Das schwedische Zündholz

Am Morgen des 6. Oktober 1885 erschien in der Kanzlei des Amtshauptmanns des zweiten Distrikts des S–schen Kreises ein anständig gekleideter junger Mann und meldete, daß sein Prinzipal, der dim. Garde-Kornett Mark Iwanowitsch Kljausow ermordet sei. Der junge Mann war blaß und sehr aufgeregt. Seine Hände zitterten, und aus seinen Augen starrte der Schrecken.

»Mit wem habe ich die Ehre zu sprechen?« fragte ihn der Amtshauptmann.

»Psekow, der Gutsinspektor Kljausows. Agronom und Mechaniker.«

Der Amtshauptmann und die zur Hilfsleistung requirierten Leute fanden, als sie mit Psekow am Orte der That anlangten, folgendes vor. Um das Nebengebäude, in welchem Kljausow lebte, drängte sich eine Menge Volk. Die Nachricht von dem Ereignis hatte schnell wie ein Blitz die ganze Umgegend durchflogen, und da der Tag ein Feiertag war, strömte das Volk aus allen umliegenden Dörfern zu dem Hause herbei. Lärm und lautes Gerede erfüllten die Luft. Hier und da sah man ein verweintes Gesicht. Die Thür zu Kljausows Schlafzimmer war verschlossen. Der Schlüssel steckte von innen.

»Offenbar waren die Übelthäter zu ihm durchs Fenster eingedrungen«, bemerkte während der Besichtigung der Thür der zitternde Psekow.

Man begab sich in den Garten, nach welchem hinaus das Fenster des Schlafzimmers lag. Das Fenster sah finster und unheilverkündend aus. Es war geschlossen und mit einer grünen verblichenen Gardine verhängt. Die eine Ecke der Gardine war ein wenig zurückgeschlagen, sodaß man in das Schlafzimmer hineinsehen konnte.

»Hat jemand von Euch schon zum Fenster hineingesehen?« fragte der Amtshauptmann.

»Nein, Ew. Wohlgeboren«, antwortete der Gärtner Jefrem, ein kleiner weißhaariger Alter mit einem Unteroffiziersgesicht. »Wie kann man denn hineinsehen, wenn einem die Kniee vor Schreck schlottern!«

»Ach, Mark Iwanitsch, Mark Iwanitsch!« seufzte der Amtshauptmann, auf das Fenster blickend. »Habe ich Dir nicht gesagt, daß Du schlecht enden wirst! Wolltest auf mich nicht hören . . . Liederlichkeit hat noch nie zum Guten geführt!«

»Ohne Jefrem hätten wir es überhaupt nicht gemerkt,« sagte Psekow. »Er war der erste, der darauf verfiel, daß hier etwas nicht richtig sei. Kommt heute Morgen zu mir und sagt: ›Wie kommt es denn, daß unser gnädiger Herr so lange nicht aufwacht? Die ganze Woche schon ist er aus dem Schlafzimmer nicht hinausgekommen!‹ Wie er mir das sagte, traf’s mich gleich wie ein Donnerkeil . . . Gleich ging mir ein Gedanke durch den Kopf . . . Er hat sich seit dem vorigen Sonnabend nicht gezeigt, und heute haben wir Sonntag! Sieben Tage, das ist kein Spaß!«

»Ja, der Arme . . .« seufzte nochmals der Amtshauptmann. »So ein kluger, gebildeter, gutmütiger Kerl. Unter Brüdern, kann man wohl sagen, der erste Mann. Aber liederlich, Gott habe ihn selig! – Stepan«, wandte sich der Amtshauptmann an einen der requirierten Leute, »fahr sofort zu mir hin und schicke Andrjuschka zum Kreishauptmann, daß er es ihm melde! Sage: Mark Iwanitsch ist ermordet! Und siehe auch nach dem Wachtmeister, wo er denn steckt. Er soll gleich herfahren! Und selbst fahre dann möglichst schnell zum Untersuchungsrichter Nikolai Jermolaitsch und sage ihm, daß er herkommen soll! Warte, ich will ihm einen Brief schreiben.«

Der Amtshauptmann stellte um das Haus Wächter auf, schrieb an den Untersuchungsrichter einen Brief und ging zu dem Gutsinspektor Thee trinken. Zehn Minuten später saß er auf einem Taburett, biß vorsichtig kleine Stückchen Zucker ab und schluckte den siedendheißen Thee . . .

»Ja . . .« sprach er zu Psekow. »Ja . . . Ein Edelmann, ein reicher Mensch . . . ein Liebling der Götter, kann man wohl mit Puschkin sagen, – und was ist aus ihm geworden? Nichts! Trank, führte ein lasterhaftes Leben und . . . und ist nun ermordet.«

Nach zwei Stunden kam der Untersuchungsrichter angefahren. Nikolai Jermolaitsch Tschubikow, der Untersuchungsrichter, war ein hoher, stämmiger alter Herr von etwa sechzig Jahren, der seine Thätigkeit schon seit einem Vierteljahrhundert ausübte und im ganzen Kreise als ein ehrlicher, kluger, energischer und seinem Dienst ergebener Beamter bekannt war. Mit ihm war auch sein ständiger Begleiter gekommen, sein Gehilfe und Schriftführer Djukowski, ein schlanker junger Mann von sechsundzwanzig Jahren.

»Ist es möglich, meine Herren?« begann Tschubikow, in Psekows Zimmer tretend und den Anwesenden flüchtig die Hände drückend. »Ist es möglich? Mark Iwanowitsch? Ermordet? Nein, das kann nicht sein! Un–mög–lich!«

»Ja, was wollen Sie . . .« seufzte der Amtshauptmann.

»Herrgott! Ich habe ihn doch am vorigen Freitag auf dem Jahrmarkt in Tarabanjkow gesehen! Ich trank mit ihm dort, mit Verlaub zu sagen, einen Schnaps!«

»Ja, was soll man machen . . .« seufzte nochmals der Amtshauptmann.

Mau seufzte und klagte, trank ein Glas Thee und begab sich nach dem Hause des Ermordeten.

»Aus dem Wege!« schrie der Polizeiwachtmeister das Volk an.

Im Hause angelangt, nahm der Untersuchungsrichter vor allem eine Besichtigung der Thür zu dem Schlafzimmer vor. Es ergab sich, daß die Thür aus Fichtenholz, gelb gestrichen und unbeschädigt war. Irgend welche besondere Merkmale, die irgend einen Hinweis geben könnten, wurden nicht gefunden. Man ging an das Erbrechen der Thür.

»Ich bitte, meine Herren, daß sich die Überflüssigen entfernen!« sagte der Untersuchungsrichter, als die Thür nach langem Klopfen und Krachen dem Beil und dem Stemmeisen wich. »Ich bitte dieses im Interesse der Untersuchung . . . Wachtmeister, niemand einlassen!«

Tschubikow, sein Gehilfe und der Amtshauptmann öffneten die Thür und betraten unschlüssig einer nach dem andern das Schlafzimmer. Ihren Augen zeigte sich folgendes Bild.

