Der Mörder der Frau Marie Ziethen

Herr Ernst Barre, Landgerichtsdirektor in Trier, hat über den vielbesprochenen Prozeß Ziethen in Elberfeld in den »Preußischen Jahrbüchern«, 68. Band, 5. Heft, eine sehr eingehende und von ihm selbst als aktenmäßig bezeichnete Darstellung veröffentlicht, die den Nachweis zu führen bestimmt ist, daß die Elberfelder Geschworenen den des Gattenmordes beschuldigten Albert Ziethen mit Recht verurteilt haben. Am Schlusse seines Aufsatzes wendet sich Herr Barre gegen meine früheren im »Berliner Tageblatt« und in »Nord und Süd« veröffentlichten Ausführungen, die zu dem entgegengesetzten Schluß gelangen. Diese Veröffentlichung gibt mir Veranlassung, ein drittes Mal den denkwürdigen Kriminalfall, . . . weiter lesen

Der Brand der Neustettiner Synagoge

Im Herbst 1878 wurde bekanntlich, angeblich aus Anlaß der Attentate von Hödel und Nobiling, die sozialdemokratische Partei unter ein Ausnahmegesetz gestellt. Das am 21. Oktober 1878 vom Reichstage beschlossene »Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie« hatte gewissermaßen eine politische Kirchhofsruhe zur Folge. Über Berlin-Potsdam und zweimeiligen Umkreis wurde sofort nach Inkrafttreten des Gesetzes der »Kleine Belagerungszustand« verhängt. Auf Grund dieses Gesetzes wurden sogleich 45 bekannte Sozialdemokraten ausgewiesen. Es herrschte geradezu ein panischer Schrecken, denn die Polizei konnte jeden Menschen ohne Angabe von Gründen ausweisen. Selbstverständlich wagte es in Groß-Berlin und Potsdam niemand mehr, sich als Sozialdemokrat oder auch nur als . . . weiter lesen

Der Judenflinten-Prozeß

Im Mai 1892 er­schien im Ver­la­ge von Glöss in Dres­den un­ter dem Ti­tel »Neue Ent­hül­lun­gen, Ju­den­f­lin­ten« ei­ne Bro­schü­re, die den an­ti­se­mi­ti­schen Reichs­tags­ab­ge­ord­ne­ten Rek­tor a. D. Her­mann Ahl­wardt (Ber­lin) zum Ver­fas­ser hat­te. In die­ser Bro­schü­re wur­de u.a. be­haup­tet, daß von der Ber­li­ner Ge­wehr­fa­brik Lud­wig Lö­we & Co., Ak­ti­en-Ge­sell­schaft, schlech­te, un­taug­li­che Ge­weh­re für die deut­sche Ar­mee ge­lie­fert wer­den. »Die­se Ge­weh­re,« so hieß es in der Bro­schü­re, sind nicht bloß ge­eig­net, die deut­sche Ar­mee kriegs­un­tüch­tig zu ma­chen, da die Ge­weh­re beim Schie­ßen ver­sa­gen, sie ge­fähr­den au­ßer­dem durch häu­fi­ges . . . weiter lesen

Das Dynamit-Attentat bei der Enthüllungsfeier des Niederwald-Denkmals

Am westlichen Ende des Taunus im Regierungsbezirk Wiesbaden zwischen der Wisper und dem Rhein erhebt sich ein mit prächtigen Buchen und Eichen gekrönter Bergrücken, genannt der Niederwald. An seinem Abhang liegen längs des Rheins die Weinberge von Rüdesheim und Aßmannshausen. Aus Anlaß des Deutsch-Französischen Krieges (1870 bis 71) wurde hier vom Dresdener Bildhauer Schilling ein ungemein imposantes Nationaldenkmal von gewaltigem Umfange errichtet. Auf einem durch Reliefs und allegorische Figuren geschmückten, 25 Meter hohen Sockel erhebt sich die hohe Gestalt der Germania. Von Rüdesheim und Aßmannshausen führt zu dem Denkmal eine Zahnradbahn. Am 28. September 1883 wurde das Denkmal in Gegenwart des Kaisers Wilhelm I., des Kronprinzen, späteren Kaisers Friedrich, des Prinzen Wilhelm, . . . weiter lesen

