Leipzig vor 150 Jahren

Wenn man das Alter des Psalmisten bereits um etliche Jahre überschritten hat und man nun jeden Morgen seine Todesanzeige in der Zeitung zu lesen erwartet, mag der Wunsch begreiflich erscheinen, einen Rückblick zu halten auf seine Kindheit und Jugend, und auf die Umwelt, auf die sie gestellt waren. Welten scheinen das Einst von dem Jetzt zu trennen, so von Grund auf haben sich ja seitdem alle Verhältnisse geändert und interessant mag dem Jüngeren sein, was der Aeltere aus seiner Kindheit Tagen von dem Leben und Treiben auf den gleichen Straßen und Plätzen und deren damaligem Aussehen zu erzählen weiß, über die der Schritt des Jüngeren jetzt ebenso dahin schreitet wie einst und noch jetzt — auf wie lange noch? — der des Erzählers. Aber indem ich mich anschicke, mit meiner Schilderung . . . weiter lesen

Die Preußen sind da

Die kriegerischen Ereignisse in Schleswig-Hol­stein weckten in uns Knaben den Wunsch nach Kriegsspielen und militäri­scher Ausbildung. Diesem Verlangen leistete eine Exerzier­schule in reichem Maße Genüge, die von einem Sergeanten des da­mals in Leipzig garnisonierenden Jagerbataillons in der Pleißenburg unterhalten wurde. Mein Bruder und ich traten, mit ordnungsgemäßen kleinen Ge­wehren versehen, in dieselbe ein und wurden dort gewissenhaft nach dem geltenden sächsischen Exer­zierreglement ausgebildet. Sobald die kurze Rekru­tenzeit vorüber war, wurden wir unter die schon ausgebildeten Schüler eingereiht und es begann dann ein Kompagnie-Exerzieren, wie es besser auch die großen Soldaten nicht ausführen konnten. Häufig sahen die Offiziere der Garnison diesem Exerzieren . . . weiter lesen

Sklaverei und Eselswiese

Der nordamerikanische Sezessionskrieg (1861 bis 1865) fand auch in Leipzig lebhafte Beachtung, nicht nur wegen der vielfachen Handelsbeziehungen, die namentlich Leipzig mit den nordamerikaniscnen Staaten besaß, sondern auch politisch und gefühls­mäßig. Denn die Sympathien der Leipziger — wie wohl auch aller Deutscher — wendeten sich unein­geschränkt den Nordstaaten der Union zu, da die­selben mit den Sklavenhaltern der Südstaaten im Kampfe standen. Während des vier Jahre langen Krieges verging selten eine Woche, wo sich nicht junge Leipziger nach den Vereinigten Staaten ein­schifften, um dort in die Reihen der Kämpfer für die Befreiung der Sklaven einzu­treten. Gar manche von ihnen starben hierbei den Heldentod. Dieser deutschen Hilfe, die sehr wesentlich zum Siege der Nordstaaten . . . weiter lesen

Kleine Gärten, Tagungen und eine Explosion

In das Jahr 1864 fiel auch die Gründung des ersten Schreber­ vereins durch den Schuldirektor Dr. Hauschild. Freilich war es noch ein weiter Schritt bis der erste Schrebergarten entstand. Zunächst wurde nur der freie Platz hinter der Wiesenstraße, dort, wo jetzt die Lutherkirche steht, als Schreberplatz ange­wiesen. Es war ein sumpfiger Wiesenplan, der erst nach und nach für den gewollten Zweck hergerichtet werden konnte. Nachdem der Platz ein ansprechen­deres Aeußere gewonnen hatte, wurden Kinderbeete darauf errichtet und im Jahre 1869 Familienbeete. Ein Jahr später entstanden die ersten Schreber­gärten. Binnen Jahresfrist zählte man alsdann deren be­reits hundert und aus diesen sind im Laufe der Zeit, namentlich nachdem 1876 der schöne große Schreber­platz an den sogenannten . . . weiter lesen