An dem einzigen Fenster stand ein großes hölzernes Bett mit einem riesigen Federpfühl. Auf dem zerdrückten Pfühl lag eine verknüllte Decke. Das ebenfalls stark zerknüllte Kopfkissen lag auf der Diele. Auf dem Betttischchen befanden sich eine silberne Uhr, ein silbernes Zwanzigkopekenstück und Schwefelhölzchen. Außer dem Bett, dem Tischchen und einem einzigen Stuhl waren im Zimmer weiter keine Möbel.

Als der Amtshauptmann einen Blick unter das Bett warf, sah er dort etwa zwei Dutzend leerer Flaschen, einen Strohhut und eine große Pulle Schnaps. Unter dem Tischchen fand man einen mit Staub bedeckten Stiefel.

Nachdem der Untersuchungsrichter nochmals einen forschenden Blick über des Zimmer geworfen hatte, wurde er dunkelrot und zog die Augenbrauen zusammen.

»Die Kanaillen!« murmelte er, die Fäuste ballend.

»Und wo ist denn Mark Iwanitsch?« fragte leise Djukowski.

»Ich verbitte mir, daß Sie sich einmischen!« sagte ihm Tschubikow scharf. »Untersuchen Sie gefälligst die Diele! – Das ist der zweite Fall in meiner Praxis, Jewgraf Kusjmitsch,« wandte er sich mit gesenkter Stimme an den Amtsrichter. »Im Jahre 1870 hatte ich einen ebensolchen Fall. Sie entsinnen sich übrigens wohl . . . Die Ermordung des Kaufmanns Portretow. Dort war es auch so. Die Kanaillen hatten ihn ermordet und die Leiche zum Fenster hinausgeschleppt . . .«

Tschubikow trat ans Fenster, zog den Vorhang vorweg und stieß vorsichtig gegen das Fenster. Das Fenster öffnete sich.

»Es öffnet sich, also war es nicht geschlossen . . . Hm . . . Auf dem Fensterbrett sind Spuren. Können Sie sehen? Hier sind die Spuren vom Knie . . . Hier ist also jemand eingestiegen . . . Man wird das Fenster ordentlich untersuchen müssen.«

»Auf der Diele ist nichts besonderes zu entdecken,« sagte Djukowski. »Weder Flecke noch Schrammen. Nur ein abgebranntes schwedisches Zündhölzchen habe ich gefunden. Hier ist es! Soviel ich weiß, hat Mark Iwanitsch nicht geraucht, sonst aber pflegte er immer Schwefelhölzer zu gebrauchen und niemals schwedische Zündhölzchen. Dieses Zündholz wird unter Umständen als Beweis dienen können . . .«

»Ach . . . schweigen Sie doch, bitte!« sagte der Untersuchungsrichter mit einer Handbewegung. »Kommt da mit seinem Zündholz! Ich leide keine Hitzköpfe! Anstatt Zündhölzchen zu suchen, untersuchen Sie lieber das Bett!«

Nach der Besichtigung des Bettes meldete Djukowski:

»Weder Blut, noch sonst irgend welche Flecke . . . Auch keine neuen Risse. An dem Kissen sieht man Spuren von Zähnen. Die Decke ist mit einer Flüssigkeit begossen, die den Geruch von Bier und den nämlichen Geschmack hat . . . Das Gesamtaussehen des Bettes läßt die Annahme zu, daß sich ein Kampf auf demselben abgespielt hat.«

»Ein Kampf, das weiß ich auch ohne Sie! Ich frage Sie nicht nach dem Kampfe. Anstatt nach dem Kampf zu suchen, sollten Sie lieber . . .«

»Der eine Stiefel ist hier, während der andere fehlt.«

»Nun, und was ist denn dabei?«

»Das, daß man ihn erwürgt hat, während er sich die Stiefel auszog. Er hatte nicht Zeit, den anderen Stiefel auszuziehen, als . . .«

»Na, jetzt legt er los . . . Und woher wissen Sie denn, daß er erwürgt worden ist?«

»Die Spuren der Zähne auf dem Kissen. Das Kissen selbst ist stark verknüllt und liegt 2½ Arschin weit vom Bett . . .«

»Geschwätz! Gehen wir lieber in den Garten. Anstatt hier zu stöbern, sollten Sie lieber im Garten nachsehen . . . Hier werde ich auch ohne Sie fertig.«

Im Garten wandte sich die Untersuchung vorerst dem Grase zu. Das Gras unter dem Fenster war zerdrückt. Auch ein Distelstrauch unterm Fenster, ganz nah an der Wand, war zerdrückt. Djukowski gelang es, an demselben einige gebrochene Zweige und ein Stückchen Watte zu entdecken. Auf den oberen Köpfen fand man einige dünne Härchen dunkelblauer Wolle.

»Von welcher Farbe war sein letzter Anzug?« fragte Djukowski Psekow.

»Von gelber Leinwand.«

»Sehr gut. Also hatten sie einen blauen Anzug.«

Einige Distelköpfe wurden abgeschnitten und sorgfältig in Papier gehüllt.

In diesem Augenblick kamen der Kreishauptmann Arzibaschew-Swistakowski und der Arzt Tjutjujew an. Der Kreishauptmann begrüßte die Anwesenden und begann sofort, seine Neugierde zu befriedigen. Der Doktor dagegen, ein langer und außerordentlich hagerer Mann mit eingefallenen Augen, einer langen Nase und spitzem Kinn, begrüßte sich mit niemand und fragte nach nichts, sondern setzte sich auf einen Baumstumpf und sprach mit einem Seufzer:

»Und die Serben sind wieder in Aufruhr! Was sie wollen, verstehe ich nicht! Österreich, Österreich, das werden wohl deine Stückchen sein!«

Die Besichtigung des Fensters von außen ergab absolut nichts; die Besichtigung des Grases und der nächsten Gebüsche dagegen gab der Untersuchung viele wertvolle Winke. Djukowski gelang es zum Beispiel, im Grase einen langen dunklen Streifen zu entdecken, der aus Flecken bestand und sich vom Fenster einige Faden weit in den Garten zog. Der Streifen endete unter einem Fliederbusch mit einem großen dunkelbraunen Fleck. Unter dem nämlichen Busch wurde ein Stiefel gefunden, der mit dem im Schlafzimmer befindlichen ein Paar ergab.

»Das ist altes Blut!« sagte Djukowski, die Flecken betrachtend.

Bei dem Worte ›Blut‹ erhob sich der Doktor und warf faul und oberflächlich einen Blick auf die Flecken.

»Ja, Blut,« murmelte er.

»Also nicht erwürgt, wenn das hier Blut ist!« sagte Tschubikow mit einem ironischen Blick auf Djukowski.

»Im Schlafzimmer wurde er erwürgt, und hier hat man ihm aus Furcht, daß er wieder auflebe, mit irgend etwas Scharfem einen Schlag versetzt. Der Fleck unter dem Strauch zeigt, daß er hier verhältnismäßig lange gelegen hat, während sie nach Mitteln suchten, ihn aus dem Garten hinauszuschleppen.«

»Nun, und der Stiefel?«

»Dieser Stiefel bestätigt nur meine Ansicht, daß sie ihn ermordet haben, während er sich vor dem Schlafengehen die Stiefel auszog. Den einen Stiefel hatte er ausgezogen, und den andern, diesen hier, hatte er noch zur Hälfte an. Der halbausgezogene Stiefel fiel während des Schüttelns und des Falls von selbst vom Fuß ab . . .«

»Kolossal gescheit!« lächelte Tschubikow. »Nur immer drauf los! Wann werden Sie es sich eigentlich abgewöhnen, sich mit ihren Raisonnements aufzudrängen? Anstatt zu raisonnieren, nehmen Sie lieber etwas von dem befleckten Gras!«

Nach der Besichtigung der Gegend und Aufnahme eines Planes derselben begab sich die Gesellschaft zu dem Gutsinspektor, um das Protokoll aufzusetzen und ein Frühstück einzunehmen. Während des Frühstücks wurde ein lebhaftes Gespräch geführt.