Anna Böckler

Es ist noch in unser aller frischester Erinnerung, daß in der zweiten Hälfte des Jahres 1872 die Kunde durch die Zeitungen lief: am 24. Juni sei das 4½jährige Töchterchen des Domänenpachters Böckler, Anna, von dem Gehöfte ihres Vaters in Treuen bei Loitz, Kreis Grimmen (Neuvorpommern) durch Zigeuner geraubt worden. Fast ein ganzes Jahr lang brachten die öffentlichen Blätter die verschiedenartigsten Nachrichten, Vermuthungen, Rathschläge und Prämienausbietungen bezüglich der Wiederauffindung des geraubten Kindes. Eine förmliche Hetzjagd ward hinter den Zigeunern her eröffnet, mehr als ein halbes Hundert von ihnen wurde verhaftet und wochen-, ja monatelang in Haft behalten. Sogar die Landesvertretung befaßte sich mit der traurigen Angelegenheit. Nach und nach aber flossen . . . weiter lesen

Die Kindsmörderin und die Scharfrichterin

Zu den berühmten Rechtsfällen gehört der nachstehende, nicht wegen seiner kriminalis­tischen Verwicklungen und schwierigen Rechtsfragen, denn die Geschichten und die Entscheidung sind sehr einfach, sondern durch den besonderen Umstand, welcher die Entdeckung veranlaßte, und durch andere, welche die Strafe begleiteten und den Vorfall ins Gebiet des Märchenhaften versetzen. Helene Gillet war ein liebenswürdiges junges Mädchen, geachtet von allen, welche sie kannten, um ihres Charakters und ihres sittlichen Benehmens willen. Auch ihre Eltern standen in Achtung. Der Vater war königlicher Kastellan zu Bourg-en-Bresse. Im Oktober des Jahres 1624 verbreitete sich das Gerücht, Helene Gillet sei schwanger. Die klugen Frauen sahen viele verdächtige Zeichen. Jedermann sprach davon, nur . . . weiter lesen

Gesche Margaretha Gottfried

Ein junger Radmachermeister zu Bremen, mit Namen Rumpf, hatte dort in der Pelzerstraße 1825 ein Wohnhaus gekauft. An Warnungen von seiten seiner Freunde, daß er den Kauf unterlassen möge, hatte es nicht gefehlt. Man sagte, das Haus wäre ein Unglückshaus, worin die Männer stürben. Vor allem aber solle er sich vor der bisherigen Besitzerin in acht nehmen und sie nicht im Hause wohnen lassen. Denn wenn auch keiner der Madame Gottfried etwas Böses nachzusagen wußte, so herrschte doch bei vielen, die sie näher kannten, eine gewisse Furcht vor ihr, die allerdings einigen Grund hatte. In dem Hause, das die verwitwete Madame Gottfried bis jetzt besessen hatte, waren in den letzten Jahren nicht wenige Todesfälle vorgekommen. Sie hatte ihren ersten Mann, dann ihre Mutter, ihren Vater, . . . weiter lesen

Die Selbstanzeige der Witwe Kruschwitz in Gassen

(NIEDERLAUSITZ. ARSENIKVERGIFTUNG ODER EINGEBILDETER GIFTMORD?) 1869   Am 9. Februar 1867 meldete sich die verwitwete Scharwerker Kruschwitz, Johanne Juliane geborene Skerl, verwitwet gewesene Kuntze aus Gassen, bei dem Staatsanwalt zu Sorau und erklärte, ihr Gewissen lasse ihr keine Ruhe, sie habe ein schweres Verbrechen begangen, und so komme sie denn, es zu bekennen und sich selbst anzuzeigen. Ihre That bestehe darin, daß sie ihren ersten Ehemann mit Rattengift getödtet habe. Ueber die Motive zur That und den Hergang gab sie Folgendes an: »Im Jahre 1831, als ich erst 17 Jahre alt war, heirathete ich meinen ersten Ehemann, den Schuhmachermeister Johann Traugott Kuntze aus Seifersdorf; es geschah gegen meine Neigung und nur auf Zureden meiner Aeltern. Anfangs wohnte ich mit meinem . . . weiter lesen

Wilster, genannt Baron von Essen

Der Kriegs- und Domainenrath Greiner in Berlin galt für einen glücklichen Mann. Groß, stark, fast athletisch gebaut, mit einem lebhaft sanguinisch-cholerischen Temperamente, ging ihm von den Glücksgütern nichts ab, die das Leben heiter machen, wenn man für dasselbe keine höheren Ansprüche mit­bringt, als die des ungetrübten Genusses seiner Freuden und Annehmlichkeiten. Er be­saß ein eigenes ziemliches Vermögen, ein einträgliches, ehrenvolles Amt, die Zuneigung und die Achtung seiner Vorgesetzten. Er arbeitete in demselben, so weit es seine Pflicht war, ohne sich unnöthige Sorgen zu machen, ohne Verbesserungsgedanken nachzu­hängen. Auch die Noth der Zeit, die schweren Gewitterwolken, welche über Preußen nach dem unglücklichen Kriege und seiner Zersplitterung schwebten, . . . weiter lesen

