rem mehr er­zähl­te, als von Tro­ja und den ge­heim­niss­vol­len wun­der­ba­ren Din­gen, de­ren es in un­se­rem Dorf ei­ne sol­che Fül­le gab. Sie ver­lach­ten mich al­le mit­ein­an­der, bis auf zwei jun­ge Mäd­chen, Lui­se und Min­na Meincke, die Töch­ter ei­nes Gut­s­päch­ters in Zah­ren, ei­nem et­wa ei­ne vier­tel Mei­le von An­kers­ha­gen ent­fern­ten Dor­fe; die ers­te­re war sechs Jahr äl­ter, die zwei­te aber eben­so alt wie ich. Sie dach­ten nicht dar­an, mich zu ver­spot­ten: im Ge­gen­t­heil! stets lausch­ten sie mit ge­spann­ter Auf­merk­sam­keit mei­nen wun­der­ba­ren Er­zäh­lun­gen. Min­na war es vor­zugs­wei­se, die das gröss­te Ver­ständ­niss für mich zeig­te, und die be­reit­wil­lig und eif­rig auf al­le mei­ne ge­wal­ti­gen Zu­kunfts­plä­ne ein­ging. So wuchs ei­ne war­me Zu­nei­gung zwi­schen uns auf, und in kind­li­cher Ein­falt ge­lob­ten wir uns bald ewi­ge Lie­be und Treue. Im Win­ter 1829–30 ver­ein­te uns ein ge­mein­sa­mer Tanz­un­ter­richt ab­wech­selnd in dem Hau­se mei­ner klei­nen Braut, in un­se­rer Pfarr­woh­nung oder in dem al­ten Spuk­schlos­se, das da­mals von dem Gut­s­päch­ter Heldt be­wohnt wur­de, und in dem wir mit leb­haf­tem In­ter­es­se Hen­ning’s blu­ti­ges Stein­bild­niss, die ver­häng­niss­vol­len Fu­gen des schreck­li­chen Ka­mins, die ge­hei­men Gän­ge in den Mau­ern und den Zu­gang zu dem un­ter­ir­di­schen We­ge be­trach­te­ten. Fand die Tanz­stun­de in un­se­rem Hau­se statt, so gin­gen wir wol auf den Kirch­hof vor un­se­rer Thür um zu se­hen, ob noch im­mer Hen­ning’s Fuss nicht wie­der aus der Er­de wüch­se, oder wir staun­ten mit ehr­fürch­ti­ger Be­wun­de­rung die al­ten Kir­chen­bü­cher an, die von der Hand Jo­hann Chris­ti­ans und Gott­frie­de­rich Hein­richs von Schrö­der (Va­ter und Sohn) ge­schrie­ben wor­den wa­ren, die vom Jah­re 1709–99 als mei­nes Va­ters Amts­vor­gän­ger ge­wirkt hat­ten; die äl­tes­ten Ge­burts-, Ehe- und Tod­ten­lis­ten hat­ten für uns ei­nen ganz be­son­dern Reiz. Manch­mal auch be­such­ten wir des jün­gern Pas­tors von Schrö­der Toch­ter, die, da­mals vie­rund­acht­zig Jahr alt, dicht ne­ben un­serm Hau­se wohn­te, um sie über die Ver­gan­gen­heit des Dor­fes zu be­fra­gen, oder die Por­traits ih­rer Vor­fah­ren zu be­trach­ten, von de­nen das­je­ni­ge ih­rer Mut­ter, der im Jah­re 1795 ver­stor­be­nen Ol­gar­tha Chris­ti­ne von Schrö­der, uns vor al­len an­dern an­zog: ein­mal, weil es uns als ein Meis­ter­werk der Kunst er­schien, dann aber auch, weil es ei­ne ge­wis­se Aehn­lich­keit mit Min­na zeig­te.

Nicht sel­ten stat­te­ten wir dann auch dem Dorf­schnei­der Wöl­lert, der ein­äu­gig war, nur ein Bein hat­te und des­halb all­ge­mein »Pe­ter Hüp­pert« ge­nannt wur­de, ei­nen Be­such ab. Er war oh­ne jeg­li­che Bil­dung, hat­te aber ein so wun­der­ba­res Ge­dächt­niss, dass er, wenn er mei­nen Va­ter pre­di­gen ge­hört hat­te, die gan­ze Re­de Wort für Wort wie­der­ho­len konn­te. Die­ser Mann, der, wenn ihm der Weg zu Schul- und Uni­ver­si­täts­bil­dung of­fen ge­stan­den hät­te, oh­ne Zwei­fel ein be­deu­ten­der Ge­lehr­ter ge­wor­den wä­re, war voll Witz und reg­te un­se­re Wiss­be­gier im höchs­ten Maas­se durch sei­nen un­er­schöpf­li­chen Vor­rath von An­ek­do­ten an, die er mit be­wun­derns­wer­them ora­to­ri­schen Ge­schick zu er­zäh­len ver­stand. Ich ge­be hier nur ei­ne der­sel­ben wie­der: so er­zähl­te er uns, dass, da er im­mer ge­wünscht ha­be, zu er­fah­ren, wo­hin die Stör­che im Win­ter zö­gen, er ein­mal noch bei Leb­zei­ten des Vor­gän­gers mei­nes Va­ters, des Pas­tors von Russ­dorf, ei­nen der Stör­che, die auf un­se­rer Scheu­ne zu bau­en pfleg­ten, ein­ge­fan­gen und ihm ein Stück Per­ga­ment an den Fuss ge­bun­den ha­be, auf wel­ches der Küs­ter Pran­ge sei­nem Wun­sche ge­mäss nie­der­ge­schrie­ben hat­te, dass er, der Küs­ter, und Wöl­lert, der Schnei­der des Dor­fes An­kers­ha­gen in Meck­len­burg-Schwe­rin, hier­durch den Ei­gen­t­hü­mer des Hau­ses, auf dem der Storch sein Nest im Win­ter ha­be, freund­lich er­such­ten, ih­nen den Na­men sei­nes Lan­des mit­zu­t­hei­len. Als er im nächs­ten Früh­jahr den Storch wie­der ein­fing, fand sich ein an­de­res Stück Per­ga­ment an dem Fus­se des Vo­gels be­fes­tigt, mit fol­gen­der in schlech­ten deut­schen Ver­sen ab­ge­fass­ten An­wort:

 

Schwe­rin Meck­len­burg ist uns nicht be­kannt,

Das Land, wo sich der Storch be­fand,

Nennt sich Sanct Jo­han­nes-Land.

 

Na­tür­lich glaub­ten wir dies Al­les und wür­den gern Jah­re un­se­res Le­bens dar­um ge­ge­ben ha­ben, nur um zu er­fah­ren, wo das ge­heim­niss­vol­le Sanct Jo­han­nes-Land sich be­fän­de. Wenn die­se und ähn­li­che An­ek­do­ten un­se­re Kennt­niss der Geo­gra­phie auch nicht ge­ra­de be­rei­chern konn­ten, so reg­ten sie we­nigs­tens den Wunsch in uns an, die­sel­be zu ler­nen, und er­höh­ten noch un­se­re Lei­den­schaft für al­les Ge­heim­niss­vol­le.

Von dem Tanz­un­ter­richt hat­ten we­der Min­na noch ich den ge­rings­ten Nut­zen, wir lern­ten bei­de nichts: sei es nun, dass uns die na­tür­li­che An­la­ge für die­se Kunst fehl­te, oder dass wir durch un­se­re wich­ti­gen ar­chäo­lo­gi­schen Stu­di­en und un­se­re Zu­kunfts­plä­ne zu sehr in An­spruch ge­nom­men wur­den.

Es stand zwi­schen uns schon fest, dass wir, so­bald wir er­wach­sen wä­ren, uns hei­ra­then wür­den, und dass wir dann un­ver­züg­lich al­le Ge­heim­nis­se von An­kers­ha­gen er­for­schen, die gol­de­ne Wie­ge, die sil­ber­ne Scha­le, Hen­ning’s un­ge­heu­re Schät­ze und sein Grab, zu­letzt aber die Stadt Tro­ja aus­gra­ben woll­ten; nichts schö­ne­res konn­ten wir uns vor­stel­len, als so un­ser gan­zes Le­ben mit dem Su­chen nach den Res­ten der Ver­gan­gen­heit zu­zu­brin­gen.

Gott sei es ge­dankt, dass mich der fes­te Glau­be an das Vor­han­den­sein je­nes Tro­ja in al­len Wech­sel­fäl­len mei­ner er­eig­niss­rei­chen Lauf­bahn nie ver­las­sen hat! – aber erst im Herbs­te mei­nes Le­bens und dann auch oh­ne Min­na – und weit, weit von ihr ent­fernt – soll­te ich un­se­re Kin­der­träu­me von vor funf­zig Jah­ren aus­füh­ren dür­fen.

Mein Va­ter konn­te nicht grie­chisch, aber er war im La­tei­ni­schen gut be­wan­dert und be­nutz­te je­den frei­en Au­gen­blick, auch mich dar­in zu un­ter­rich­ten. Als ich kaum neun Jahr alt war, starb mei­ne ge­lieb­te Mut­ter: es war dies ein un­er­setz­li­cher Ver­lust und wol das gröss­te Un­glück, das mich und mei­ne sechs Ge­schwis­ter tref­fen konn­te.