»Die Uhr, das Geld u. s. w. . . . alles ist da,« begann Tschubikow. »Es ist so sicher, wie zweimal zwei vier ist, daß hier kein Raubmord vorliegt.«

»Und daß der Mord von einer intelligenten Person vollführt worden ist,« schob Djukowski ein.

»Woraus schließen Sie das?«

»Ich habe zu meiner Unterstützung ein schwedisches Zündholz, wie solche unter den Bauern der hiesigen Gegend völlig unbekannt sind. Derartige Zündhölzchen verwenden hier nur die Gutsbesitzer, und auch die nicht mal alle. Ausgeführt wurde der Mord übrigens nicht von einer, sondern von mindestens drei Personen: zwei hielten ihn, und der dritte würgte. Kljausow war stark, und die Mörder mußten das wissen.«

»Was konnte ihm seine Kraft nützen, wenn er, sagen wir, schlief?«

»Die Mörder überfielen ihn beim Stiefelausziehen. Wenn er sich die Stiefel auszog, konnte er also nicht schlafen.«

»Na, reden Sie keinen Unsinn! Essen Sie lieber!«

»Und nach meinem Verstande, Ew. Wohlgeboren,« sagte der Gärtner Jefrem, den Samowar auf den Tisch setzend, »hat diese Schweinerei niemand anderes als Nikolaschka gemacht.«

»Sehr möglich,« sagte Psekow.

»Wer ist denn dieser Nikolaschka?«

»Der Kammerdiener des gnädigen Herrn, Ew. Wohlgeboren,« antwortete Jefrem. »Wer anders, als er? Ein Räuber ist er, Ew. Wohlgeboren, ein Säufer und Liederjahn, daß Gott bewahre! Er brachte dem gnädigen Herrn immer den Schnaps hin, er legte ihn zu Bett . . . Wer soll es denn sein, wenn nicht er? Und einmal, wenn ich es wagen darf, Ew. Wohlgeboren zu melden, hat er im Kruge renommiert, daß er den gnädigen Herrn totschlagen wird. Wegen Akuljka war das, wegen eines Frauenzimmers . . . Er hatte so ein Soldatenweib . . . Dem gnädigen Herrn hatte sie gefallen, und er hatte sie zu seiner Person emporgehoben; nun und dieser . . . natürlich, war wütend . . . Eben liegt er betrunken in der Küche . . . Weint und lügt, daß der gnädige Herr ihm leid thäte . . .«

»Das stimmt, wegen der Akuljka kann man schon wütend werden,« sagte Psekow. »Sie ist zwar ein Soldatenweib, eine Bäuerin, aber . . . Nicht umsonst hatte Mark Iwanitsch ihr den Namen Nana gegeben. Sie hat so etwas, was an die Nana erinnert . . . so etwas Anziehendes . . .«

»Ich habe sie gesehen . . . Ich weiß . . .« sagte der Untersuchungsrichter, sich in sein rotes Taschentuch schnaubend.

Djukowski wurde rot und senkte den Blick.

Der Amtshauptmann begann mit dem Finger auf der Untertasse zu trommeln.

Der Kreishauptmann hustete und suchte etwas in seinem Portefeuille.

Nur auf den Doktor allein schien die Erwähnung Akuljkas und Nanas durchaus keinen Eindruck gemacht zu haben.

Der Untersuchungsrichter befahl, Nikolaschka zu holen.

Nikolaschka, ein junger, langer Bursche mit pockennarbiger Nase und eingefallener Brust, in einem abgelegten Rock seines Herrn, trat in das Zimmer und verbeugte sich vor dem Untersuchungsrichter bis zur Erde. Sein Gesicht war verschlafen und verweint. Er selbst war betrunken und stand kaum auf den Beinen.

»Wo ist der gnädige Herr?« fragte ihn Tschubikow.

»Ermordet, Ew. Wohlgeboren.«

Nachdem er dieses gesagt, begann er mit den Augen zu zwinkern und fing an zu weinen.

»Daß er ermordet, wissen wir. Wo ist er aber jetzt? Wo ist seine Leiche?«

»Man sagt, daß er zum Fenster herausgeschleppt und im Garten vergraben worden sei.«

»Hm . . . Die Resultate der Untersuchung sind schon auf der Küche bekannt . . . Schlimm. – Wo warst Du denn, mein Lieber, in der Nacht, als der gnädige Herr ermordet wurde? Am Sonnabend also?«

Nikolaschka hob den Kopf, streckte den Hals aus und begann zu denken.

»Das kann ich nicht sagen, Ew. Wohlgeboren,« antwortete er. »Ich war betrunken und erinnere mich dessen nicht mehr.«

»Alibi!« flüsterte Djukowski lächelnd und sich die Hände reibend.

»So . . . Nun, und woher kommt denn das Blut unter dem Fenster des gnädigen Herrn?«

Nikolaschka hob wieder den Kopf und verfiel wieder in Gedanken.

»Denke schneller!« sagte der Kreishauptmann.

»Gleich. Das Blut ist von einem Strunt, Ew. Wohlgeboren! Ich schlachtete ein Huhn. Ich schlachtete es ganz einfach, wie gewöhnlich, das Huhn aber riß sich los und lief davon . . . Daher kommt auch das Blut . . .«

Jefrem bezeugte, daß Nikolaschka in der That jeden Abend Hühner schlachtet und zwar an verschiedenen Stellen. Daß ein halbgeschlachtetes Huhn im Garten umhergelaufen sei, habe niemand gesehen, die Möglichkeit könne aber allerdings nicht bestritten werden.

»Alibi!« lächelte Djukowski. »Und was für ein blödsinniges Alibi!«

»Hast Du mit Akuljka was zu thun gehabt?«

»Wer ist ohne Sünde . . .«

»Und der gnädige Herr hat sie Dir abspenstig gemacht?«

»Nein. Akuljka hat mir der Herr hier, Herr Psekow, Iwan Michajlitsch, abspenstig gemacht, und der gnädige Herr hat sie dann Iwan Michajlitsch abgenommen. So war die Sache . . .«

Psekow wurde verlegen und begann sich das linke Auge zu reiben.

Djukowski sog sich mit den Augen an ihm fest, bemerkte seine Verlegenheit und zuckte zusammen. Er sah, daß der Inspektor blaue Hosen anhatte, die er früher übersehen hatte. Die Hosen erinnerten ihn an die blauen Fädchen, die er am Distelstrauch gefunden.

Auch Tschubikow warf einen verdächtigen Blick auf Psekow.

»Kannst gehen!« sagte er zu Nikolaschka. »Und jetzt gestatten Sie mir eine Frage, Herr Psekow. Sie waren natürlich den Abend von Sonnabend auf Sonntag hier?«

»Ja, um zehn Uhr aß ich mit Mark Iwanitsch zu Abend.«

»Und nachher?«

Psekow wurde verlegen und stand auf.