Miles Weatherhill

Der Vicar Plow in dem Städtchen Trimorden, nicht weit von Manchester, kehrte am Abend des 2. März 1868 gegen halb 10 Uhr von einem Spaziergange in seine isolirt gelegene Wohnung zurück, aß zu Abend und läutete dann zur häuslichen Abendandacht. Die Kindermagd Jane Smith, welche zuerst in das Zimmer kam, theilte ihm mit, daß sie an der Hinterthür des Hauses ein verdächtiges Geräusch gehört habe. Plow begab sich an diese Thür, fand dieselbe unverschlossen, konnte sie aber nicht öffnen, da sie irgendwie von außen zugehalten wurde. Er ging also durch die vordere Hausthür und um das Haus. Wenige Schritte von der Hinterthür, im Hofe, stand ein junger Leinweber, Miles Weatherhill, der Geliebte einer frühern Dienstmagd der Plow'schen Eheleute, Sarah Bell, welche dieser Liebschaft . . . weiter lesen

Johann Heinrich Furrer

Mitten in dem herrlich gelegenen großen Dorfe Pfäffikon im Canton Zürich, in der Nähe der Kirche, wohnten im hintern Theil eines Hauses der Landmann Heinrich Furrer von Pfäffikon und seine Ehefrau Barbara. Aus der im Jahre 1843 geschlossenen Ehe waren zwei Kinder hervorgegangen: Johann Heinrich, geboren am 9. Aug. 1844, und Luise, geboren am 26. April 1853. Die Furrer'schen Eheleute waren ganz habliche Bauersleute. Ihre Liegenschaften waren ca. 16500 Frs., die Fahrhabe mit Vieh 2000 Frs. werth; an Schuldbriefen (grundversicherten Forderungen) besaßen sie 31480 Frs., Schulden hatten sie keine. Ihr Haus aber war arm an Freuden und ihr Leben einförmig. Schon der Vater Furrer's war ein geiziger Mann gewesen, er starb 1859. Der Sohn war wie der Vater und die Ehefrau wie ihr Mann. . . . weiter lesen

Der Wildschütz Hermann Klostermann

Am 1. October 1867 ritt der Oberförster von Wrede aus Hardehausen im Kreise Warburg in den Wald, um eine Besichtigung seiner Forsten vorzunehmen. Er umritt die Grenzen seines Reviers und begab sich sodann auf den Rückweg. Es dunkelte bereits, als er abends gegen 6 Uhr einen Menschen erblickte, der vor ihm die Flucht ergriff und eilig in den Wald lief. Der Oberförster verfolgte ihn und rief ihm »Halt!« zu, erhielt aber in drohendem Tone die Antwort: »Nicht näher oder ich schieße!« Herr von Wrede ließ sich nicht schrecken, er drang weiter vor, plötzlich fiel ein Schuß, der Reiter und sein Roß brachen zusammen. Zum Glück waren zwei Forstlehrlinge in der Nähe, welche den Verwundeten nach Hardehausen schafften. Es . . . weiter lesen

Der Nürnberger Kassendiebstahl

Es soll kein einzelner Zeuge wider Jemand auftreten über irgend eine Missethat oder Sünde; es sei welcherlei Sünde es sei, die man thun kann; sondern in dem Munde zweier oder dreier Zeugen soll die Sache bestehen. 5. Moses, 19, 15. Am 30. Juni 1790 machte der reiche und angesehene Kauf- und Handelsmann Johann Marcus Sterbenk bei dem Bürgermeisteramte der reichsfreien Stadt Nürnberg folgende Anzeige: »Er wäre heute gegen 5 Uhr Morgens durch seine Dienstmagd Katharina Kamm geweckt und benachrichtigt worden, daß die Haus- sowie die Comptoirthüre offen stünden und daß aus dem Comptoir die dortselbst gestandene eiserne Kassentruhe gestohlen worden sei. Damnisicat habe sich hierauf selbst von der Wahrheit der Angabe der Magd überzeugt . . . weiter lesen