Mei­ner Mut­ter Tod fiel noch mit ei­nem an­dern schwe­ren Mis­ge­schick zu­sam­men, in­fol­ge des­sen al­le un­se­re Be­kann­ten uns plötz­lich den Rü­cken wand­ten und den Ver­kehr mit uns auf­ga­ben. Ich gräm­te mich nicht sehr um die Ueb­ri­gen: aber, dass ich die Fa­mi­lie Meincke nicht mehr se­hen, dass ich mich ganz von Min­na tren­nen, sie nie wie­der­se­hen soll­te – das war mir tau­send­mal schmerz­li­cher als mei­ner Mut­ter Tod, den ich dann auch bald in dem über­wäl­ti­gen­den Kum­mer um Min­na’s Ver­lust ver­gass. In mei­nem spä­te­ren Le­ben ha­be ich in ver­schie­de­nen Thei­len der Welt noch man­nich­fa­che und gros­se Trüb­sal zu be­ste­hen ge­habt, aber nie wie­der hat mir ein schwe­res Ge­schick auch nur den tau­sends­ten Theil je­nes tie­fen Schmer­zes ver­ur­sacht, den ich im zar­ten Al­ter von neun Jah­ren bei der Tren­nung von mei­ner klei­nen Braut emp­fun­den ha­be. In Thrä­nen ge­ba­det stand ich täg­lich stun­den­lang al­lein vor dem Bil­de Ol­gar­tha’s von Schrö­der und ge­dach­te voll Trau­er der glück­li­chen Ta­ge, die ich in Min­na’s Ge­sell­schaft ver­lebt hat­te. Die gan­ze Zu­kunft er­schien mir fins­ter und trü­be, al­le ge­heim­niss­vol­len Wun­der von An­kers­ha­gen, ja Tro­ja selbst hat­te ei­ne zeit­lang kei­nen Reiz mehr für mich. Mein Va­ter, dem mei­ne tie­fe Nie­der­ge­sch­la­gen­heit nicht ent­ging, schick­te mich nun auf zwei Jah­re zu sei­nem Bru­der, dem Pre­di­ger Fried­rich Schlie­mann, der die Pfar­re des Dor­fes Kalk­horst in Meck­len­burg in­ne hat­te. Hier wur­de mir ein Jahr lang das Glück zu­t­heil, den Can­di­da­ten Carl And­res aus Neu-Stre­litz zum Leh­rer zu ha­ben; un­ter der Lei­tung die­ses vor­treff­li­chen Phi­lo­lo­gen mach­te ich so be­deu­ten­de Fort­schrit­te, dass ich schon zu Weih­nach­ten 1832 mei­nem Va­ter ei­nen, wenn auch nicht cor­rec­ten, la­tei­ni­schen Auf­satz über die Haupt­er­eig­nis­se des Tro­ja­ni­schen Krie­ges und die Aben­teu­er des Odys­seus und Aga­mem­non als Ge­schenk über­rei­chen konn­te. Im Al­ter von elf Jah­ren kam ich auf das Gym­na­si­um von Neu-Stre­litz, wo ich nach Ter­tia ge­setzt wur­de. Aber ge­ra­de zu je­ner Zeit traf un­se­re Fa­mi­lie ein sehr schwe­res Un­glück, und da ich fürch­te­te, dass mei­nes Va­ters Mit­tel nicht aus­rei­chen wür­den, um mich noch ei­ne Rei­he von Jah­ren auf dem Gym­na­si­um und dann auf der Uni­ver­si­tät zu un­ter­hal­ten, ver­liess ich ers­te­res nach drei Mo­na­ten schon wie­der, um in die Re­al­schu­le der Stadt über­zu­ge­hen, wo ich so­gleich in die zwei­te Klas­se auf­ge­nom­men wur­de. Zu Os­tern 1835 in die ers­te Klas­se ver­setzt, ver­liess ich im Früh­jahr 1836, im Al­ter von 14 Jah­ren die An­stalt, um in dem Städt­chen Fürs­ten­berg in Meck­len­burg-Stre­litz als Lehr­ling in den klei­nen Krä­mer­la­den von Ernst Lud­wig Holtz ein­zu­tre­ten.

Ei­ni­ge Ta­ge vor mei­ner Ab­rei­se von Neu-Stre­litz, am Char­frei­tag 1836, traf ich in dem Hau­se des Hof­mu­si­kus C.E. Laue zu­fäl­lig mit Min­na Meincke zu­sam­men, die ich seit mehr denn fünf Jah­ren nicht ge­se­hen hat­te. Nie wer­de ich die­ses, das letz­te Zu­sam­men­tref­fen, das uns über­haupt wer­den soll­te, je ver­ges­sen! Sie war jetzt vier­zehn Jahr alt und, seit­dem ich sie zu­letzt ge­se­hen, sehr ge­wach­sen. Sie war ein­fach schwarz ge­klei­det, und ge­ra­de die­se Ein­fach­heit ih­rer Klei­dung schien ih­re be­stri­cken­de Schön­heit noch zu er­hö­hen. Als wir ein­an­der in die Au­gen sa­hen, bra­chen wir bei­de in ei­nen Strom von Thrä­nen aus und fie­len, kei­nes Wor­tes mäch­tig, ein­an­der in die Ar­me. Mehr­mals ver­such­ten wir zu sp­re­chen, aber un­se­re Auf­re­gung war zu gross; wir konn­ten kein Wort her­vor­brin­gen. Bald je­doch tra­ten Min­na’s El­tern in das Zim­mer, und so muss­ten wir uns tren­nen – aber es währ­te ei­ne ge­rau­me Zeit, ehe ich mich von mei­ner Auf­re­gung wie­der er­holt hat­te. Jetzt war ich si­cher, dass Min­na mich noch lieb­te, und die­ser Ge­dan­ke feu­er­te mei­nen Ehr­geiz an: von je­nem Au­gen­blick an fühl­te ich ei­ne gren­zen­lo­se En­er­gie und das fes­te Ver­trau­en in mir, dass ich durch un­er­müd­li­chen Ei­fer in der Welt vor­wärts kom­men und mich Min­na’s wür­dig zei­gen wer­de. Das Ein­zi­ge, was ich da­mals von Gott er­fleh­te, war, dass sie nicht hei­ra­then möch­te, be­vor ich mir ei­ne un­ab­hän­gi­ge Stel­lung er­run­gen ha­ben wür­de.

Fünf und ein hal­bes Jahr di­en­te ich in dem klei­nen Krä­mer­la­den in Fürs­ten­berg: das ers­te Jahr bei Herrn Holtz und spä­ter bei sei­nem Nach­fol­ger, dem treff­li­chen Herrn Theo­dor Hück­städt. Mei­ne Thä­tig­keit be­stand in dem Ein­zel­ver­kauf von He­rin­gen, But­ter, Kar­tof­fel­brannt­wein, Milch, Salz, Kaf­fee, Zu­cker, Oel, Talg­lich­tern u.s.w., in dem Mah­len der Kar­tof­feln für die Bren­ne­rei, in dem Aus­fe­gen des La­dens und ähn­li­chen Din­gen. Un­ser Ge­schäft war so un­be­deu­tend, dass un­ser gan­zer Ab­satz jähr­lich kaum 3000 Tha­ler be­trug; hiel­ten wir es doch für ein ganz be­son­de­res Glück, wenn wir ein­mal im Lau­fe ei­nes Ta­ges für zehn bis funf­zehn Tha­ler Ma­te­ri­al­waa­ren ver­kauf­ten. Na­tür­lich kam ich hier­bei nur mit den un­ters­ten Schich­ten der Ge­sell­schaft in Be­rüh­rung. Von fünf Uhr mor­gens bis elf Uhr abends war ich in die­ser Wei­se be­schäf­tigt, und mir blieb kein frei­er Au­gen­blick zum Stu­diren. Ue­ber­dies ver­gass ich das We­ni­ge, was ich in mei­ner Kind­heit ge­lernt hat­te, nur zu schnell, aber die Lie­be zur Wis­sen­schaft ver­lor ich trotz­dem nicht – ver­lor ich sie doch nie­mals, – und so wird mir auch, so lan­ge ich le­be, je­ner Abend un­ver­gess­lich blei­ben, an dem ein be­trun­ke­ner Mül­ler, Her­mann Nie­der­höf­fer, in un­sern La­den kam. Er war der Sohn ei­nes pro­tes­tan­ti­schen Pre­di­gers in Rö­bel und hat­te sei­ne Stu­di­en auf dem Gym­na­si­um von Neu-Rup­pin bei­na­he voll­en­det, als er we­gen schlech­ten Be­tra­gens aus der An­stalt ver­wie­sen wur­de. Sein Va­ter, der nicht ge­wusst, was mit ihm an­fan­gen, hat­te ihn dar­auf bei dem Päch­ter Lan­ger­mann im Dor­fe Dam­beck in die Leh­re ge­ge­ben; und da auch hier sein Be­tra­gen man­ches zu wün­schen üb­rig liess, über­gab er ihn dem Mül­ler Dett­mann in Güs­trow als Lehr­ling; hier blieb er zwei Jah­re und wan­der­te da­nach als Mül­ler­ge­sell. Mit sei­nem Schick­sal un­zu­frie­den, hat­te der jun­ge Mann lei­der schon bald sich dem Trun­ke er­ge­ben, da­bei je­doch sei­nen Ho­mer nicht ver­ges­sen; denn an dem oben er­wähn­ten Abend re­ci­tir­te er uns nicht we­ni­ger als hun­dert Ver­se die­ses Dich­ters und scan­dir­te sie mit vol­lem Pa­thos. Ob­gleich ich kein Wort da­von ver­stand, mach­te doch die me­lo­di­sche Spra­che den tiefs­ten Ein­druck auf mich, und heis­se Thrä­nen ent­lock­te sie mir über mein un­glück­li­ches Ge­schick. Drei­mal muss­te er mir die gött­li­chen Ver­se wie­der­ho­len, und ich be­zahl­te ihn da­für mit drei Glä­sern Brannt­wein, für die ich die we­ni­gen Pfen­ni­ge die ge­ra­de mein gan­zes Ver­mö­gen aus­mach­ten, gern hin­gab. Von je­nem Au­gen­blick an hör­te ich nicht auf, Gott zu bit­ten, dass er in sei­ner Gna­de mir das Glück ge­wäh­ren mö­ge, ein­mal Grie­chisch ler­nen zu dür­fen.