»Nachher . . . nachher . . . Ich weiß wirklich nicht,« stammelte er. »Ich hatte damals viel getrunken . . . Ich erinnere mich nicht mehr, wo und wann ich eingeschlafen bin . . . Was stieren Sie mich denn alle so an? Als wenn ich ihn ermordet hätte!«

»Wo erwachten Sie denn?«

»Ich wachte auf . . . in der Gesindeküche auf der Ofenpritsche . . . Alle können das bezeugen . . . Wie ich auf den Ofen gekommen bin, weiß ich nicht . . .«

»Regen Sie sich nicht auf . . . Kannten Sie Akuljka?«

»Dabei ist nichts besonderes . . .«

»War sie von Ihnen an Kljausow übergegangen?«

»Ja . . . Jefrem, bringe noch Pilze! Wünschen Sie Thee, Jewgraf Kusjmitsch?«

Es trat ein drückendes, peinliches Schweigen ein, das ungefähr fünf Minuten währte. Djukowski schwieg und wandte nicht den stechenden Blick von dem bleichen Gesicht Psekows. Das Schweigen unterbrach der Untersuchungsrichter.

»Man wird wohl in das große Haus hinübergehen müssen, um dort mit der Schwester des Verstorbenen, Marja Iwanowna, zu sprechen. Vielleicht kann sie uns irgend einen Hinweis geben . . .«

Tschubikow und sein Gehilfe bedankten sich für das Frühstück und begaben sich nach dem herrschaftlichen Hause. Die Schwester Kljausows, Marja Iwanowna, eine fünfundvierzigjährige Jungfrau, trafen sie vor einem altertümlichen Heiligenschrein betend an. Als sie in den Händen der Gäste die Portefeuilles und Mützen mit Kokarden bemerkte, erbleichte sie.

»Ich muß vor allem um Verzeihung bitten, daß wir Sie sozusagen in Ihrer Andacht stören,« begann mit einem Kratzfuß der galante Tschubikow. »Wir kommen zu Ihnen mit einer Bitte . . . Sie haben natürlich schon gehört . . . Es existiert der Verdacht, daß Ihr Herr Bruder gewissermaßen ermordet.. Das ist nun mal Gottes Wille . . . Dem Tode entgeht niemand, weder König noch Bauer. Können Sie uns nicht mit irgend einem Hinweis, einer Aufklärung zu Hilfe kommen? . . .«

»Ach . . . fragen Sie mich nicht!« sagte Marja Iwanowna, noch bleicher werdend und das Gesicht mit den Händen verdeckend. »Ich kann Ihnen nichts sagen! Nichts! Ich bitte Sie! Nichts . . . Was kann ich . . . Ach, nein, nein . . . nicht ein Wort über meinen Bruder! Wenn ich auch sterbe, sage ich nichts!«

Marja Iwanowna begann zu weinen und ging ins andere Zimmer hinaus. Der Untersuchungsrichter und sein Gehilfe sahen sich an, zuckten die Achseln und retirierten sich.

»’n Teufelsfrauenzimmer!« fluchte Djukowski, als er aus dem großen Hause trat. »Augenscheinlich weiß sie etwas und verheimlicht es . . . Und auch das Stubenmädchen machte so ein Gesicht . . . Wartet, ihr Teufel! Werden schon alles herauskriegen.«

Am Abend fuhren Tschubikow und sein Gehilfe, von dem bleichgesichtigen Monde beleuchtet, nach Hause. Sie saßen im Charabancs und zogen in Gedanken die Summe ihrer heutigen Beobachtungen. Sie waren beide ermüdet und schwiegen. Tschubikow liebte überhaupt nicht, unterwegs zu sprechen, der Schwätzer Djukowski aber schwieg dem Alten zu Gefallen. Am Ende des Weges hielt jedoch der Gehilfe das Schweigen nicht mehr aus und begann:

»Daß Nikolaschka an dieser Sache beteiligt ist – non dubitandum est. Man sieht es ihm an der Fratze an, was er für ein Kerl . . . Das Alibi verrät ihn ganz und gar. Es ist auch kein Zweifel, daß er nicht der Initiator der Sache ist. Er war nur ein dummes, gedungenes Werkzeug. Nicht wahr? Auch der bescheidene Psekow spielt dabei nicht die letzte Rolle. Die blauen Hosen, seine Verlegenheit, das sich vor Furcht auf den Ofen verkriechen nach dem Morde, das Alibi und Akuljka . . .

»Na, wieder die Schleusen geöffnet! Ihrer Ansicht nach ist also jeder, der Akuljka gekannt hat, der Mörder? So ein Hitzkopf! An der Saugflasche sollten Sie lutschen und nicht Untersuchungen führen! Sie haben ja auch der Akuljka den Hof gemacht, also sind auch Sie in die Sache verwickelt?«

»Auch bei Ihnen hat Akuljka einen Monat lang als Köchin gelebt, aber . . . ich sage nichts. In der Nacht auf Sonntag spielte ich mit Ihnen Karten, habe Sie also gesehen . . . Sonst hätte ich mich auch an Sie gemacht . . . Es handelt sich auch garnicht um das Frauenzimmer. Es handelt sich um ein niedriges, gemeines Gefühlchen . . . Dem bescheidenen jungen Manne gefiel es nicht, verstehen Sie, daß nicht er die Oberhand behielt. Eigenliebe, verstehen Sie . . . Wollte sich rächen . . . Und dann . . . Seine dicken Lippen zeugen von großer Sinnlichkeit. Erinnern Sie sich, wie er mit den Lippen schmatzte, als er die Akuljka mit Nana verglich. Daß der Kerl vor Leidenschaft vergeht – ist klar! Also: verletzte Eigenliebe und unbefriedigte Leidenschaft. Das genügt, um einen Mord zu begehen. Zweie wären also in unseren Händen; wer aber ist der dritte? Nikolaschka und Psekow hielten. Wer erdrosselte ihn? Psekow ist schüchtern, leicht verlegen, überhaupt ein Feigling. Leute aber, wie Nikolaschka, verstehen nicht, mit Kissen als Mordwerkzeug zu hantieren; sie arbeiten mit Beilen, Knüppeln . . . Das Erdrosseln hat also ein anderer besorgt, aber – wer?«

Djukowski rückte den Hut in die Stirn und verfiel in Gedanken. Er schwieg solange, bis der Charabancs vor dem Hause des Untersuchungsrichters hielt.

»Heureka!« rief er, das Haus betretend und seinen Überzieher ablegend. »Heureka, Nikolai Jermolaitsch! Ich begreife nicht, wie mir das früher nicht einfiel. Wissen Sie, wer der dritte gewesen?«

»Lassen Sie mich in Ruh! Der Tisch ist gedeckt, kommen Sie zum Abendessen!«

Der Untersuchungsrichter und Djukowski setzten sich an den Tisch. Djukowski goß sich ein Gläschen Schnaps ein, stand auf, warf sich in die Brust und sagte augenfunkelnd:

»Also hören Sie: Der dritte, der gemeinsam mit dem Schurken Psekow am Mord beteiligt ist und der Kljausow mit dem Kissen erstickt hat, – war ein Weib! Jawohl! Ich meine die Schwester des Ermordeten, Marja Iwanowna!«

Tschubikow verschluckte sich am Schnaps und stierte Djukowski verständnislos an.

