Aus dem literarischen Berlin

Der Sonntagsverein (1833) Wer kennt nicht den Berliner Sonntagsverein, den Rival der Mittwochsgesellschaft? Wenigstens ist es noch nicht vergessen, dass der wirkliche Geheime Intendanzrat Saphir vor vier, fuenf Jahren in Berlin jenen ersten Verein gruendete und ihn witzig nicht die sondern den Sonntagsgesellschaft nannte, um jede Beziehung auf die Sontag in diesem Namen zu unterdruecken und bei der Nachwelt der Vermutung zuvorzukommen, als sei Willibald Alexis, der Enthusiast, jenes Vereins Stifter gewesen. Saphir wusste diese Gesellschaft bald zu bevoelkern. Die Zahl seiner Schueler und Verehrer war beinahe ebenso gross als die seiner Feinde. Saphir zeigte, dass der Witz nichts gelernt zu haben brauchte, dass die Phantasie alle Luecken ausfuelle und der Goetterfunke auf keine Schulzeugnisse . . . weiter lesen

Drei Berliner Theatergroessen

Ernst Raupach (1840) Raupach scheint jetzt Berlin gegenueber einen schweren Stand zu haben. Selbst seine Freunde fuehlen sich in der Teilnahme, die sie ihm sonst zu schenken pflegten, erschoepft. Und doch find' ich, dass seine neuern Sachen nicht schlechter sind, als die frueheren, dass sie denselben Zuschnitt haben und dieselbe Kenntnis der Buehneneffekte verraten. Sollte vielleicht die sehr glueckliche Stellung dieses Mannes beneidet werden? Raupach hat von der koenigl. Buehne einen jaehrlichen Gehalt von 600 Talern und bezieht fuer jeden Akt seiner Dramen ausserdem noch 50 Taler. Seine Dramen (muessen) zwar nicht angenommen werden, aber sie werden es fast immer, jedenfalls wird jedes angenommene Stueck ausserordentlich beguenstigt und kann auf schnel1ste Erledigung rechnen. Wie schoene . . . weiter lesen

Fuer und Wider Preussens Politik

Ueber die historischen Bedingungen einer preussischen Verfassung (1832) Waere Repraesentation das alleinige Element des Liberalismus, so koennte Preussen in einer fruehern oder spaetern Zukunft noch der Stimmfuehrer desselben werden. Aber es ist nicht so. Wir kaempfen nicht um Formen, sondern um den Geist, der sie beleben soll. Wir duerfen nur die Initiative der liberalen Ideen stellen und da, wo sie ins Leben eingefuehrt werden sollen, wachen, dass sich ihre urspruengliche Reinheit erhalte; dass sich nicht Eigennutz, sondern nur das wohlverstandene Interesse in sie mische, nicht die Willkuer sich zu ihrem Ausleger aufwerfe, sondern dass das Gesetz es sei, das entscheidet. Oder koennen wir uns mit dem Schwerte bewaffnen und Konzessionen ertrotzen? Die Geschichte weiss nur von Schwertern . . . weiter lesen

„Weltstadt“-Panorama

Cafe Stehely (1831) Ob man bei Stehely einen Begriff von der Verberlinerung der Literatur bekommen kann – ganz gewiss, oder man müsste sich täuschen in dieser stummen Bewegungssprache, die einen Haufen von Zeitschriften mit wilder Begier und neidischem Blick zusammenträgt, ihn mit der Linken sichert und mit der Rechten eine nach der andern vor die starren, teilnahmslosen Gesichtszüge hält. Die Eisenstange und das Schloss des Journals scheint mit schwerer Gewalt auch seine Zunge zu fesseln – wer würde hier seinen Nachbar auf eine interessante Notiz aufmerksam machen? Ein feindliches Heer könnte eine Meile von Berlin entfernt sein, kein Mensch würde die Geschichte vortragen, man würde auf den Druck warten und auch dann noch ein Exemplar durch aller Hände wandern lassen – fast . . . weiter lesen