Doch schien sich mir nir­gends ein Aus­weg aus der trau­ri­gen und nied­ri­gen Stel­lung er­öff­nen zu wol­len, bis ich plötz­lich wie durch ein Wun­der aus der­sel­ben be­freit wur­de. Durch Auf­he­ben ei­nes zu schwe­ren Fas­ses zog ich mir ei­ne Ver­let­zung der Brust zu – ich warf Blut aus und war nicht mehr im Stan­de, mei­ne Ar­beit zu ver­rich­ten. In mei­ner Ver­zweif­lung ging ich zu Fuss nach Ham­burg, wo es mir auch ge­lang, ei­ne An­stel­lung mit ei­nem jähr­li­chen Ge­halt von 180 Mark zu er­hal­ten: zu­erst in dem Ma­te­ri­al­waa­ren­la­den von Lin­de­mann ju­ni­or am Fisch­mark­te in Al­to­na; da­nach in dem von E.L. Dey­cke ju­ni­or, an der Ecke der Müh­ren und Mat­ten-Twie­te in Ham­burg. Da ich aber we­gen mei­nes Blut­spei­ens und der hef­ti­gen Brust­schmer­zen kei­ne schwe­re Ar­beit thun konn­te, fan­den mich mei­ne Prin­ci­pa­le bald nutz­los, und so ver­lor ich je­de Stel­lung wie­der, wenn ich sie kaum acht Ta­ge in­ne­ge­habt hat­te. Ich sah wol ein, dass ich ei­nen der­ar­ti­gen Dienst nicht mehr ver­se­hen konn­te, und von der Noth ge­zwun­gen, mir durch ir­gend­wel­che, wenn auch die nied­rigs­te Ar­beit mein täg­li­ches Brot zu ver­die­nen, ver­such­te ich es, ei­ne Stel­le an Bord ei­nes Schif­fes zu er­hal­ten; auf die Emp­feh­lung des gut­her­zi­gen Schiffs­mak­lers J.F. Wendt hin, der, aus Stern­berg in Meck­len­burg ge­bür­tig, mit mei­ner ver­stor­be­nen Mut­ter auf­ge­wach­sen war, glück­te es mir, als Ka­jü­ten­jun­ge an Bord der klei­nen Brigg »Do­ro­thea« an­ge­nom­men zu wer­den; das Schiff, das den Kauf­leu­ten Wachs­muth und Kroog­mann in Ham­burg ge­hör­te, wur­de von dem Ka­pi­tän Si­mon­sen ge­führt und war nach La Gu­ay­ra in Ve­ne­zue­la be­stimmt.

Ich war im­mer schon arm ge­we­sen, aber doch noch nie so gänz­lich mit­tel­los wie ge­ra­de zu je­ner Zeit: muss­te ich doch mei­nen ein­zi­gen Rock ver­kau­fen, um mir ei­ne wol­le­ne De­cke an­schaf­fen zu kön­nen! Am 28. No­vem­ber 1841 ver­lies­sen wir Ham­burg mit gu­tem Win­de; nach we­ni­gen Stun­den je­doch schlug der­sel­be um, und wir muss­ten drei vol­le Ta­ge in der El­be un­weit Blan­ke­ne­se lie­gen blei­ben. Erst am 1. De­cem­ber trat wie­der güns­ti­ger Wind ein: wir pas­sir­ten Cux­ha­ven und ka­men in die of­fe­ne See, wa­ren aber kaum auf der Hö­he von Hel­go­land an­ge­langt, als der Wind wie­der nach Wes­ten um­sprang und bis zum 12. De­cem­ber fort­dau­ernd west­lich blieb. Wir la­vir­ten un­auf­hör­lich, ka­men aber we­nig oder gar nicht vor­wärts, bis wir in der Nacht vom 11. zum 12. De­cem­ber bei ei­nem furcht­ba­ren Stur­me auf der Hö­he der In­sel Texel an der Bank, die den Na­men: »de Ei­land­sche Grond« führt, Schiff­bruch lit­ten. Nach zahl­lo­sen Ge­fah­ren und nach­dem wir neun Stun­den lang in ei­nem sehr klei­nen of­fe­nen Boo­te von der Wuth des Win­des und der Wel­len um­her­ge­trie­ben wa­ren, wur­de un­se­re gan­ze aus neun Per­so­nen be­ste­hen­de Mann­schaft doch schliess­lich ge­ret­tet. Mit gröss­tem Dan­ke ge­gen Gott wer­de ich stets des freu­di­gen Au­gen­bli­ckes ge­den­ken, da un­ser Boot von der Bran­dung auf ei­ne Sand­bank un­weit der Küs­te von Texel ge­schleu­dert wur­de, und nun al­le Ge­fahr end­lich vor­über war. Wel­che Küs­te es war, an die wir ge­wor­fen wor­den, wuss­te ich nicht – wol aber, dass wir uns in ei­nem »frem­den Lan­de« be­fan­den. Mir war, als flüs­ter­te mir ei­ne Stim­me dort auf der Sand­bank zu, dass jetzt die Flut in mei­nen ir­di­schen An­ge­le­gen­hei­ten ein­ge­tre­ten sei und dass ich ih­ren Strom be­nut­zen müs­se. Und noch der­sel­be Tag be­stä­tig­te mir die­sen fro­hen Glau­ben; denn wäh­rend der Ka­pi­tän und mei­ne Ge­fähr­ten ih­ren gan­zen Be­sitz bei dem Schiff­bruch ein­ge­büsst hat­ten, wur­de mein klei­ner Kof­fer, der ei­ni­ge Hem­den und Strümp­fe so­wie mein Ta­schen­buch und ei­ni­ge mir von Herrn Wendt ver­schaff­te Emp­feh­lungs­brie­fe nach La Gu­ay­ra ent­hielt, un­ver­sehrt auf dem Mee­re schwim­mend ge­fun­den und her­aus­ge­zo­gen. In­fol­ge die­ses son­der­ba­ren Zu­falls er­hielt ich den Bei­na­men »Jo­nas«, bei dem ich, so­lan­ge wir auf Texel blie­ben, ge­nannt wur­de. Von den Con­suln Son­der­dorp und Ram wur­den wir hier auf das freund­lichs­te auf­ge­nom­men, aber als die­sel­ben mir den Vor­schlag mach­ten, mich mit der üb­ri­gen Mann­schaft über Har­lin­gen nach Ham­burg zu­rück­zu­schi­cken, lehn­te ich es ent­schie­den ab, wie­der nach Deutsch­land zu ge­hen, wo ich so na­men­los un­glück­lich ge­we­sen war, und er­klär­te ih­nen, dass ich es für mei­ne Be­stim­mung hiel­te, in Hol­land zu blei­ben, und dass ich die Ab­sicht hät­te, nach Ams­ter­dam zu ge­hen, um mich als Sol­dat an­wer­ben zu las­sen; denn ich war ja voll­stän­dig mit­tel­los und sah für den Au­gen­blick we­nigs­tens kei­ne an­de­re Mög­lich­keit vor mir, mei­nen Un­ter­halt zu er­wer­ben. So be­zahl­ten denn die Con­suln Son­der­dorp und Ram, auf mein drin­gen­des Bit­ten, zwei Gul­den (et­wa 3,5 M.) für mei­ne Ue­ber­fahrt nach Ams­ter­dam. Da der Wind jetzt ganz nach Sü­den her­um­ge­gan­gen war, muss­te das klei­ne Schiff, auf wel­chem ich be­för­dert wur­de, ei­nen Tag in der Stadt Enk­huy­zen ver­wei­len, und so brauch­ten wir nicht we­ni­ger als drei Ta­ge, um die hol­län­di­sche Haupt­stadt zu er­rei­chen. In­fol­ge mei­ner man­gel­haf­ten und ganz un­zu­rei­chen­den Klei­dung hat­te ich auf der Ue­ber­fahrt sehr zu lei­den, und auch in Ams­ter­dam woll­te das Glück mir zu­erst nicht lä­cheln. Der Win­ter hat­te be­gon­nen, ich hat­te kei­nen Rock und litt furcht­bar un­ter der Käl­te. Mei­ne Ab­sicht, als Sol­dat ein­zu­tre­ten, konn­te nicht so schnell, wie ich ge­dacht hat­te, aus­ge­führt wer­den, und die we­ni­gen Gul­den, die ich auf der In­sel Texel und in Enk­huy­zen als Al­mo­sen ge­sam­melt, wa­ren bald mit den zwei Gul­den, die ich von dem meck­len­bur­gi­schen Con­sul in Ams­ter­dam, Herrn Quack, er­hal­ten hat­te, in dem Wirths­hau­se der Frau Gr­aal­man in der Rams­koy von Ams­ter­dam ver­zehrt, wo ich mein Quar­tier auf­schlug. Als mei­ne ge­rin­gen Mit­tel gänz­lich er­schöpft wa­ren, fin­gir­te ich Krank­heit und wur­de dem­ge­mäss in das Hos­pi­tal auf­ge­nom­men. Aus die­ser schreck­li­chen La­ge aber be­frei­te mich wie­der der schon oben er­wähn­te freund­li­che Schiffs­mak­ler, J.F. Wendt aus Ham­burg, dem ich von Texel aus ge­schrie­ben hat­te, um ihm Nach­richt von un­serm Schiff­bruch zu ge­ben und ihm zu­gleich mit­zu­t­hei­len, dass ich nun mein Glück in Ams­ter­dam zu ver­su­chen ge­däch­te. Ein glück­li­cher Zu­fall hat­te es ge­wollt, dass mein Brief ihm ge­ra­de über­bracht wur­de, als er mit ei­ner An­zahl sei­ner Freun­de bei ei­nem fest­li­chen Mah­le sass. Der Be­richt über das neue Mis­ge­schick, das mich be­trof­fen, hat­te die all­ge­mei­ne Theil­nah­me er­regt und ei­ne so­gleich von ihm ver­an­stal­te­te Samm­lung die Sum­me von 240 Gul­den er­ge­ben, die er mir nun durch Con­sul Quack über­sand­te. Zu­gleich emp­fahl er mich auch dem treff­li­chen preus­si­schen Ge­ne­ral­con­sul, Herrn W. Hep­ner in Ams­ter­dam, der mir bald in dem Comp­toir von F.C. Qui­en ei­ne An­stel­lung ver­schaff­te.

In mei­ner neu­en Stel­lung war mei­ne Be­schäf­ti­gung, Wech­sel stem­peln zu las­sen und sie in der Stadt ein­zu­cas­si­ren, Brie­fe nach der Post zu tra­gen und von dort zu ho­len. Die­se me­cha­ni­sche Be­schäf­ti­gung war mir sehr ge­nehm, da sie mir aus­rei­chen­de Zeit liess, an mei­ne ver­nach­läs­sig­te Bil­dung zu den­ken.