»Sie . . . sind wohl . . . Sie . . . Ihr Kopf . . . schmerzt Ihnen wohl?«

»Ich bin gesund. Gut, mag ich verrückt sein, aber wie wollen Sie sich Ihre Verlegenheit bei unserem Besuch erklären? Wie wollen Sie sich Ihre Weigerung erklären, irgend eine Aussage zu machen? Nehmen wir an, daß das alles keine Bedeutung hat – gut! schön! – denken Sie aber dann an ihre gegenseitigen Beziehungen! Sie haßte ihren Bruder! Sie gehört zur Sekte der Altgläubigen, er war ein Wüstling, ein Atheist . . . Das also die Quelle des Hasses! Man erzählt sich, daß es ihm gelungen war, ihr einzureden, daß er ein Engel Satans sei! In ihrer Gegenwart pflegte er spiritistische Experimente zu machen . . .«

»Nun, und?«

»Sie begreifen noch nicht? Sie, eine Altgläubige, hat ihn aus Fanatismus ermordet. Und daß sie ihn, das Unkraut, den Wüstling getötet und so die Welt von dem Antichrist befreit hat, hält sie für ein Verdienst, für eine religiöse Heldenthat! O, Sie kennen diese altgläubigen alten Jungfern nicht! Lesen Sie mal Dostojewski! Und was schreiben Leskow, Petscherski! . . . Sie und sie war es, ich wette mein Leben darauf! Sie hat ihn erstickt! O, das geriebene Frauenzimmer! Stand sie nicht deswegen vor den Heiligenbildern, als wir eintraten, um uns zu täuschen? Werd‘ mich mal hinstellen und beten, dann werden sie glauben, daß ich ruhig bin und sie nicht erwartet habe! Das ist die Methode aller Verbrecherneulinge. Nikolai Jermolaitsch! Mein Lieber, mein Teurer! Übergeben Sie diese Sache mir! Lassen Sie mich dieselbe persönlich zu Ende führen! Mein Lieber! Ich habe sie begonnen, ich will sie auch zu Ende führen!«

Tschubikow machte mit dem Kopf eine abweisende Bewegung und zog die Augenbrauen zusammen.

»Wir verstehen auch selbst, schwierige Sachen zu entwirren«, sagte er. »Und Ihre Sache ist, die Nase nicht in Dinge zu stecken, die Sie nichts angehen. Schreiben Sie nach Diktat, wenn man Ihnen diktiert – das ist Ihre Sache!«

Djukowski flammte auf, ging hinaus und schlug die Thür hinter sich zu.

»Ein kluger Kopf, so ’ne Kanaille!« murmelte Tschubikow, ihm nachblickend. »Ein sehr gescheiter Kerl! Nur zur Unzeit hitzig . . . Ich werde ihm auf dem Jahrmarkt ein Cigarrenetui als Dedikation kaufen müssen . . .«

Am anderen Morgen wurde dem Untersuchungsrichter aus dem Gute Kljausowka ein junger Bursche mit großem Kopf und einer Hasenscharte vorgeführt, der sich der Hirt Danilka nannte und eine sehr interessante Aussage machte.

»Ich war etwas angetrunken . . .« sagte er. »Bis um Mitternacht war ich bei der Gevatterin gewesen. Auf dem Heimwege stieg ich in betrunkenem Zustande in den Fluß, um zu baden. Ich bade also . . . plötzlich gehen über den Damm zwei Menschen und tragen etwas schwarzes. »Tju!« schreie ich sie an. Die kriegten einen Schreck und rannten was sie konnten auf die Makarjewschen Gemüsegärten zu. Gott straf mich, wenn da nicht der gnädige Herr geschleppt worden war!«

Abends am selben Tage wurden Psekow und Nikolaschka arretiert und unter Eskorte in die Bezirksstadt transportiert. In der Stadt wurden sie ins Gefängnis gesperrt.

*

Zwölf Tage waren vergangen.

Es war am Morgen. Der Untersuchungsrichter Nikolai Jermolaitsch saß bei sich zu Hause am grünen Tisch und blätterte in den Kljausowschen Akten. Djukowski schritt unruhig, wie ein Wolf im Käfig, aus einer Ecke in die andere.

»Sie sind von der Schuld Nikolaschkas und Psekows überzeugt«, sprach er, nervös an seinem jungen Bärtchen zupfend. »Warum wollen Sie sich denn nicht von der Schuld Marja Iwanownas überzeugen? Haben Sie denn noch nicht genügend Beweise?«

»Ich sage nicht, daß ich nicht überzeugt bin. Ich bin überzeugt, aber . . . ich mag nicht recht daran glauben . . . Es sind keine rechten Beweise da, sondern nur Philosophieen . . . Fanatismus u. s. w. . . .«

»Sie müssen natürlich ein Beil, blutige Betttücher haben! . . . Juristen! Ich werde es Ihnen also beweisen! Sie werden dann schon aufhören, die psychische Seite der Sache so oberflächlich zu behandeln! Ihre Marja Iwanowna kommt nach Sibirien! Ich werde es beweisen! Wenn die Philosophie bei Ihnen nicht anschlägt, so habe ich auch etwas konkreteres . . . Das wird Ihnen zeigen, wie recht ich mit meiner Philosophie hatte! Lassen Sie mich nur etwas herumfahren . . .«

»Was meinen Sie denn damit?«

»Das schwedische Zündholz . . . Das haben Sie wohl vergessen? Ich nicht! Ich werde es herausbekommen, wer das Zündholz im Zimmer des Ermordeten angezündet hat! Es ist nicht Nikolaschka, nicht Psekow gewesen, bei denen bei der Untersuchung solche Zündhölzer nicht vorgefunden wurden, sondern ein dritter, d. h. Marja Iwanowna. Und ich werde das beweisen! . . . Lassen Sie mich nur im Bezirk herumfahren, nachforschen . . .«

»Na, ist gut, setzen Sie sich . . . Wollen wir mit dem Verhör beginnen.«

Djukowski setzte sich an den Tisch und steckte seine Nase in die Akten.

»Nikolai Tetjochow soll vorgeführt werden!« rief der Untersuchungsrichter.

Nikolaschka wurde vorgeführt. Nikolaschka war bleich und dürr wie ein Holzspan. Er zitterte.

»Tetjochow!« begann Tschubikow. »Im Jahre 1879 wurden Sie von dem Richter des 1. Bezirks wegen Diebstahl zu Gefängnishaft verurteilt. Im Jahre 1882 kamen Sie zum zweiten Mal wegen Diebstahl ins Gefängnis . . . Wir wissen alles . . .«

Das Gesicht Nikolaschkas drückte Verwunderung aus. Die Allwissenheit des Untersuchungsrichters machte ihn staunen. Aber bald ging der Ausdruck des Erstaunens in äußerste Betrübtheit über. Er begann zu schluchzen und bat um Erlaubnis, sich waschen und beruhigen zu dürfen. Er wurde abgeführt.

»Psekow soll vorgeführt werden!« befahl der Untersuchungsrichter.

Psekow trat ein. Der junge Mann hatte sich in den letzten Tagen im Gesicht stark verändert. Er war mager und bleich geworden und die Wangen waren eingefallen. Aus seinen Augen sprach Apathie.