Ein Mord im Criminalgfängniß von Nürnberg

1830. In der Nähe des Hallerthürleins, wo das träge dahinschleichende Wasser des trüben Pegintzflusses die alte Stadt Nürnberg verläßt, erhebt sich kühn über dem Strome ein finster blickendes, im modernen Stil gehaltenes Gebäude. Auf beiden Seiten sieht man kleine, halbrunde, vergitterte Fenster, in der Mitte etliche ebenfalls mit Eisenstäben versehene Bogenfenster. Zieht man die schrilltönende Schelle am Eingang, so öffnet sich mittels eines verdeckten Drathzuges das eiserne Thor; man steigt mehrere Stufen hinauf zu einer starken Eisengitterthür, welche die Haustreppe von dem Vorplatze absperrt. Auf diesem angelangt, erblickt man zur Rechten einen tiefen dunkeln Gang und in demselben wol zwanzig mit starken Riegeln verschlossene . . . weiter lesen

Exner

In Schlesien und den benachbarten Ländern war der Räuber Exner zu Anfang dieses Jahrhunderts überall bekannt und gefürchtet. Seines Handwerks ein Wollspinner und aus Sulzbach in der Oberpfalz gebürtig, war er schon in seiner frühesten Jugend ein berüchtigter Dieb. Wegen mehrerer gewaltsamer Diebstähle, die er in Schlesien noch als halber Knabe verübte, wurde er mehrfach festgesetzt, zur Untersuchung gezogen und bestraft. Aus dem Zuchthaus zu Jauer entsprang er, gesellte sich mehreren Diebesgenossen zu, die ihn zu ihrem Anführer wählten, und beging als ihr Hauptmann noch achtzehn gewaltsame Diebstähle und Einbrüche. Zwar wurde er oft ergriffen; er ent?oh aber ebensooft mit der größten Verwegenheit, ehe die langwierigen Untersuchungsprozesse zum Abschluß gekommen waren. Zuletzt . . . weiter lesen

Karl Friedrich Masch, sein Räuberleben und seine Genossen

Mancher unserer Leser wundert sich vielleicht darüber, daß wir in der Ueberschrift von einem Räuberleben in Deutschland aus den letzten Jahren sprechen. Deutschland ist ja, wie man uns täglich versichert, civilisirt, es kommen wol einzelne Raubanfälle vor, aber nirgends existiren organisirte Räuberbanden, wie kann es denn ein Räuberleben geben, was zu beschreiben sich der Mühe lohnte? Italien, wo das Stilet des Meuchelmörders in den Geschicken der Familien und in der Geschichte der Staaten von jeher eine Rolle gespielt hat, und das Brigantenthum unter einer politischen Maske noch jetzt in leider nur zu hoher Blüte steht; Ungarn, wo noch vor wenig Jahren der gefürchtete Rosza Sandor hauste, Griechenland, dessen Regierung die Räuber . . . weiter lesen

Der Buchbindermeister Ferdinand Wittmann

Ende October 1865 zog der Buchbindermeister Wittmann von Wollin nach Posen. In Wollin hatte er seine Buchbinderei nebst allen Werkzeugen verkauft, und in Posen machte er keinerlei Anstalt, ein neues Geschäft zu begründen, trat vielmehr als Rentier auf und ließ sich als solcher auch bei der Polizeidirection anmelden. Seine Wohnung miethete er in der geschäftsstillen, von Rentiers und Beamten sehr gesuchten Berliner Straße und zwar für jährlich 320 Thlr., kaufte zur Einrichtung seiner Zimmer für mehr als 500 Thlr. Möbel und lebte so, daß man ihn für einen sehr bemittelten Mann halten mußte. Er gab Gesellschaften, besuchte fast täglich die öffentlichen Locale und reiste zu seinem Vergnügen in ziemlich weite Ferne. Oft hörte man ihn klagen, daß er in Wollin kein Familienglück . . . weiter lesen

Die beiden Markmann

Südlich von Berlin auf dem Höhenstrich, der gegen das Spreethal in einiger Erhebung sich hinzieht, sieht man auf älteren Karten noch vielen Wald verzeichnet, von dem heute auch die letzten Reste verschwunden sind, wenn man das zu andern Zwecken erhaltene Lustwäldchen, die Hasenhaide, ausnimmt. Doch existirte noch vor wenigen Jahren hinter demselben die britzer Haide, ein Kiefergebüsch, zum Rittergute Britz gehörig, welche in Berlin etwas berüchtigt war, weil man sich von einzelnen Anfällen, die in derselben vorgefallen sein sollten, erzählte. Indessen war seit langen Jahren kein Fall der Art vorgekommen, auch war die Beschaffenheit dieses Wäldchens, das von Jahr zu Jahr kleiner wurde, nicht von der Art, daß den Wanderer die Schauer in der Dunkelheit eines Urwaldes beschleichen . . . weiter lesen