Zu­nächst be­müh­te ich mich, mir ei­ne le­ser­li­che Hand­schrift an­zu­eig­nen, und in 20 Stun­den, die ich bei dem be­rühm­ten brüs­se­ler Kal­li­gra­phen Magnée nahm, glück­te mir dies auch voll­stän­dig; dar­auf ging ich, um mei­ne Stel­lung zu ver­bes­sern, eif­rig an das Stu­di­um der mo­der­nen Spra­chen. Mein Jah­res­ge­halt be­trug nur 800 Francs, wo­von ich die Hälf­te für mei­ne Stu­di­en aus­gab – mit der an­dern Hälf­te be­stritt ich mei­nen Le­bens­un­ter­halt, und zwar küm­mer­lich ge­nug. Mei­ne Woh­nung, für die ich mo­nat­lich 8 Francs be­zahl­te, war ei­ne elen­de un­heiz­ba­re Dach­stu­be, in der ich im Win­ter vor Frost zit­ter­te, im Som­mer aber un­ter der glü­hends­ten Hit­ze zu lei­den hat­te. Mein Früh­stück be­stand aus Rog­gen­mehl­brei, das Mit­tags­es­sen kos­te­te mir nie mehr als 16 Pfen­nig. Aber nichts spornt mehr zum Stu­diren an als das Elend und die ge­wis­se Aus­sicht, sich durch an­ge­streng­te Ar­beit dar­aus be­frei­en zu kön­nen. Da­zu kam für mich noch der Wunsch, mich Min­na’s wür­dig zu zei­gen, der ei­nen un­be­sieg­ba­ren Muth in mir er­weck­te und ent­wi­ckel­te. So warf ich mich denn mit be­son­de­rem Fleis­se auf das Stu­di­um des Eng­li­schen und hier­bei liess mich die Noth ei­ne Me­tho­de aus­fin­dig ma­chen, wel­che die Er­ler­nung je­der Spra­che be­deu­tend er­leich­tert. Die­se ein­fa­che Me­tho­de be­steht zu­nächst dar­in, dass man sehr viel laut liest, kei­ne Ue­ber­set­zun­gen macht, täg­lich ei­ne Stun­de nimmt, im­mer Aus­ar­bei­tun­gen über uns in­ter­es­si­ren­de Ge­gen­stän­de nie­der­schreibt, die­se un­ter der Auf­sicht des Leh­rers ver­bes­sert, aus­wen­dig lernt und in der nächs­ten Stun­de auf­sagt, was man am Ta­ge vor­her cor­ri­girt hat. Mein Ge­dächt­niss war, da ich es seit der Kind­heit gar nicht ge­übt hat­te, schwach, doch be­nutz­te ich je­den Au­gen­blick und stahl so­gar Zeit zum Ler­nen. Um mir so­bald als mög­lich ei­ne gu­te Aus­spra­che an­zu­eig­nen, be­such­te ich Sonn­tags re­gel­mäs­sig zwei­mal den Got­tes­dienst in der eng­li­schen Kir­che und sprach bei dem An­hö­ren der Pre­digt je­des Wort der­sel­ben lei­se für mich nach. Bei al­len mei­nen Bo­ten­gän­gen trug ich, selbst wenn es reg­ne­te, ein Buch in der Hand, aus dem ich et­was aus­wen­dig lern­te; auf dem Post­am­te war­te­te ich nie, oh­ne zu le­sen. So stärk­te ich all­mäh­lich mein Ge­dächt­niss und konn­te schon nach drei Mo­na­ten mei­nen Leh­rern, Mr. Tay­lor und Mr. Thomp­son, mit Leich­tig­keit al­le Ta­ge in je­der Un­ter­richts­stun­de zwan­zig ge­druck­te Sei­ten eng­li­scher Pro­sa wört­lich her­sa­gen, wenn ich die­sel­ben vor­her drei­mal auf­merk­sam durch­ge­le­sen hat­te. Auf die­se Wei­se lern­te ich den gan­zen »Vicar of Wa­ke­field« von Golds­mith und Wal­ter Scott’s »Iv­an­hoe« aus­wen­dig. Vor über­gros­ser Auf­re­gung schlief ich nur we­nig und brach­te al­le mei­ne wa­chen Stun­den der Nacht da­mit zu, das am Abend Ge­le­se­ne noch ein­mal in Ge­dan­ken zu wie­der­ho­len. Da das Ge­dächt­niss bei Nacht viel con­cen­trir­ter ist, als bei Ta­ge, fand ich auch die­se nächt­li­chen Wie­der­ho­lun­gen von gröss­tem Nut­zen; ich emp­feh­le dies Ver­fah­ren Je­der­mann. So ge­lang es mir, in Zeit von ei­nem hal­ben Jah­re mir ei­ne gründ­li­che Kennt­niss der eng­li­schen Spra­che an­zu­eig­nen.

Die­sel­be Me­tho­de wen­de­te ich da­nach bei dem Stu­di­um der fran­zö­si­schen Spra­che an, die ich in den fol­gen­den sechs Mo­na­ten be­meis­ter­te. Von fran­zö­si­schen Wer­ken lern­te ich Fénelon’s »Aven­tures de Télémaque« und »Paul et Vir­gi­nie« von Ber­nar­din de Saint-Pier­re aus­wen­dig. Durch die­se an­hal­ten­den über­mäs­si­gen Stu­di­en stärk­te sich mein Ge­dächt­niss im Lau­fe ei­nes Jah­res der­mas­sen, dass mir die Er­ler­nung des Hol­län­di­schen, Spa­ni­schen, Ita­lie­ni­schen und Por­tu­gie­si­schen aus­ser­or­dent­lich leicht wur­de, und ich nicht mehr als sechs Wo­chen ge­brauch­te, um je­de die­ser Spra­chen flies­send sp­re­chen und schrei­ben zu kön­nen.

Hat­te ich es nun dem vie­len Le­sen mit lau­ter Stim­me zu dan­ken oder dem wohlthä­ti­gen Ein­flus­se der feuch­ten Luft Hol­lands, ich weiss es nicht: ge­nug, mein Brust­lei­den ver­lor sich schon im ers­ten Jah­re mei­nes Auf­ent­hal­tes in Ams­ter­dam und ist auch spä­ter nicht wie­der­ge­kom­men.

Aber mei­ne Lei­den­schaft für das Stu­di­um liess mich mei­ne me­cha­ni­sche Be­schäf­ti­gung als Bu­re­au­die­ner bei F.C. Qui­en ver­nach­läs­si­gen, be­son­ders als ich an­fing, sie als mei­ner un­wür­dig an­zu­se­hen. Mei­ne Vor­ge­setz­ten woll­ten mich in­dess nicht be­för­dern; dach­ten sie doch wahr­schein­lich, dass je­mand, der sich im Am­te ei­nes Comp­toir­die­ners un­taug­lich er­wies, für ir­gend ei­nen hö­hern Pos­ten ganz un­brauch­bar sein müs­se.

End­lich, am 1. März 1844, glück­te es mir, durch die Ver­wen­dung mei­ner Freun­de Louis Stoll in Mann­heim und J.H. Ball­auf in Bre­men, ei­ne Stel­lung als Cor­re­spon­dent und Buch­hal­ter in dem Comp­toir der Her­ren B.H. Schrö­der & Co. in Ams­ter­dam zu er­hal­ten; hier wur­de ich zu­erst mit ei­nem Ge­halt von 1200 Francs en­ga­girt, als aber mei­ne Prin­ci­pa­le mei­nen Ei­fer sa­hen, ge­währ­ten sie mir noch ei­ne jähr­li­che Zu­la­ge von 800 Francs als wei­te­re Auf­mun­te­rung. Die­se Frei­ge­big­keit, für wel­che ich ih­nen stets dank­bar blei­ben wer­de, soll­te denn in der That auch mein Glück be­grün­den; denn da ich glaub­te durch die Kennt­niss des Rus­si­schen mich noch nütz­li­cher ma­chen zu kön­nen, fing ich an, auch die­se Spra­che zu stu­die­ren. Die ein­zi­gen rus­si­schen Bü­cher, die ich mir ver­schaf­fen konn­te, wa­ren ei­ne al­te Gram­ma­tik, ein Le­xi­kon und ei­ne schlech­te Ue­ber­set­zung der »Aven­tures de Télémaque«. Trotz al­ler mei­ner Be­mü­hun­gen aber woll­te es mir nicht ge­lin­gen, ei­nen Leh­rer des Rus­si­schen auf­zu­fin­den; denn aus­ser dem rus­si­schen Vice­con­sul, Herrn Tan­nen­berg, der mir kei­nen Un­ter­richt ge­ben woll­te, be­fand sich da­mals nie­mand in Ams­ter­dam, der ein Wort von die­ser Spra­che ver­stan­den hät­te. So fing ich denn mein neu­es Stu­di­um oh­ne Leh­rer an, und hat­te auch in we­ni­gen Ta­gen, mit Hül­fe der Gram­ma­tik, mir schon die rus­si­schen Buch­sta­ben und ih­re Aus­spra­che ein­ge­prägt. Dann nahm ich mei­ne al­te Me­tho­de wie­der auf, ver­fass­te kur­ze Auf­sät­ze und Ge­schich­ten und lern­te die­sel­ben aus­wen­dig. Da ich nie­mand hat­te, der mei­ne Ar­bei­ten ver­bes­ser­te, wa­ren sie oh­ne Zwei­fel herz­lich schlecht; doch be­müh­te ich mich, mei­ne Feh­ler durch prak­ti­sche Ue­bun­gen ver­mei­den zu ler­nen, in­dem ich die rus­si­sche Ue­ber­set­zung der »Aven­tures de Télémaque« aus­wen­dig lern­te. Es kam mir vor, als ob ich schnel­le­re Fort­schrit­te ma­chen wür­de, wenn ich je­mand bei mir hät­te, dem ich die Aben­teu­er Te­le­machs er­zäh­len könn­te: so en­ga­gir­te ich ei­nen ar­men Ju­den, der für vier Francs pro Wo­che all­abend­lich zwei Stun­den zu mir kom­men und mei­ne rus­si­schen De­cla­ma­tio­nen an­hö­ren muss­te, von de­nen er kei­ne Sil­be ver­stand.