»Setzen Sie sich, Psekow«, sagte Tschubikow. »Ich hoffe, daß Sie heute vernünftig sein und nicht lügen werden, wie die letzten Male. An allen jenen Tagen leugneten Sie Ihre Beteiligung an der Ermordung Kljausows, trotz der Menge von Beweisen, die gegen Sie sprachen. Das ist unvernünftig. Das Geständnis mindert die Schuld. Heute rede ich mit Ihnen zum letzten Mal. Wenn Sie heute nicht gestehen, so wird es morgen schon zu spät sein. Nun, erzählen Sie uns . . .«

»Ich weiß nichts . . . Und kenne auch Ihre Beweise nicht«, flüsterte Psekow.

»Schade! Nun, dann gestatten Sie, daß ich es Ihnen erzähle, wie die Sache war. Am Sonnabend Abend saßen Sie im Schlafzimmer Kljausows und tranken mit ihm Schnaps und Bier.« Djukowski durchbohrte Psekow mit seinem Blick, den er von ihm im Verlaufe des ganzen Monologs nicht wandte. »Nikolai bediente Sie. Bald nach zwölf Uhr äußerte Mark Iwanowitsch den Wunsch, zu Bette zu gehen. Um diese Zeit pflegte er immer schlafen zu gehen. Während er sich die Stiefel auszog und Ihnen dabei Instruktionen bezüglich der Wirtschaft erteilte, ergriffen Sie und Nikolai auf ein gegebenes Zeichen Ihren halbbetrunkenen Herrn und warfen ihn auf das Bett. Einer von Ihnen setzte sich ihm auf die Füße, der andere auf den Kopf. In diesem Augenblick trat von dem Flur aus eine Ihnen bekannte Frau im schwarzen Kleide ein, die sich mit Ihnen vorher bezüglich ihrer Teilnahme an dieser verbrecherischen That verabredet hatte. Sie ergriff ein Kissen und begann ihn damit zu drosseln. Während des Kampfes verlöschte das Licht. Die Frau nahm aus der Tasche eine Schachtel schwedischer Zündhölzer und zündete das Licht wieder an. Nicht wahr? Ich sehe es Ihnen am Gesicht an, daß ich die Wahrheit erzähle. Aber weiter . . . Als er erstickt war, und Sie sich überzeugt hatten, daß er nicht mehr atme, schleppten Sie und Nikolai ihn zum Fenster hinaus und legten ihn bei dem Distelstrauch nieder. In der Furcht, daß er nicht etwa wieder auflebe, versetzten Sie ihm einen Schlag mit irgend einem scharfen Gegenstand. Dann trugen Sie ihn weiter und legten ihn für eine Zeit unter den Fliederbusch. Nachdem Sie sich ausgeruht und überlegt hatten, nahmen Sie ihn wieder auf . . . Sie schleppten ihn über den Zaun hinüber . . . Dann gingen Sie den Weg entlang . . . Darauf kam der Damm. Bei dem Damm erschreckte sie ein Bauer. Aber was ist mit Ihnen?«

Psekow, bleich wie die Leinwand, stand auf und schwankte.

»Mir ist so schwül!« sagte er. »Gut . . . meinetwegen . . . Aber ich will hinaus . . . bitte.«

Psekow wurde hinausgeführt.

»Endlich hat er gestanden!« sagte Tschubikow, sich süß streckend. »Hat sich verraten! Habe ich’s nicht geschickt angefangen? Einfach konfus gemacht . . .«

»Und auch die Frau in Schwarz leugnet er nicht«, lachte Djukowski. »Aber . . . mich quält übrigens furchtbar das schwedische Zündholz! Ich kann es nicht länger aushalten. Adieu! Ich fahre.«

Djukowski setzte sich die Mütze auf und fuhr weg.

Tschubikow begann die Akuljka zu vernehmen.

Akuljka erklärte, daß sie überhaupt von nichts wisse . . .

»Ich habe nur mit Ihnen gelebt und sonst mit niemand!« sagte sie, mit ihren buttrigen Augen schelmisch lachend.

Gegen sechs Uhr abends kehrte Djukowski zurück. Er war aufgeregt, wie noch nie. Seine Hände zitterten so stark, daß er nicht im stande war, seinen Paletot aufzuknöpfen. Seine Wangen glühten. Man sah, daß er nicht ohne eine Neuigkeit zurückgekehrt war.

» Veni, vidi, vici!« sagte er, in Tschubikows Zimmer stürzend und ließ sich in einen Sessel fallen. »Ich schwöre Ihnen bei meiner Ehre, daß ich anfange, an meine Genialität zu glauben! Hören Sie zu, daß Sie der Teufel hole! Hören Sie zu und staunen Sie, alter Herr! Komisch und traurig! In Ihren Händen befinden sich schon drei . . . nicht wahr? Ich habe den vierten gefunden oder richtiger die vierte, denn es ist eine Frau! Und was für eine Frau! Zehn Jahre meines Lebens würde ich hingeben, um nur ihre Schultern berühren zu können! Aber . . . Hören Sie! Ich fuhr nach Kljausowka und begann um das Gut eine Spirale zu beschreiben! Unterwegs besuchte ich alle Kramläden und Dorfschänken und fragte überall noch schwedischen Zündhölzchen. Nirgends gab es welche. Ich fuhr und fuhr. Zwanzigmal verlor ich die Hoffnung und ebenso oft gewann ich sie wieder. Den ganzen Tag trieb ich mich herum und erst vor einer Stunde fand ich das Gesuchte. Drei Werst von hier. Man reicht mir ein Päckchen von zehn Schachteln. Die zehnte Schachtel aber fehlt und ist nicht zu finden . . . Ich frage gleich: ›Wer hat diese Schachtel gekauft?‹ Die und die . . . ›Sie gefielen ihr . . . das Zischen‹. Mein Herzchen! Nikolai Jermolaitsch! Was zuweilen ein Mensch, der aus dem Seminar gejagt worden ist und sich mit Kriminallitteratur vollgesogen hat, machen kann, ist kaum zu fassen! Von heute an beginne ich mich zu achten! . . . Ufff . . . Nun, fahren wir!«

»Wohin denn das?«

»Zu ihr, zu der vierten . . . Wir müssen eilen, sonst . . . sonst vergehe ich vor Ungeduld! Wissen Sie, wer es ist? Die junge Frau unseres Amtshauptmanns, des alten Jewgraf Kusjmitsch, Olga Petrowna ist es! Sie hat die Schachtel gekauft!«

»Sie . . . Du . . . Sie . . . verrückt?«

»Sehr einfach! Erstens raucht sie. Zweitens ist sie bis über die Ohren in Kljausow verliebt. Er hat ihre Liebe wegen irgend einer Akuljka zurückgewiesen. Rache! Jetzt erinnere ich mich, wie ich sie einmal beide in der Küche hinter der Scheidewand angetroffen habe. Sie überschüttete ihn mit Schwüren, während er rauchte und ihr den Rauch ins Gesicht paffte. Aber . . . fahren wir schnell, sonst wird es dunkel . . . Fahren wir!«

»Ich bin noch nicht so verrückt, um irgend einem grünen Jungen zu Liebe in der Nacht eine anständige Dame aus der Gesellschaft zu beunruhigen!«

»Anständig, Dame . . . Ein Lappen sind Sie also und kein Untersuchungsrichter! Noch nie habe ich mich unterstanden, Sie zu beleidigen, aber jetzt zwingen Sie mich dazu! Lappen, Schlafmütze! Nun, mein Herzchen! Nikolai Jermolaitsch! Ich bitte Sie!«

Der Untersuchungsrichter machte mit der Hand eine Geste und spuckte aus.

