Indizienbeweis

Oberst Dane stand entschlossen in der geräumigen, prachtvollen Halle des Hauses, in dem er einen Kuraufenthalt verbracht hatte. Auch alle anderen Patienten hielten sich gern in diesem schönen Raum auf. Besonders an kühlen Tagen fühlte man sich hier behaglich. Die hohen Wände waren bis zur Decke mit Holz getäfelt, und die polierten Flächen spiegelten die großen Holzfeuer wider, die in den offenen Kaminen loderten. In stillen, verschwiegenen Ecken luden eingebaute Sofanischen zum Sitzen und zum Plaudern ein; schöne alte Stiche in glätten, geschmackvollen Holzrahmen fügten sich harmonisch in die Umgebung ein. Weiche Teppiche, in denen die Füße versanken, bedeckten den Boden und dämpften alle Geräusche. Im Sommer . . . weiter lesen

Der Selbstmörder

Preston Somerville stand auf dem Balkon vor seinem Hotelzimmer, als der Zug keuchend die letzte steile Biegung erklomm, um in die Station von Caux einzufahren. Er konnte von hier aus sehen, wie ein Herr und eine Dame ausstiegen. Auf dem runden, kleinen Eisentisch neben ihm lag ein Fernglas. Er nahm es zur Hand und stellte es auf den Bahnhof ein. Ja, er hatte recht. Und er hatte die beiden auch an diesem Tag und mit demselben Zug erwartet. Von unten aus konnten sie ihn nicht erkennen. Die bunte Markise gab tiefen Schatten; außerdem lag das Hotel von der Station ziemlich weit entfernt. Er beobachtete, wie die beiden den gewundenen Fahrweg heraufstiegen. Ein Portier trug die Koffer. Hinter ihm ging gemütlich und langsam ein einzelner Herr; es war George Dixon, Somerville hatte . . . weiter lesen

Doktor Kay

An einem schönen, hellen Nachmittag verließ der Schnellzug nach Eastbourne den Victoria-Bahnhof. Mary Boyd saß in einem Abteil Erster Klasse, aber sie hatte keinen Sinn für die Schönheit der Gegend und für den herrlichen Sonnenschein. Ebensowenig sah sie ihren Mitreisenden. Fast eine Stunde lang war er in die Lektüre seiner Zeitung vertieft und schien sich nicht im mindesten um die junge Dame zu kümmern. Als der Zug geräuschvoll durch Three Bridges fuhr, schaute sie zufällig auf und begegnete seinem Blick. Der Mann war schlank und hager und mochte etwa vierzig Jahre zählen. An den Schläfen waren seine Haare leicht ergraut, aber sonst tiefbraun. Er trug sie aus der Stirn zurückgebürstet; im übrigen sah er aus wie . . . weiter lesen

Das Diamantenklavier

  »Auf schwarzdunklem Moor oder felswildem Strand Leg' ich mich nieder, wegmüd und krank. Kalt wölbt sich der Himmel von West nach Ost, Weder Mantel noch Decke schützt mich vor Frost. Nur kaltfunkelnde Sterne halten still Wacht – Wer weiß, wo ich ruhn werde in dieser Nacht!«   Wenn dies nicht Poggys Lieblingsballade gewesen wäre, würde Ferdie auch den Mund gehalten und nichts gesagt haben. Aber sooft sich Letty an den schönen Flügel setzte, mit ihren schlanken, weißen Händen über die Tasten fuhr, die Noten vornahm und sagte: »Ach, das mag ich nicht«, oder: »Das ist herrlich, aber ich kann es leider noch nicht richtig zum Ausdruck bringen«, und schließlich den »Zigeunersang« . . . weiter lesen

Der Fall Stretelli

Detektivinspektor John Mackenzie hatte seinen Abschied eingereicht, und die Zeitungen brachten aus diesem Anlaß viele Berichte über ihn und seine Erfolge. Seine direkten Vorgesetzten wunderten sich, welche Gründe ihn zu dem vorzeitigen Rücktritt veranlaßt haben mochten. Aber alle Vermutungen waren falsch; kein Mensch ahnte die eigentliche Ursache. Mackenzie wußte nämlich nicht mehr, wie er in dem Widerstreit zwischen Pflicht und Gerechtigkeitssinn handeln sollte, und wählte deshalb den Ausweg, sein Amt niederzulegen. In diesen Konflikt war er durch die Bearbeitung des Falles Stretelli geraten, der äußerlich dadurch zum Abschluß gebracht wurde, daß man an einem kalten Dezembermorgen im Gefängnis zu Nottingham einen Verbrecher . . . weiter lesen