Da die Zim­mer­de­cken in den ge­wöhn­li­chen hol­län­di­schen Häu­sern meist nur aus ein­fa­chen Bre­tern be­ste­hen, so kann man im Erd­ge­schoss oft al­les ver­neh­men, was im drit­ten Stock ge­spro­chen wird. Mein lau­tes Re­ci­ti­ren wur­de des­halb bald den an­dern Miethern läs­tig, sie be­klag­ten sich bei dem Haus­wirthe, und so kam es, dass ich in der Zeit mei­ner rus­si­schen Stu­di­en zwei­mal die Woh­nung wech­seln muss­te. Aber al­le die­se Un­be­quem­lich­kei­ten ver­moch­ten mei­nen Ei­fer nicht zu ver­min­dern, und nach sechs Wo­chen schon konn­te ich mei­nen ers­ten rus­si­schen Brief an Was­si­li Plot­ni­kow schrei­ben, den Lon­do­ner Agen­ten der gros­sen In­dig­o­händ­ler Ge­brü­der M.P.N. Mal­u­tin in Mos­kau; auch war ich im Stan­de, mich mit ihm und den rus­si­schen Kauf­leu­ten Mat­we­jew und Fro­low, die zu den In­di­goauc­tio­nen nach Ams­ter­dam ka­men, flies­send in ih­rer Mut­ter­spra­che zu un­ter­hal­ten.

Als ich mein Stu­di­um des Rus­si­schen voll­en­det hat­te, be­gann ich mich ernst­lich mit der Li­te­ra­tur der von mir er­lern­ten Spra­chen zu be­schäf­ti­gen.

Im Ja­nu­ar 1846 schick­ten mich mei­ne vor­treff­li­chen Prin­ci­pa­le als ih­ren Agen­ten nach St. Pe­ters­burg, und hier so­wol als auch in Mos­kau wur­den schon in den ers­ten Mo­na­ten mei­ne Be­mü­hun­gen von ei­nem Er­fol­ge ge­krönt, der mei­ner Chefs und mei­ne eig­nen gröss­ten Hoff­nun­gen noch weit über­traf. Kaum hat­te ich in die­ser mei­ner neu­en Stel­lung mich dem Hau­se B.H. Schrö­der & Co. un­ent­behr­lich ge­macht und mir da­durch ei­ne ganz un­ab­hän­gi­ge La­ge ge­schaf­fen, als ich un­ver­züg­lich an den oben er­wähn­ten Freund der Fa­mi­lie Meincke, C.E. Laue in Neu-Stre­litz, schrieb, ihm al­le mei­ne Er­leb­nis­se schil­der­te und ihn bat, so­gleich in mei­nem Na­men um Min­na’s Hand an­zu­hal­ten. Wie gross war aber mein Ent­set­zen, als ich nach ei­nem Mo­nat die be­trü­ben­de Ant­wort er­hielt, dass sie vor we­ni­gen Ta­gen ei­ne an­de­re Ehe ge­schlos­sen ha­be. Die­se Ent­täu­schung er­schien mir da­mals als das schwers­te Schick­sal, das mich über­haupt tref­fen konn­te: ich fühl­te mich voll­stän­dig un­fä­hig zu ir­gend­wel­cher Be­schäf­ti­gung und lag krank dar­nie­der. Un­auf­hör­lich rief ich mir al­les, was sich zwi­schen Min­na und mir in un­se­rer ers­ten Kind­heit be­ge­ben hat­te, ins Ge­dächt­niss zu­rück, al­le un­se­re süs­sen Träu­me und gross­ar­ti­gen Plä­ne, zu de­ren Aus­füh­rung ich jetzt ei­ne so glän­zen­de Mög­lich­keit vor mir sah; aber wie soll­te ich nun dar­an den­ken, sie oh­ne Min­na’s Theil­nah­me aus­zu­füh­ren? Dann mach­te ich mir auch wol die bit­ters­ten Vor­wür­fe, dass ich nicht schon, ehe ich mich nach Pe­ters­burg be­gab, um ih­re Hand an­ge­hal­ten hat­te, – aber im­mer wie­der muss­te ich mir sel­ber sa­gen, dass ich mich da­durch nur lä­cher­lich ge­macht ha­ben wür­de; war ich doch in Ams­ter­dam nur Com­mis, in ei­ner durch­aus un­selb­stän­di­gen und von der Lau­ne mei­ner Prin­ci­pa­le ab­hän­gi­gen Stel­lung ge­we­sen, und hat­te ich doch über­dies kei­ner­lei Ge­währ ge­habt, dass es mir in Pe­ters­burg glü­cken wür­de, wo statt des Er­fol­ges ja auch gänz­li­ches Mis­lin­gen mei­ner war­ten konn­te. Es schien mir eben­so un­mög­lich, dass Min­na an der Sei­te ei­nes an­dern Man­nes glück­lich wer­den, wie dass ich je­mals ei­ne an­de­re Gat­tin heim­füh­ren wür­de. Wa­rum muss­te das grau­sa­me Schick­sal sie mir ge­ra­de jetzt ent­reis­sen, wo ich, nach­dem ich sech­zehn Jah­re lang nach ih­rem Be­sit­ze ge­strebt, end­lich ge­glaubt hat­te, sie er­run­gen zu ha­ben? Es war uns bei­den in Wahr­heit so er­gan­gen, wie es uns so oft im Trau­me zu er­ge­hen pflegt: wir wäh­nen je­mand rast­los zu ver­fol­gen, und so­bald wir glau­ben, ihn er­reicht zu ha­ben, ent­schlüpft er uns im­mer von neu­em Wol dach­te ich da­mals, dass ich den Schmerz über Min­na’s Ver­lust nie wür­de, ver­win­den kön­nen; aber die Zeit, die al­le Wun­den heilt, üb­te end­lich ih­ren wohlthä­ti­gen Ein­fluss auch auf mein Ge­müth, und wenn ich auch jah­re­lang noch um die Ver­lo­re­ne trau­er­te, konn­te ich doch all­mäh­lich mei­ner kauf­män­ni­schen Thä­tig­keit wie­der oh­ne Un­ter­bre­chung ob­lie­gen.

Schon im ers­ten Jah­re mei­nes Auf­ent­halts in Pe­ters­burg war ich bei mei­nen Ge­schäf­ten so vom Glück be­güns­tigt ge­we­sen, dass ich be­reits zu An­fang des Jah­res 1847 in die Gil­de als Gross­händ­ler mich ein­schrei­ben liess. Ne­ben die­ser mei­ner neu­en Thä­tig­keit blieb ich in un­ver­än­der­ter Be­zie­hung zu den Her­ren B.H. Schrö­der & Co. in Ams­ter­dam, de­ren Agen­tur ich fast elf Jah­re lang be­hielt. Da ich in Ams­ter­dam ei­ne gründ­li­che Kennt­niss von In­di­go er­langt hat­te, be­schränk­te ich mei­nen Han­del fast aus­schliess­lich auf die­sen Ar­ti­kel, und so lan­ge mein Ver­mö­gen noch nicht 200000 Francs er­reich­te, gab ich nur Fir­men von be­währ­tes­tem Ru­fe über­haupt Credit. So muss­te ich mich frei­lich zu­erst mit klei­nem Ge­win­ne be­gnü­gen, ris­kir­te aber auch nichts.

Da ich lan­ge nichts von mei­nem Bru­der Lud­wig Schlie­mann ge­hört hat­te, der im Be­ginn des Jah­res 1849 nach Ca­li­for­ni­en aus­ge­wan­dert war, so be­gab ich mich im Früh­jahr 1850 dort­hin und er­fuhr, dass er ver­stor­ben war. Ich be­fand mich noch in Ca­li­for­ni­en, als das­sel­be am 4. Ju­li 1850 zum Staa­te er­ho­ben wur­de, und da al­le an je­nem Ta­ge im Lan­de Ver­wei­len­den ip­so fac­to na­tu­ra­li­sir­te Ame­ri­ka­ner wur­den, so wur­de auch ich Bür­ger der Ver­ei­nig­ten Staa­ten Ge­gen En­de des Jah­res 1852 eta­blir­te ich in Mos­kau ei­ne Fi­lia­le für den En­gros­ver­kauf von In­di­go zu­erst un­ter der Lei­tung mei­nes vor­treff­li­chen Agen­ten, Ale­xei Mat­we­jew, nach des­sen To­de aber un­ter der sei­nes Die­ners Jut­schen­ko, den ich zum Ran­ge ei­nes Kauf­manns der zwei­ten Gil­de er­hob; denn aus ei­nem ge­schick­ten Die­ner kann ja leicht ein gu­ter Di­rec­tor wer­den, wenn auch aus ei­nem Di­rec­tor nie ein brauch­ba­rer Die­ner wird.

Da ich in Pe­ters­burg im­mer mit Ar­beit überhäuft war, konn­te ich mei­ne Sprach­stu­di­en nicht wei­ter be­trei­ben, und so fand ich erst im Jah­re 1854 aus­rei­chen­de Zeit, mir die schwe­di­sche und pol­­ni­sche Spra­che an­zu­eig­nen.