»Ich bitte Sie! Ich bitte Sie nicht um meinetwegen, sondern im Interesse der Rechtsprechung! Ich flehe Sie an! Erweisen Sie mir doch einmal im Leben einen Gefallen!«

Djukowski sank auf die Knie.

»Nikolai Jermolaitsch! Nun, seien Sie so gut! Nennen Sie mich einen Schuft, einen gemeinen Kerl, wenn ich mich in Bezug auf diese Frau irre! Denken Sie doch, was das für eine Sache ist! Was für eine Sache! Der reine Roman! Durch ganz Rußland wird Ihr Ruhm gehen! Man wird Sie zum Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten ernennen! Verstehen Sie es doch, Sie unvernünftiger Alter!«

Der Untersuchungsrichter machte ein finsteres Gesicht und streckte unschlüssig die Hand nach dem Hut aus.

»Na, daß Dich der Teufel!« sagte er. »Fahren wir.«

Es war schon spät, als der Charabancs des Untersuchungsrichters vor der Thür des Amtshauptmanns hielt.

»Was sind wir doch für Schweine!« sagte Tschubikow, die Glocke ziehend. »Beunruhigen nur die Leute!«

»Schad’t nichts! schad’t nichts . . . Haben Sie nur keine Angst . . . Wir können ja sagen, daß uns eine Sprungfeder am Wagen gebrochen ist.«

Tschubikow und Djukowski wurden auf der Schwelle von einer großen, stattlichen Frau von etwa dreiundzwanzig Jahren, mit pechschwarzen Augenbrauen und fetten roten Lippen empfangen. Es war Olga Petrowna selbst.

»Ah . . . sehr angenehm!« sagte sie über das ganze Gesicht lächelnd. »Sie kommen gerade zum Abendessen. Mein Jewgraf Kusjmitsch ist nicht zu Hause . . . Ist wohl bei dem Popen sitzen geblieben . . . Wir kommen aber auch ohne ihn aus . . . Setzen Sie sich! Sie kommen wohl von einer Dienstreise? . . .«

»Ja . . . Bei uns, wissen Sie, ist eine Feder gesprungen«, begann Tschubikow, in den Salon tretend und sich in einen Lehnstuhl setzend.

»Sie müssen . . . gleich überrumpeln!« flüsterte ihm Djukowski zu. »Überrumpeln Sie sie!«

»Wagenfeder . . . Mm . . . Ja . . . Da fuhren wir denn hier an.«

»Überrumpeln Sie sie, sage ich Ihnen. Wenn Sie viel Sprünge machen, schöpft sie Verdacht.«

»Na, also machen Sie, was Sie wollen, befreien Sie nur mich davon,« flüsterte Tschubikow aufstehend und an das Fenster tretend. »Ich kann es nicht! Sie haben die Suppe eingebrockt, löffeln Sie sie auch aus!«

»Ja, eine Wagenfeder . . .« begann Djukowski, an die Frau Amtshauptmann herantretend und seine lange Nase runzelnd. »Wir sind eigentlich nicht dazu gekommen, um . . . aeh – aeh . . . zu Abend zu essen und auch nicht zu Jewgraf Kusjmitsch. Wir sind gekommen, um Sie, gnädige Frau, zu fragen: wo befindet sich Mark Iwanowitsch, den Sie ermordet haben?«

»Was? Was für ein Mark Iwanowitsch?« stammelte die Frau Amtshauptmann, und ihr Gesicht überzog sich plötzlich mit dunklem Rot. »Ich . . . ich verstehe nicht.«

»Ich frage Sie im Namen des Gesetzes! Wo ist Kljausow? Wir wissen alles!«

»Durch wen?« fragt leise die Frau Amtshauptmann, die Djukowskis Blick nicht länger ertragen konnte.

»Belieben Sie, uns zu sagen, wo er ist!«

»Aber woher wissen Sie es? Wer hat es Ihnen erzählt?«

»Wir wissen alles! Ich verlange es im Namen des Gesetzes!«

Der Untersuchungsrichter, durch die Verlegenheit der Frau Amtshauptmann ermuntert, trat an sie heran und sagte:

»Zeigen Sie ihn uns, und wir werden gehen. Sonst aber . . .«

»Wozu brauchen Sie ihn denn?«

»Wozu diese Fragen, meine Gnädige? Wir bitten Sie, ihn uns zu zeigen! Sie zittern, sind verwirrt . . . Ja, er ist ermordet und, wenn Sie es wollen, von Ihnen ermordet! Ihre Genossen haben Sie verraten!«

Die Frau Amtshauptmann erbleichte.

»Gehen wir«, sagte sie leise, die Hände ringend. »Er ist bei mir im Dampfbad versteckt. Aber, um Gottes Willen, sagen Sie es nicht meinem Mann! Ich flehe Sie an! Er würde es nicht überstehen!«

Die Frau Amtshauptmann nahm von der Wand einen großen Schlüssel und führte ihre Gäste durch die Küche und den Flur auf den Hof. Auf dem Hof war es dunkel. Ein feiner Regen sprühte. Die Frau Amtshauptmann ging voraus. Tschubikow und Djukowski schritten hinter ihr durch das hohe Gras einher und atmeten den Geruch wilden Hanfs und des Spülwassers ein, das unter ihren Füßen aufspritzte . . . Der Hof war sehr groß. Bald hörte das Spülwasser auf und die Füße fühlten aufgeackerte Erde. In der Dunkelheit zeigten sich die Silhouetten von Bäumen und zwischen den Bäumen hindurch ein kleines Häuschen mit schiefem Schornstein.

»Das ist das Badehaus«, sagte die Frau Amtshauptmann. »Aber ich flehe Sie an, sagen Sie niemand was davon!«

Als Tschubikow und Djukowski an das Badehaus herangetreten waren, sahen sie an der Thür ein riesiges Vorhängeschloß.

»Nehmen Sie das Lichtende und Zündhölzchen heraus!« flüsterte der Untersuchungsrichter seinem Gehilfen zu.

Die Frau Amtshauptmann öffnete das Badehaus und ließ ihre Gäste ein.

Djukowski zog ein Zündholz auf und erleuchtete den Vorraum. Mitten in dem Raum stand ein Tisch. Auf dem Tisch, neben einem kleinen, dickbäuchigen Ssamowar stand eine Suppenterrine mit kalt gewordener Kohlsuppe und eine Schüssel mit den Resten einer Sauce.

»Weiter!«

Man trat in das nächste Zimmer, in das Dampfbad ein. Dort stand ebenfalls ein Tisch. Auf dem Tisch befanden sich eine große Schüssel mit einem Schinken, eine Flasche Schnaps, Teller, Messer, Gabeln.

»Aber wo ist denn . . . er? Wo ist der Ermordete?« fragte der Untersuchungsrichter.

