Heinrich Schliemann: Arbeit des fünften Jahres in Hissarlik

1879   Nach längerm Aufenthalt in Europa kehrte ich gegen Ende Februar 1879 nach den Dardanellen zurück, miethete hier zunächst wieder 10 Gensdarmen (Zaptjeh) und 150 Arbeiter und begann die Ausgrabungen am 1. März. Bis um die Mitte des März hatte ich unter dem heftigen Nordwinde viel zu leiden; derselbe war so eiskalt, dass man in den hölzernen Baracken weder lesen noch schreiben, und sich nur durch angestrengte Thätigkeit bei den Grabungen warm erhalten konnte. Um Erkältungen möglichst zu entgehen, ritt ich, wie ich schon früher stets gethan, jeden Morgen ganz frühe nach dem kleinen, Karanlik genannten Hafen im Hellespont, wo ich ein Seebad nahm; war aber noch vor Sonnenaufgang und vor dem Beginn der Arbeit regelmässig wieder in Hissarlik.1 Zwei meiner Gensdarmen begleiteten . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Arbeit des vierten Jahres in Troja

1878 Mit ei­ner gros­sen Zahl von Ar­bei­tern und meh­rern Pfer­de­kar­ren nahm ich ge­gen En­de Sep­tem­ber 1878 mei­ne Aus­gra­bun­gen in Tro­ja wie­der auf. Vor­her schon hat­te ich höl­zer­ne, filz­ge­deck­te Ba­ra­cken bau­en las­sen, de­ren neun Zim­mer für mich, mei­ne Auf­se­her und Die­ner und zur Auf­nah­me von Be­su­chern be­stimmt wa­ren. Auch bau­te ich ei­ne Holz­ba­ra­cke, die zur Auf­be­wah­rung werth­lo­ser Al­terthü­mer und als klei­ner Spei­se­saal dien­te, fer­ner ei­nen höl­zer­nen Schup­pen, des­sen Schlüs­sel der tür­ki­sche Be­am­te in Ver­wah­rung hat­te, und wel­cher zur Auf­be­wah­rung der­je­ni­gen Al­ter­th­ums­fun­de dien­te, die zwi­schen dem kai­ser­lich tür­ki­schen . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Erforschung von Ithaka

1878 Leider kann hier von systematisch vorzunehmenden Ausgrabungen für archäologische Zwecke durchaus nicht die Rede sein. Ich begann meine Untersuchungen in dem »Polis« genannten Thale, das, im nördlichen Theile der Insel gelegen, bisher allgemein für die Stätte der homerischen Hauptstadt von Ithaka angesehen worden ist: und zwar einmal auf Grund seines Namens, des griechischen Wortes für Stadt; dann aber wegen seines vorzüglichen Hafens, der nur 2 (engl.) Meilen von einer kleinen, heute Mathitarió benannten Insel entfernt ist; diese Insel, die einzige in der Strasse zwischen Ithaka und Kephalonia, ist begreiflicherweise immer mit der homerischen Insel Asteris identificirt worden, hinter der die Freier der Penelope dem Telemach bei seiner . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Unterbrechung der trojanischen Arbeiten

1874–1878 Nachdem ich von der griechischen Regierung die Erlaubniss zu Ausgrabungen in Mykenae erlangt hatte, begann ich im Februar 1874 meine Thätigkeit dort mit dem Abteufen von 34 Schachten auf der Akropolis; aber gerade als ich die Stätte der alten von Pausanias erwähnten Königsgräber entdeckt hatte, wurden meine Nachforschungen durch ein Gerichtsverfahren unterbrochen, welches die türkische Regierung, die auf die eine Hälfte meiner Sammlung trojanischer Alterthümer Ansprüche erhob, in Athen gegen mich eingeleitet hatte. Der Process wurde ein Jahr lang geführt und endigte mit einer Entscheidung des Gerichtshofes, zufolge deren mir die Zahlung einer Entschädigungssumme von 10000 Frs. an die türkische Regierung auferlegt wurde. Anstatt dieser 10000 Frs. nun übersandte ich . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Arbeiten des dritten Jahres auf Hissarlik

1873 Am 14. August stellte ich die Ausgrabungen für das Jahr 1872 ein und nahm dieselben am 1. Februar 1873 in Gemeinschaft mit meiner Frau wieder auf. Neben unsern beiden hölzernen Gebäuden hatten wir im vorhergehenden Herbste noch ein Wohnhaus mit 2 Fuss dicken Mauern für uns errichten lassen, zu dem von mir ausgegrabene Steine von alten trojanischen Bauwerken das Material abgegeben hatten. Doch mussten wir dieses Haus jetzt unsern Aufsehern einräumen, die nicht mit warmen Kleidungsstücken und Decken hinreichend versehen waren, und sonst bei der grossen Winterkälte umgekommen sein würden. So hatten meine arme Frau und ich viel zu leiden; denn der scharfe eisige Nordwind, der an Homer's häufige Erzählung von dem Brausen des Boreas erinnerte, blies so heftig durch die Fugen der Breterwände . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Zweites Jahr der Arbeiten in Hissarlik