Die gött­li­che Vor­se­hung be­schütz­te mich oft in der wun­der­bars­ten Wei­se, und mehr als ein­mal wur­de ich nur durch ei­nen Zu­fall vom ge­wis­sen Un­ter­gan­ge ge­ret­tet. Mein gan­zes Le­ben lang wird mir der Mor­gen des 4. Oc­to­ber 1854 in der Er­in­ne­rung blei­ben. Es war in der Zeit des Krim­krie­ges. Da die rus­si­schen Hä­fen blo­ckirt wa­ren, muss­ten al­le für Pe­ters­burg be­stimm­ten Waa­ren nach den preus­si­schen Hä­fen von Kö­nigs­berg und Me­mel ver­schifft und von dort zu Lan­de wei­ter be­för­dert wer­den. So wa­ren denn auch meh­re­re hun­dert Kis­ten In­di­go und ei­ne gros­se Par­tie an­de­rer Waa­ren von den Her­ren J. Hen­ry Schrö­der & Co. in London27 und B.H. Schrö­der & Co. in Ams­ter­dam für mei­ne Rech­nung auf zwei Damp­fern an mei­ne Agen­ten, die Her­ren Mey­er & Co., in Me­mel ab­ge­sandt wor­den, um von dort zu Lan­de nach Pe­ters­burg trans­por­tirt zu wer­den. Ich hat­te den In­di­goauc­tio­nen in Ams­ter­dam bei­ge­wohnt und be­fand mich nun auf dem We­ge nach Me­mel, um dort nach der Ex­pe­di­ti­on mei­ner Waa­ren zu se­hen. Spät am Abend des 3. Oc­to­ber im Hôtel de Prus­se in Kö­nigs­berg an­ge­kom­men, sah ich am fol­gen­den Mor­gen, bei ei­nem zu­fäl­li­gen Blick aus dem Fens­ter mei­nes Schlaf­zim­mers, auf dem Thur­me des na­hen »Grü­nen Tho­res« fol­gen­de omi­nö­se In­schrift in gros­sen ver­gol­de­ten Let­tern mir ent­ge­gen­leuch­ten:

 

Vul­tus for­t­un­ae va­ria­tur ima­gi­ne lunae:

Cre­scit, de­cre­scit, con­s­tans per­­sis­te­re nescit.

 

Ich war nicht aber­gläu­bisch, aber doch mach­te die­se In­schrift ei­nen tie­fen Ein­druck auf mich, und ei­ne zit­tern­de Furcht, wie vor ei­nem na­hen un­be­kann­ten Mis­ge­schick be­mäch­tig­te sich mei­ner. Als ich mei­ne Rei­se mit der Post fort­setz­te, ver­nahm ich auf der ers­ten Sta­ti­on hin­ter Til­sit zu mei­nem Ent­set­zen, dass die Stadt Me­mel am vor­her­ge­gan­ge­nen Ta­ge von ei­ner furcht­ba­ren Feu­ers­brunst ein­ge­äschert wor­den sei, und vor der Stadt an­ge­kom­men, sah ich die Nach­richt in der trau­rigs­ten Wei­se be­stä­tigt. Wie ein un­ge­heu­rer Kirch­hof, auf dem die rauch­ge­schwärz­ten Mau­ern und Schorn­stei­ne wie gros­se Grab­stei­ne, wie fins­te­re Wahr­zei­chen der Ver­gäng­lich­keit al­les Ir­di­schen sich er­ho­ben, lag die Stadt vor un­sern Bli­cken. Halb­ver­zwei­felt such­te ich zwi­schen den rau­chen­den Trüm­mer­hau­fen nach Herrn Mey­er. End­lich ge­lang es mir, ihn auf­zu­fin­den – aber auf mei­ne Fra­ge, ob mei­ne Gü­ter ge­ret­tet wä­ren, wies er statt al­ler Ant­wort auf sei­ne noch glim­men­den Spei­cher und sag­te: »Dort lie­gen sie be­gra­ben.« Der Schlag war sehr hart: durch die an­ge­streng­te Ar­beit von acht und ei­nem hal­ben Jah­re hat­te ich mir in Pe­ters­burg ein Ver­mö­gen von 150000 Tha­lern er­wor­ben – und nun soll­te dies ganz ver­lo­ren sein. Es währ­te in­des­sen nicht lan­ge, so hat­te ich mich auch mit die­sem Ge­dan­ken ver­traut ge­macht, und ge­ra­de die Ge­wiss­heit mei­nes Ru­ins gab mir mei­ne Geis­tes­ge­gen­wart wie­der.

Das Be­wusst­sein, nie­man­dem et­was schul­dig zu sein, war mir ei­ne gros­se Be­ru­hi­gung; der Krim­krieg hat­te näm­lich erst vor kur­zem be­gon­nen, die Han­dels­ver­hält­nis­se wa­ren noch sehr un­si­cher, und ich hat­te in­fol­ge des­sen nur ge­gen baar ge­kauft. Ich durf­te wol er­war­ten, dass die Her­ren Schrö­der in Lon­don und Ams­ter­dam mir Credit ge­wäh­ren wür­den, und so hat­te ich die bes­te Zu­ver­sicht, dass es mir mit der Zeit ge­lin­gen wer­de, das Ver­lo­re­ne wie­der zu er­set­zen. Es war noch an Abend des näm­li­chen Ta­ges: ich stand im Be­grif­fe, mei­ne Wei­ter­rei­se nach Pe­ters­burg mit der Post an­zu­tre­ten, und er­zähl­te eben den üb­ri­gen Pas­sa­gie­ren von mei­nem Miss­ge­schick, da frag­te plötz­lich ei­ner der Um­ste­hen­den nach mei­nem Na­men, und rief, als er den­sel­ben ver­nom­men hat­te, aus: »Schlie­mann ist ja der Ein­zi­ge, der nichts ver­lo­ren hat! Ich bin der ers­te Com­mis bei Mey­er & Co. Un­ser Spei­cher war schon über­voll, als die Damp­fer mit Schlie­mann’s Waa­ren an­lang­ten, und so muss­ten wir dicht da­ne­ben noch ich ei­nen höl­zer­nen Schup­pen bau­en, in dem sein gan­zes Ei­gen­thum un­ver­sehrt ge­blie­ben ist.« Der plötz­li­che Ue­ber­gang von schwe­rem Kum­mer zu gros­ser Freu­de ist nicht leicht oh­ne Thrä­nen zu er­tra­gen: ich stand ei­ni­ge Mi­nu­ten sprach­los; schien es mir doch wie ein Traum, wie ganz un­glaub­lich, dass ich al­lein aus dem all­ge­mei­nen Ru­in un­be­schä­digt her­vor­ge­gan­gen sein soll­te! Und doch war dem so; und das wun­der­bars­te da­bei, dass das Feu­er in dem mas­si­ven Spei­cher von Mey­er & Co., auf der nörd­li­chen Sei­te der Stadt aus­ge­kom­men war, von wo es bei ei­nem hef­ti­gen, or­kan­ar­ti­gen Nord­wind sich schnell über die gan­ze Stadt ver­brei­tet hat­te; die­ser Sturm war denn auch die Ret­tung für den höl­zer­nen Schup­pen ge­we­sen, der, nur ein paar Schritt nörd­lich von dem Spei­cher ge­le­gen, ganz un­ver­sehrt ge­blie­ben war.

Mei­ne glück­lich ver­schont ge­blie­be­nen Waa­ren ver­kauf­te ich nun äus­serst vort­heil­haft, liess dann den Er­trag wie­der und im­mer wie­der ar­bei­ten, mach­te gros­se Ge­schäf­te in In­di­go, Far­be­höl­zern und Kriegs­ma­te­ria­li­en (Sal­pe­ter, Schwe­fel und Blei), und konn­te so, da die Ka­pi­ta­lis­ten Scheu tru­gen, sich wäh­rend des Krim­krie­ges auf grös­se­re Un­ter­neh­mun­gen ein­zu­las­sen, be­trächt­li­che Ge­win­ne er­zie­len und im Lau­fe ei­nes Jah­res mein Ver­mö­gen mehr als ver­dop­peln. We­sent­lich wur­de ich in mei­nen Ope­ra­tio­nen wäh­rend des Krim­krie­ges durch die gros­se Um­sicht und Ge­schick­lich­keit mei­nes Agen­ten und lie­ben Freun­des Isi­dor Lich­ten­stein, des äl­tern Theil­ha­bers des ge­ach­te­ten Hau­ses Mar­cus Cohn & Sohn in Kö­nigs­berg, und sei­nes jün­gern Com­pa­gnons Herrn Lud­wig Leo un­ter­stützt, wel­che mir mei­ne Tran­si­to­gü­ter, die in­fol­ge der Zer­stö­rung Me­mels al­le über Kö­nigs­berg gin­gen, mit ei­ner wirk­lich wun­der­ba­ren Prompt­heit ex­pe­dir­ten.

Ich hat­te im­mer sehn­lichst ge­wünscht, Grie­chisch ler­nen zu kön­nen; vor dem Krim­krie­ge aber war es mir nicht rath­sam er­schie­nen, mich auf die­ses Stu­di­um ein­zu­las­sen; denn ich muss­te fürch­ten, dass der mäch­ti­ge Zau­ber der herr­li­chen Spra­che mich zu sehr in An­spruch neh­men und mei­nen kauf­män­ni­schen In­ter­es­sen ent­frem­den möch­te. Wäh­rend des Krie­ges aber war ich mit Ge­schäf­ten der­mas­sen über­bür­det, dass ich nicht ein­mal da­zu kom­men konn­te, ei­ne Zei­tung, ge­schwei­ge denn ein Buch zu le­sen. Als aber im Ja­nu­ar 1856 die ers­ten Frie­dens­nach­rich­ten in Pe­ters­burg ein­tra­fen, ver­moch­te ich mei­nen Wunsch nicht län­ger zu un­ter­drü­cken und be­gab mich un­ver­züg­lich mit gröss­tem Ei­fer an das neue Stu­di­um; mein ers­ter Leh­rer war Herr Ni­ko­la­os Pap­pa­dakes, der zwei­te Herr Theo­kle­tos Vim­pos, bei­de aus Athen, wo der letz­te­re heu­te Erz­bi­schof ist. Wie­der be­folg­te ich ge­treu­lich mei­ne al­te Me­tho­de, und um mir in kur­zer Zeit den Wort­schatz an­zu­eig­nen, was mir noch schwie­ri­ger vor­kam als bei der rus­si­schen Spra­che, ver­schaff­te ich mir ei­ne neu­grie­chi­sche Ue­ber­set­zung von »Paul et Vir­gi­nie« und las die­sel­be durch, wo­bei ich dann auf­merk­sam je­des Wort mit dem gleich­be­deu­ten­den des fran­zö­si­schen Ori­gi­nals ver­glich. Nach ein­ma­li­gem Durch­le­sen hat­te ich we­nigs­tens die Hälf­te der in dem Bu­che vor­kom­men­den Wör­ter in­ne, und nach ei­ner Wie­der­ho­lung die­ses Ver­fah­rens hat­te ich sie bei­na­he al­le ge­lernt, oh­ne da­bei auch nur ei­ne Mi­nu­te mit Nach­sch­la­gen in ei­nem Wör­ter­bu­che ver­lo­ren zu ha­ben. So ge­lang es mir in der kur­zen Zeit von sechs Wo­chen die Schwie­rig­kei­ten des Neu­grie­chi­schen zu be­meis­tern; da­nach aber nahm ich das Stu­di­um der al­ten Spra­che vor, von der ich in drei Mo­na­ten ei­ne ge­nü­gen­de Kennt­niss er­lang­te, um ei­ni­ge der al­ten Schrift­stel­ler und be­son­ders den Ho­mer ver­ste­hen zu kön­nen, den ich mit gröss­ter Be­geis­te­rung im­mer und im­mer wie­der las.

