Vom Kassenknacker und vom Brandstifter

»Ja, mein Lieber«, sagte Herr Jilek, »stehlen muß man eben können. Das sagte auch Herr Balaban, der Schränker, dessen letzte Kasse die von Scholle und Co. gewesen ist. Balaban war einer von den gebildeten und rechtschaffenen Einbrechern. Er war schon ein älterer Mensch, und da hat man selbstverständlich bereits größere Erfahrungen. Ein Junger setzt viel eher alles auf eine Karte, und es ist ja was daran, auch mit der Courage läßt sich allerhand ausrichten. Wenn der Mensch aber in die Jahre kommt, in denen man zu überlegen beginnt, hat er den Elan nicht mehr und geht an seine Arbeit mit größerer Vorsicht heran. Das ist so in der Politik und überhaupt im Leben. Dieser Herr Balaban nun vertrat die Meinung, daß jede Arbeit ihre Gesetze habe, und was die einbruchsicheren . . . weiter lesen

Der gestohlene Kaktus

»Hören Sie also an«, begann Herr Kubat, »was mir im vergangenen Sommer passiert ist. Ich war in einer gewöhnlichen Sommerfrische; es war dort nicht anders als in anderen Sommerfrischen: kein Wasser, kein Wald, keine Fische, nichts. Nur die Volkspartei war dort stark vertreten. Dann gibt es dort einen Verschönerungsverein mit einem sehr rührigen Obmann, Perlmutterindustrie und ein Postamt mit einer alten, langnasigen Postmeisterin. Also ein Ort wie andere Orte auch. Und als ich mich nun so gegen zwei Wochen lang den wohltuenden und gesundheitsfördernden Wirkungen einer durch nichts unterbrochenen Langeweile hingegeben hatte, bekam ich irgendwie das Gefühl, daß mich die Klatschbasen des Ortes und das, was man die öffentliche Meinung nennt, aufs Korn genommen hatten. Und da meine . . . weiter lesen

Das Verschwinden des Herrn Hirsch

»Was Sie da erzählt haben«, meinte Herr Fuchs, »ist ja sehr nett, aber der Fall hat einen großen Fehler: er ist nicht in Prag passiert. Wissen Sie, ich bin der Meinung, daß auch in Kriminalsachen man Rücksicht auf die Heimat zu nehmen hat. Was geht uns schließlich Palermo oder sonst ein entlegenes Nest an? Nichts! Aber wenn einmal so ein besseres Verbrechen hier in Prag gelingt, so bin ich geradezu stolz; dann wird in der ganzen Welt von uns gesprochen und so was macht mir halt warm, so bin ich schon. Außerdem sagt einem doch der nackte Verstand, daß in einer Stadt, in der so eine wirklich große Sache vor sich geht, geschäftlich doch manches los sein muß; man hat den Eindruck von ›großem Stil‹, nicht wahr, und die Welt faßt Zutrauen zu unserer Stadt. Aber nur, wenn man . . . weiter lesen

Die Ohrenbeichte

»Unterdrückte Vorstellungen«, meinte Pater Voves, der Pfarrer von Sankt Matthäus, »unterdrückte Vorstellungen zu kurieren, das gehört zu den ältesten Errungenschaften der Menschheit; nur nennt unsere heilige Kirche diese Medizin: sacramentum sanctae confessionis. Wenn dich was in der Seele drückt, wenn du dich einer Sache schämst, dann geh zur heiligen Beichte, Kujon, und lade den Unrat ab, den du in der Seele trägst! Nur sagen wir dazu nicht ›Heilung von Nervendefekten‹, sondern wir nennen es Reue, Buße, Vergebung der Sünden. Da fällt mir eine Geschichte ein, die sich schon vor ein paar Jahren abgespielt hat. Es war ein grausam heißer Sommertag, und ich ging in mein Kirchlein – wissen Sie, ich denke immer, diese Evangelischen konnten nur im Norden groß werden, dort, . . . weiter lesen

Der Geschworene

»Ich ha­be ein­mal Rich­ter sein müs­sen«, sag­te Herr Fir­bas und räus­per­te sich, »da­mals, als ich als Ge­schwo­re­ner aus­ge­lost war. Da­mals kam ge­ra­de der Fall Lui­se Kada­nik, die ih­ren Mann er­mor­det hat­te, an die Rei­he. Wir wa­ren acht Män­ner und vier Frau­en, und wir Män­ner sag­ten uns, mehr oder we­ni­ger im stil­len: das kann gut wer­den, die­se vier Vet­teln wer­den ge­wiß ver­su­chen, das Frau­en­zim­mer frei­zu­spre­chen! Wir wa­ren al­so schon im vor­hin­ein kei­ne Freun­de der Lui­se Kada­nik. Im gan­zen be­se­hen war es ei­gent­lich der nor­ma­le Fall ei­ner un­glück­li­chen Ehe. Kada­nik war Zi­vil­geo­me­ter ge­we­sen und hat­te ei­ne um zwan­zig Jah­re jün­ge­re Frau ge­hei­ra­tet. . . . weiter lesen

Die Ballade vom Juraj Cup

»So was kommt wirk­lich vor, mei­ne Her­ren«, sag­te nun der Gen­dar­me­rie­ka­pi­tän Ha­vel­ka, »manch­mal zeigt sich bei Ver­bre­chern so ei­ne Art ganz be­son­de­rer Ge­wis­sen­haf­tig­keit – Ord­nungs­sinn möch­te ich es nen­nen. Ich könn­te Ih­nen al­ler­lei dar­über er­zäh­len, aber der merk­wür­digs­te Fall ist si­cher­lich der mit dem Ju­raj Cup. Ich ha­be ihn mit­er­lebt, da­mals, als ich in Ja­si­na in Kar­pa­tho­ruß­land bei der Gen­dar­me­rie war. Es war in ei­ner Ja­nu­ar­nacht, wir sa­ßen beim Ju­den und sof­fen. Da wa­ren: der Be­zirks­haupt­mann, ein Ei­sen­bahn­in­spek­tor, an­de­re her­vor­ra­gen­de Ho­no­ra­tio­ren und, wie es sich dort von selbst ver­steht – Zi­geu­ner. Die­se . . . weiter lesen

Der gestohlene Mord

»Das er­in­nert mich an ei­nen Fall«, sag­te Herr Houdek, »der auch groß­ar­tig durch­dacht und wun­der­bar vor­be­rei­tet ge­we­sen ist. Ich fürch­te nur, daß Ih­nen die Ge­schich­te nicht ge­fal­len wird, weil sie ei­gent­lich kein En­de und kei­ne rech­te Lö­sung hat. Wenn ich an­fan­ge Sie zu lang­wei­len, dann sa­gen Sie es mir nur, und ich hö­re so­fort auf. Wie Sie viel­leicht wis­sen, woh­ne ich in der Kru­cem­burg­gas­se in den Wein­ber­gen. Das ist ei­ne die­ser kur­zen Quer­gas­sen, in de­nen es nicht ein­mal ein Wirts­haus gibt, kei­ne Wä­sche­rei, nicht ein­mal ei­nen Koh­len­händ­ler; dort geht man um zehn Uhr schla­fen, aus­ge­nom­men je­ne Ge­nie­ßer, die das Ra­dio auf­dre­hen und erst um elf ins . . . weiter lesen