1872 Gegen Ende März 1872 kehrte ich mit meiner Frau nach Hissarlik zurück und nahm die Ausgrabungen mit 100 Arbeitern wieder auf. Bald war ich im Stande, die Zahl meiner Arbeiter auf 130 zu erhöhen, und nicht selten beschäftigte ich sogar 150 Leute. Ich war jetzt vortrefflich für unsere Arbeit ausgerüstet, da mir meine verehrten Freunde, die Herren John Henry Schröder & Co. in London, eine genügende Anzahl der besten englischen Schiebkarren, Spitzhauen und Spaten verschafft und ich ausserdem drei Aufseher und einen Ingenieur, Mr. A. Laurent, engagirt hatte. Der letztere, der die Karten und Pläne anfertigte, erhielt 400 M., jeder der Aufseher 120 und mein Diener 144 M. monatlichen Gehalt, während der Tagelohn meiner Erdarbeiter 1 Fr. 80 . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Arbeit des ersten Jahres in Hissarlik

1871 Um grös­se­re Nach­gra­bun­gen an­stel­len zu kön­nen, be­durf­te ich ei­nes Fer­mans der Ho­hen Pfor­te, den ich erst im Sep­tem­ber 1871 durch die gü­ti­ge Ver­mit­te­lung mei­ner Freun­de, des Mi­nis­ter­re­si­den­ten der Ver­ei­nig­ten Staa­ten zu Con­stan­ti­no­pel, Mr. Wy­ne Mc­Veagh, und des in­zwi­schen ver­stor­be­nen treff­li­chen Drago­mans der Ge­sandt­schaft der Ver­ei­nig­ten Staa­ten, Mr. John P. Brown, er­hielt. End­lich am 27. Sep­tem­ber konn­te ich mich nach den Dar­da­nel­len be­ge­ben, und zwar dies­mal in Be­glei­tung mei­ner Frau, So­phia Schlie­mann, die, ei­ne Grie­chin, aus Athen ge­bür­tig und ei­ne war­me Be­wund­re­rin des Ho­mer, mit freu­digs­ter Be­geis­te­rung an der . . . weiter lesen

Erste Reise nach Ithaka, dem Peloponnes und Troja

End­lich war es mir mög­lich, den Traum mei­nes Le­bens zu ver­wirk­li­chen, den Schau­platz der Er­eig­nis­se, die für mich ein so tie­fes In­ter­es­se ge­habt, und das Va­ter­land der Hel­den, de­ren Aben­teu­er mei­ne Kind­heit ent­zückt und ge­trös­tet hat­ten, in er­wünsch­ter Mus­se zu be­su­chen. So brach ich im April 1868 auf und ging über Rom und Nea­pel nach Kor­fu, Ke­pha­lo­nia und Itha­ka, wel­ches letz­te­re ich gründ­lich durch­forsch­te; doch nahm ich hier nur in der so­ge­nann­ten Burg des Odys­seus, auf dem Gip­fel des Ber­ges Aëtos, Aus­gra­bun­gen vor. Bei die­sem Auf­ent­hal­te schon fand ich, dass die Lo­ca­li­tät der In­sel mit den An­ga­ben der Odys­see voll­kom­men über­ein­stimm­te; ich . . . weiter lesen

Heinrich Schliemann: Kindheit und kaufmännische Laufbahn

1822 bis 1866 Wenn ich die­ses Werk mit ei­ner Ge­schich­te des eig­nen Le­bens be­gin­ne, so ist es nicht Ei­tel­keit, die da­zu mich ver­an­lasst, wol aber der Wunsch, klar dar­zu­le­gen, dass die gan­ze Ar­beit mei­nes spä­tern Le­bens durch die Ein­drü­cke mei­ner frü­hes­ten Kind­heit be­stimmt wor­den, ja, dass sie die nothwen­di­ge Fol­ge der­sel­ben ge­we­sen ist; wur­den doch, so­zu­sa­gen, Ha­cke und Schau­fel für die Aus­gra­bung Tro­jas und der Kö­nigs­grä­ber von My­ken­ae schon in dem klei­nen deut­schen Dor­fe ge­schmie­det und ge­schärft, in dem ich acht Jah­re mei­ner ers­ten Ju­gend ver­brach­te. So er­scheint es mir auch nicht über­flüs­sig, hier zu er­zäh­len, wie ich all­mäh­lich in den Be­sitz . . . weiter lesen