Nun be­schäf­tig­te ich mich zwei Jah­re lang aus­schliess­lich mit der alt­grie­chi­schen Li­te­ra­tur, und zwar las ich wäh­rend die­ser Zeit bei­na­he al­le al­ten Clas­si­ker cur­so­risch durch, die Ili­as und Odys­see aber mehr­mals. Von grie­chi­scher Gram­ma­tik lern­te ich nur die De­cli­na­tio­nen und die re­gel­mäs­si­gen und un­re­gel­mäs­si­gen Ver­ba, mit dem Stu­di­um der gram­ma­ti­schen Re­geln aber ver­lor ich auch kei­nen Au­gen­blick mei­ner kost­ba­ren Zeit. Denn da ich sah, dass kein ein­zi­ger von all den Kna­ben, die in den Gym­na­si­en acht Jah­re hin­durch, ja oft noch län­ger, mit lang­wei­li­gen gram­ma­ti­schen Re­geln ge­quält und ge­plagt wer­den, spä­ter im Stan­de ist, ei­nen grie­chi­schen Brief zu schrei­ben, oh­ne dar­in hun­der­te der gröbs­ten Feh­ler zu ma­chen, muss­te ich wol an­neh­men, dass die in den Schu­len be­folg­te Me­tho­de ei­ne durch­aus fal­sche war; mei­ner Mei­nung nach kann man sich ei­ne gründ­li­che Kennt­niss der grie­chi­schen Gram­ma­tik nur durch die Pra­xis an­eig­nen, d.h. durch auf­merk­sa­mes Le­sen clas­si­scher Pro­sa und durch Aus­wen­dig­ler­nen von Mus­ter­stü­cken aus der­sel­ben. In­dem ich die­se höchst ein­fa­che Me­tho­de be­folg­te, lern­te ich das Alt­grie­chi­sche wie ei­ne le­ben­de Spra­che. So schrei­be ich es denn auch voll­stän­dig flies­send und drü­cke mich oh­ne Schwie­rig­keit dar­in über je­den be­lie­bi­gen Ge­gen­stand aus, oh­ne die Spra­che je zu ver­ges­sen. Mit al­len Re­geln der Gram­ma­tik bin ich voll­kom­men ver­traut, wenn ich auch nicht weiss, ob sie in den Gram­ma­ti­ken ver­zeich­net ste­hen oder nicht. Und kommt es vor, dass je­mand in mei­nen grie­chi­schen Schrif­ten Feh­ler ent­de­cken will, so kann ich je­des­mal den Be­weis für die Rich­tig­keit mei­ner Aus­drucks­wei­se da­durch er­brin­gen, dass ich ihm die­je­ni­gen Stel­len aus den Clas­si­kern re­ci­ti­re, in de­nen die von mir ge­brauch­ten Wen­dun­gen vor­kom­men.

Un­ter­des­sen nah­men mei­ne kauf­män­ni­schen Ge­schäf­te in Pe­ters­burg und Mos­kau ei­nen stets güns­ti­gen Fort­gang. Ich war als Kauf­mann un­ge­mein vor­sich­tig; und ob­gleich ich bei dem schreck­li­chen Krach der furcht­ba­ren Han­dels­kri­sis des Jah­res 1857 auch von ei­ni­gen har­ten Schlä­gen be­trof­fen wur­de, so tha­ten mir die­sel­ben doch kei­nen er­heb­li­chen Scha­den, und selbst je­nes un­glück­li­che Jahr brach­te mir schliess­lich noch ei­ni­gen Ge­winn.

Im Som­mer 1858 nahm ich mit mei­nem ver­ehr­ten Freun­de Pro­fes­sor Lud­wig von Mu­r­alt in Pe­ters­burg mei­ne Stu­di­en der la­tei­ni­schen Spra­che wie­der auf, die fast 25 Jah­re lang ge­ruht hat­ten. Jetzt, wo ich Neu- und Alt­grie­chisch konn­te, mach­te mir das La­tei­ni­sche we­nig Mü­he und ich hat­te es mir bald an­ge­eig­net.

So möch­te ich denn für Ge­gen­wart und Zu­kunft al­len Di­rec­to­ren von Gym­na­si­en drin­gend emp­feh­len, die von mir be­folg­te Me­tho­de in ih­ren An­stal­ten ein­zu­füh­ren, die Kin­der zu­erst von Leh­rern, die ge­bo­re­ne Grie­chen sind, im Neu­grie­chi­schen un­ter­rich­ten und sie Alt­grie­chisch erst an­fan­gen zu las­sen, wenn sie die mo­der­ne Spra­che ge­läu­fig sp­re­chen und schrei­ben kön­nen, was in un­ge­fähr sechs Mo­na­ten er­reich­bar sein wird. Die­sel­ben Leh­rer kön­nen dann auch den Un­ter­richt in der al­ten Spra­che ert­hei­len; wenn sie mei­ne Me­tho­de be­fol­gen, wer­den sie in­tel­li­gen­te Kna­ben schon in ei­nem Jah­re da­hin brin­gen, al­le Schwie­rig­kei­ten be­wäl­tigt, das Alt­grie­chi­sche wie ei­ne le­ben­de Spra­che er­lernt zu ha­ben, al­le Clas­si­ker ver­ste­hen und sich mit Leich­tig­keit schrift­lich über je­des in ih­rem Be­reich lie­gen­de The­ma aus­drü­cken zu kön­nen.

Ich ver­fech­te hier nicht lee­re Theo­ri­en, son­dern vert­hei­di­ge un­wi­der­leg­li­che That­sa­chen; und des­halb ver­die­ne ich wol, ge­hört zu wer­den. Für ein schrei­en des Un­recht er­klä­re ich es, dass man heu­te noch Kna­ben acht lan­ge Jah­re hin­durch mit dem Stu­di­um ei­ner Spra­che plagt, von der sie beim Ver­las­sen der Schu­le im all­ge­mei­nen kaum mehr wis­sen als am An­fang. Was spe­ci­ell die eng­li­schen An­stal­ten be­trifft, so ist bei ih­nen der Haupt­grund des Ue­bels zu­nächst in der will­kür­lich an­ge­nom­me­nen ab­scheu­li­chen eng­li­schen Aus­spra­che des Grie­chi­schen zu su­chen; dann aber in der grund­fal­schen Me­tho­de, nach wel­cher die Schü­ler al­le Ac­cen­te als ganz über­flüs­sig, ja als blos­ses Hin­der­niss zu be­trach­ten ler­nen, wäh­rend die­sel­ben doch ge­ra­de eins der we­sent­lichs­ten Hülfs­mit­tel bei der Er­ler­nung der Spra­che dar­bie­ten. Man den­ke, von wie vort­heil­haf­tem Ein­fluss auf die all­ge­mei­ne Bil­dung, wie för­dernd für al­les wis­sen­schaft­li­che Stre­ben es sein müss­te, wenn fä­hi­ge Kna­ben in 18 Mo­na­ten sich ei­ne gründ­li­che Kennt­niss der neu­grie­chi­schen so­wol als auch der von Ho­mer und Pla­ton ge­spro­che­nen schö­nen, gött­li­chen, wohl­klin­gen­den alt­grie­chi­schen Spra­che an­eig­nen könn­ten, die sie wie ei­ne le­ben­de Spra­che er­ler­nen und so­mit nicht wie­der ver­ges­sen wür­den! Und wie leicht und mit wie ge­rin­gen Kos­ten wür­de ei­ne da­hin zie­len­de Um­än­de­rung der Schul­an­stal­ten sich be­werk­stel­li­gen las­sen! Gibt es doch in Grie­chen­land ei­nen Ue­ber­fluss an hoch­ge­bil­de­ten, stu­dir­ten Män­nern, die aus­ser ih­rer Mut­ter­spra­che auch der Spra­che ih­rer Vor­fah­ren voll­kom­men mäch­tig, da­ne­ben mit der gan­zen clas­si­schen Li­te­ra­tur wohl ver­traut sind, und die gern und un­ter mäs­si­gen Be­din­gun­gen der­ar­ti­ge Stel­lun­gen im Aus­lan­de an­neh­men wür­den. Wie sehr die Kennt­niss des Neu­grie­chi­schen dem Schü­ler das Er­ler­nen der al­ten Spra­che er­leich­tert, wird wol am bes­ten durch ei­ne That­sa­che be­wie­sen, die ich sel­ber mehr als ein­mal in Athen zu be­ob­ach­ten Ge­le­gen­heit ge­habt ha­be; dass näm­lich Hand­lungs­ge­hül­fen, die, des Kauf­manns­stan­des über­drüs­sig, den La­den mit der Stu­dir­stu­be ver­tauscht hat­ten, schon in Zeit von vier Mo­na­ten im Stan­de wa­ren, den Ho­mer und selbst den Thuky­dides zu le­sen.

Was die la­tei­ni­sche Spra­che an­be­trifft, so soll­te die­sel­be mei­ner Mei­nung nach nicht vor, son­dern im­mer erst nach der grie­chi­schen ge­lehrt wer­den.