»Er ist auf der oberen Schwitzpritsche!« flüsterte die Frau Amtshauptmann, immer noch bleich und zitternd.

Djukowski nahm das Lichtende und kletterte zu der oberen Pritsche hinauf. Dort erblickte er einen langen menschlichen Körper, der regungslos auf einem großen Daunenpfühl lag. Der Körper schnarchte leise . . .

»Man hält uns zum besten, hol’s der Teufel!« schrie Djukowski. »Das ist ja garnicht er! Hier liegt irgend ein lebendiger Laban. – He, wer sind Sie, daß Sie der Teufel hole?«

Der Körper zog pfeifend die Luft in sich herein und begann sich zu regen.

Djukowski stieß ihn mit dem Ellbogen.

Der Körper streckte die Hände in die Höhe, reckte sich und hob den Kopf.

»Wer kriecht da herum?« fragte ein heiserer, schwerer Baß. »Was willst Du?!«

Djukowski hielt das Lichtende an das Gesicht des Unbekannten und schrie auf. An der dunkelroten Nase, an dem zerwühlten ungekämmten Haar, an dem pechschwarzen Schnurrbart, von dem die eine Seite schneidig aufgedreht war und frech zur Decke emporstarrte, erkannte er den Kornett Kljausow.

»Sie? Mark . . . Iwanowitsch?! Unmöglich!«

Der Untersuchungsrichter sah zur Pritsche auf und erstarrte . . .

»Ja, das bin ich . . . Und das sind Sie, Djukowski! Was für einen Satan suchen Sie denn hier? Und was ist denn da unten noch für eine Fratze? Nanu, der Untersuchungsrichter! Wo kommt Ihr denn her?«

Kljausow stieg schnell herab und umarmte Tschubikow.

Olga Petrowna glitt zur Thür hinaus.

»Wo kommt Ihr denn her? Trinken wir eins drauf, hol’s der Teufel! Tra-ta-ti-to-tom . . . Trinken wir eins! Wer hat Euch übrigens hergebracht? Woher wußtet Ihr, daß ich hier sei? Übrigens – egal! Trinken wir!«

Kljausow zündete die Lampe an und goß drei Gläser Schnaps ein.

»Das heißt, ich verstehe Dich nicht«, sagte der Untersuchungsrichter mit einer ratlosen Gebärde. »Bist Du es, oder bist Du es nicht?«

»Ist gut, ist gut . . . Willst mir wohl eine Moralpredigt halten? Gieb Dir nicht die Mühe! Jüngling, Djukowski, trink Dein Glas! Gaudeamus igitur . . . Was gafft Ihr? Trinkt!«

»Immerhin kann ich es nicht begreifen«, sagte der Untersuchungsrichter, sein Glas mechanisch austrinkend. »Warum bist Du hier?«

»Warum soll ich denn nicht hier sein, wenn es hier gut ist?«

Kljausow trank aus und nahm ein Stück Schinken als Sakuska.

»Ich lebe bei der Frau Amtshauptmann, wie Du siehst. In der Wildnis und Einöde, wie so ein Geist. Trink! Sie that mir leid, mein Bester! Kriegte Mitleid mit ihr und lebe jetzt hier in dem verlassenen Badehause wie so ein Einsiedler . . . Ernähre mich. In der nächsten Woche will ich mich nach Hause packen . . . Es wird schon langweilig . . .«

»Unbegreiflich!« sagte Djukowski.

»Was ist denn dabei Unbegreifliches?«

»Unbegreiflich! Um Gottes Willen, wie ist denn Ihr Stiefel in den Garten gekommen?«

»Was für ein Stiefel?«

»Wir fanden den einen Stiefel im Schlafzimmer und den andern im Garten.«

»Wozu braucht Ihr denn das zu wissen? Geht Euch nichts an . . . Aber trinkt doch, daß Euch der Teufel hole! Habt Ihr mich aufgeweckt, dann trinkt wenigstens! Eine nette Geschichte, mein Bester, war dies mit diesem Stiefel. Ich wollte nicht zu Olja gehen . . . War nicht aufgelegt, weißt Du, etwas angeduselt . . . Sie kommt zu mir unters Fenster und beginnt zu schimpfen . . . Weißt Du, wie die Weiber . . . überhaupt . . . Ich, knall wie ich war, nehme einen Stiefel und schmeiß ihn nach ihr . . . Haha . . . Schimpf nicht, mein Schätzchen! Sie kletterte zum Fenster herein, zündete die Lampe an und begann mich vollen Kerl zu kneten. Prügelte mich durch, schleppte mich hierher und schloß mich ein. Jetzt ernähre ich mich hier . . . Liebe, Schnaps und Sakuska! Aber wohin wollt Ihr? Tschubikow, wohin?«

Der Untersuchungsrichter spuckte aus und ging zum Badehaus hinaus. Ihm folgte mit gesenktem Haupte Djukowski. Beide bestiegen sie schweigend den Charabancs und fuhren ab. Noch niemals war ihnen der Weg so weit und langweilig erschienen, wie diesmal. Beide schwiegen. Tschubikow zitterte den ganzen Weg vor Wut, Djukowski verbarg sein Gesicht im Kragen, als fürchtete er, daß die Dunkelheit und der Sprühregen auf seinem Gesicht die Beschämung lesen könnten.

Zu Hause angelangt, fand der Untersuchungsrichter bei sich den Doktor Tjutjujew vor. Der Arzt saß am Tisch und blätterte seufzend in der ›Niwa‹.

»Was nicht wieder alles los ist!« sagte er, den Untersuchungsrichter mit einem trüben Lächeln begrüßend. »Wieder Österreich! . . . Und auch Gladstone gewissermaßen . . .«

Tschubikow warf seinen Hut unter den Tisch und erbebte.

»Teufelsskelett! Laß mich in Ruh! Tausendmal habe ich Dir gesagt, daß Du mir nicht mit Deiner Politik kommen sollst! Hab‘ was anderes im Kopf! – Und Dir«, wandte sich Tschubikow an Djukowski, die Fäuste ballend, »Dir . . . verzeihe ich das nie im Leben!«

»Aber . . . das schwedische Zündholz! Wie konnt ich denn wissen!«

»Daß Du an Deinem Zündholz erstickst! Gehe und ärgere mich nicht, sonst mache ich aus Dir weiß der Teufel was! Daß ich Deinen Fuß hier nicht sehe.«

Djukowski fuhr zusammen, nahm seinen Hut und ging.

»Ich geh und sauf mich voll!« beschloß er, als er zum Thor hinaus war und schlenderte betrübt dem Wirtshaus zu.

Als die Frau Amtshauptmann aus dem Badehause zurückkehrte, fand sie im Salon ihren Mann.

»Wozu war der Untersuchungsrichter hier?« fragte der Mann.

»Er war gekommen, um zu sagen, daß Kljausow gefunden sei. Er war garnicht ermordet. Im Gegenteil, er lebt und ist gesund . . . Stelle Dir vor, man hat ihn bei einer fremden Frau gefunden! . . .«

»Ach, Mark Iwanitsch, Mark Iwanitsch!« seufzte der Amtshauptmann, die Augen zur Decke erhebend. »Habe ich Dir nicht gesagt, daß Liederlichkeit zu nichts Gutem führt! Nein, wolltest auf mich nicht hören!«

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