Im Jah­re 1858 schien mir mein er­wor­be­nes Ver­mö­gen gross ge­nug, und ich wünsch­te mich des­halb gänz­lich vom Ge­schäft zu­rück­zu­zie­hen. Ich reis­te zu­nächst nach Schwe­den, Dä­ne­mark, Deutsch­land, Ita­li­en und Ae­gyp­ten, wo ich den Nil bis zu den zwei­ten Ka­ta­rak­ten in Nu­bi­en hin­auf­fuhr. Hier­bei be­nutz­te ich die güns­ti­ge Ge­le­gen­heit, Ara­bisch zu ler­nen, und reis­te dann durch die Wüs­te von Kai­ro nach Je­ru­sa­lem. Dar­auf be­such­te ich Pe­tra, durch­streif­te ganz Sy­ri­en und hat­te so fort­dau­ernd Ge­le­gen­heit, ei­ne prak­ti­sche Kennt­niss des Ara­bi­schen zu er­wer­ben; ein ein ge­hen­des Stu­di­um der Spra­che nahm ich erst spä­ter in Pe­ters­burg vor. Nach der Rück­kehr aus Sy­ri­en be­such­te ich im Som­mer 1859 Smyr­na, die Ky­kla­den und Athen und war eben im Be­griff, nach der In­sel Itha­ka auf­zu­bre­chen, als ich vom Fie­ber be­fal­len wur­de. Zu­gleich kam mir auch die Nach­richt aus Pe­ters­burg zu, dass der Kauf­mann Ste­pan So­lo­vieff, der fal­lirt hat­te und nach ei­ner zwi­schen uns ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­rung die be­deu­ten­den Sum­men, die er mir schul­de­te, in­ner­halb vier Jah­ren und zwar in jähr­li­chen Ra­ten zu­rück­zah­len soll­te, nicht nur den ers­ten Ter­min nicht in­ne­ge­hal­ten, son­dern über­dies bei dem Han­dels­ge­rich­te ei­nen Pro­cess ge­gen mich an­ge­strengt hat­te. Un­ver­züg­lich kehr­te ich nach Pe­ters­burg zu­rück, die Luft­ver­än­de­rung curir­te mich vom Fie­ber, und in kür­zes­ter Zeit ge­wann ich auch den Pro­cess. Nun aber ap­pel­lir­te mein Geg­ner bei dem Se­nat, wo kein Pro­cess in we­ni­ger als drei bis vier Jah­ren zur Ent­schei­dung ge­lan­gen kann, und da mei­ne per­sön­li­che Ge­gen­wart un­um­gäng­lich nothwen­dig war, nahm ich mei­ne Han­dels­ge­schäf­te, sehr wi­der Wil­len, von neu­em auf, und zwar dies­mal in weit grös­serm Maas­ta­be als je zu­vor. Vom Mai bis Oc­to­ber 1860 be­lief sich der Werth der von mir im­por­tir­ten Waa­ren auf nicht we­ni­ger als 10 Mil­lio­nen Mark. Aus­ser in In­di­go und Oli­ven­öl mach­te ich in den Jah­ren 1860 und 1861 auch in Baum­wol­le sehr be­deu­ten­de Ge­schäf­te, die durch den ame­ri­ka­ni­schen Bür­ger­krieg und die Blo­ka­de der süd­staat­li­chen Hä­fen be­güns­tigt wur­den und gros­sen Ge­winn ga­ben. Als die Baum­wol­le aber zu theu­er wur­de, gab ich sie auf und mach­te Ge­schäf­te in Thee, des­sen Ein­fuhr auf dem See­we­ge vom Mai 1862 an ge­stat­tet wur­de. Mei­ne ers­te Thee­ord­re an die Her­ren J. Hen­ry Schrö­der & Co. in Lon­don war auf 30 Kis­ten; als die­se vort­heil­haft ver­kauft wa­ren, liess ich 1000 und dar­auf 4000 und 6000 Kis­ten kom­men, kauf­te auch zu bil­li­gem Prei­se das gan­ze Thee­la­ger von Herrn J.E. Günz­burg in St. Pe­ters­burg, der sich ganz vom Waa­ren­han­del zu­rück­zie­hen woll­te, und ver­di­en­te in den ers­ten 6 Mo­na­ten 140000 M. an Thee, in­dem ich aus­ser­dem noch 6% Zins vom Ka­pi­tal hat­te. Als aber im Win­ter von 1862 auf 1863 die Re­vo­lu­ti­on in Po­len aus­brach und die Ju­den die dort herr­schen­de Un­ord­nung be­nutz­ten, um rie­si­ge Quan­ti­tä­ten Thee nach Russ­land ein­zu­schmug­geln, konn­te ich, der ich im­mer den ho­hen Ein­fuhr­zoll be­zah­len muss­te, nicht die Con­cur­renz die­ser Leu­te aus­hal­ten und zog mich da­her wie­der vom Thee­han­del zu­rück. Ich hat­te da­mals noch 6000 Kis­ten auf La­ger, die ich nur müh­sam mit ge­rin­gem Ge­winn los­wur­de.

Da ich we­gen des nied­ri­gern Land­zolls al­len Thee über Kö­nigs­berg im­por­tir­te, so ge­währ­te mir das Thee­ge­schäft die Freu­de, mei­ne seit dem Krim­krieg un­ter­bro­che­ne Ge­schäfts­ver­bin­dung mit den Her­ren Mar­cus Cohn & Sohn in Kö­nigs­berg zu er­neu­ern und von den­sel­ben vie­le neue Be­wei­se ih­rer Um­sicht und aus­ser­or­dent­li­chen Ge­wandt­heit zu er­hal­ten. Mei­ne Haupt­sta­pel­waa­re aber blieb der In­di­go; denn da ich ei­ne gründ­li­che Kennt­niss die­ses Ar­ti­kels be­sass und von den Her­ren J. Hen­ry Schrö­der in Lon­don im­mer mit aus­er­le­se­ner und bil­li­ger Waa­re ver­se­hen wur­de, da­zu auch selbst gros­se Quan­ti­tä­ten di­rect von Kal­kut­ta im­por­tir­te und nie, wie die üb­ri­gen In­dig­o­händ­ler in Pe­ters­burg, den Ver­kauf des In­di­go mei­nen Com­mis oder Die­nern über­liess, son­dern stets selbst im Spei­cher stand, um den Händ­lern die Waa­re zu zei­gen und die En­gros­ver­käu­fe ab­zu­schlies­sen, so hat­te ich kei­ne Con­cur­renz zu fürch­ten und durch­schnitt­lich ei­nen jähr­li­chen Rein­ge­winn von 200000 M. an In­di­go und aus­ser­dem 6% Zins vom Ka­pi­tal.

Da der Him­mel fort­fuhr, al­len mei­nen kauf­män­ni­schen Un­ter­neh­mun­gen ein wun­der­ba­res Ge­lin­gen zu schen­ken, be­fand ich mich schon ge­gen En­de des Jah­res 1863 im Be­sit­ze ei­nes Ver­mö­gens, das an Grös­se al­les über­traf, was ich in mei­nen kühns­ten Träu­men je zu er­stre­ben ge­wagt hat­te. In­mit­ten al­len Ge­wühls des ge­schäft­li­chen Le­bens aber hat­te ich nie auf­ge­hört, an Tro­ja zu den­ken und an die 1830 mit mei­nem Va­ter und Min­na ge­trof­fe­ne Ue­ber­ein­kunft, es der­einst aus­zu­gra­ben. Wol hing mein Herz jetzt am Gel­de, aber nur, weil ich das­sel­be als Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses mei­nes gros­sen Le­bens­zwe­ckes be­trach­te­te. Aus­ser­dem hat­te ich nur mit Wi­der­wil­len und weil ich für die Zeit des lang­wie­ri­gen Pro­ces­ses mit So­lo­vieff ei­ne Be­schäf­ti­gung und Zer­streu­ung brauch­te, mei­ne kauf­män­ni­sche Thä­tig­keit wie­der auf­ge­nom­men. Als da­her der Se­nat die Ap­pel­la­ti­on mei­nes Geg­ners ab­ge­wie­sen und die­ser mir im De­cem­ber 1863 die letz­te Zah­lung ge­leis­tet hat­te, fing ich so­fort an, mein Ge­schäft zu li­qui­diren. Be­vor ich mich je­doch gänz­lich der Ar­chäo­lo­gie wid­me­te und an die Ver­wirk­li­chung des Trau­mes mei­nes Le­bens ging, woll­te ich noch et­was mehr von der Welt se­hen. So reis­te ich im April 1864 nach Tu­nis, nahm die Rui­nen von Kar­tha­go in Au­gen­schein, und ging von dort über Ae­gyp­ten nach In­di­en. Der Rei­he nach be­such­te ich die In­sel Cey­lon, Ma­dras, Kal­kut­ta, Ben­a­res, Agra, Luknow, De­lhi, das Hi­ma­la­ya-Ge­bir­ge, Sin­g­a­po­re, die In­sel Ja­va, Saïgon in Co­chin­chi­na und ver­weil­te dann zwei Mo­na­te in Chi­na, wo ich nach Hong-Kong, Can­ton, Amoy, Fooch­oo, Shan­gai, Tin-Sin, Pe­king und bis zur Chi­ne­si­schen Mau­er kam. Dann be­gab ich mich nach Yo­ko­ha­ma und Jed­do in Ja­pan und von hier auf ei­nem klei­nen eng­li­schen Schif­fe über den Stil­len Oce­an nach San-Fran­cis­co in Ca­li­for­ni­en. Un­se­re Ue­ber­fahrt dau­er­te 50 Ta­ge, wäh­rend de­ren ich mein ers­tes Buch »La Chi­ne et le Ja­pon« schrieb. Von San-Fran­cis­co ging ich über Ni­ca­ra­gua nach den öst­li­chen Ver­ei­nig­ten Staa­ten, von de­nen ich die meis­ten durch­reis­te; dann be­such­te ich noch Ha­van­na und die Stadt Me­xi­co, und liess mich end­lich im Früh­jahr 1866 in Pa­ris nie­der, um mich dau­ernd dem Stu­di­um der Ar­chäo­lo­gie zu wid­men, das ich von nun an nur durch ge­le­gent­li­che  Rei­sen nach Ame­ri­ka un­ter­brach.

 

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