Ein kurzer Krieg

Seit den Tagen des Turnfestes sangen wir Jungens keine Polenlieder mehr, denn das Interesse für die Polen hatte sich abgeschwächt, nachdem sie sich nicht als die heldenmütigen Kämpfer gezeigt hatten, die wir in ihnen voraussetzten. Dagegen wurde jetzt von uns und auch von der Bevölkerung bei jeder Ge­legenheit das "Schleswig-Holstein meerumschlungen" gesungen. Denn die schleswig-holsteinische Frage war wieder aufgerollt worden und rief das patrio­tische Empfinden jedes Deutschen hervor. In sei­nen letzten Monaten hatte König Friedrich VII. von Dänemark die Absicht betrieben, die staatsrechtliche Sonderstellung von Holstein und Lauenburg aufzu­heben und beide Provinzen in die Gesamtverfassung einzu­beziehen und somit fest an Dänemark zu glie­dern, wie dies vorher schon mit Schleswig . . . weiter lesen

Zeitungen

An Zeitungen war in jener Zeit in Leipzig kein Mangel, ja ihre Zahl war größer wie jetzt, wo die Ein­wohnerschaft Leipzigs sich gegen damals um das Zehnfache vermehrt hat. Außer dem stark verbrei­teten, damals mehr dem Inseratenteile als redaktio­nellen Mitteilungen dienenden Leipziger Tageblatt gab es die vorzüglich redigierte von F. A. Brockhaus herausge­gegebene Deutsche Allgemeine Zeitung, die Leipziger Nachrichten, die Leipziger Zeitung, die Mitteldeutsche Volkszeitung (das Organ der Fort­schrittspartei), den Telegraph, das Leipziger Kreis­blatt (das ähnlich den preußi­ schen Kreisblättern vor­nehmlich zur Verbreitung behördlicher und offiziöser Mitteilungen benutzt wurde), den Dorfanzeiger, der später als Stadt- und Dorfanzeiger firmierte, und das zweimal täglich . . . weiter lesen

1863

Das Jahr 1863 war für Leipzig ein außerordentlich ereignis­ reiches. Zunächst fand in diesem Jahre hier die Gründung der Sozialdemokratischen Partei statt. Es ist für viele vielleicht interessant, den Uranfang dieser Bewegung kennenzulernen. Im Leipziger Tage­blatt vom 2, Oktober 1862 erschien die folgende Annonce: An die Arbeiter Leipzigs! In Anbetracht der Lage des Vaterlandes im All­gemeinen und des Arbeiterstandes im Besonderen scheint es dringend geboten, daß die Arbeiter die Schlaffheit und Gleichgültigkeit beseitigen, welche sie bis jetzt gezeigt haben. Wir sollten uns viel­mehr mit Muth und ausdauernder Kraft an den Be­wegungen der Zeit betheiligen, um dadurch aller Welt die gereifte Entwickelung und somit Berech­tigung unseres Standes zu bekunden. Die Unter­zeichneten . . . weiter lesen

Messen und Theater

Einen breiten Rahmen in dem Leben der Leipziger nahmen die Messen ein, deren es alljährlich drei; zu Neujahr, zu Ostern und zu Michaelis gab und — mit einiger Veränderung — mit Ausnahme der Neujahrs­messe noch gibt. War das damals ein Leben! In allen Straßen und auf allen Plätzen der inneren Stadt wur­den Verkaufsbuden aufgeschlagen und schon wochen­lang vorher Ballen auf Ballen, Kisten auf Kisten ab­geladen, um in den Verkaufsgewölben und den Buden an den Straßen oder in den Höfen aufgestapelt und entleert zu werden. Jede Branche hatte hierbei nach altem Herkommen ihr besonderes Quartier und ihre Firmen fand man dort und in der nächsten Nachbar­schaft unschwer in dem allgemeinen Gewirr heraus. Damals wurden noch ganze Warenlager nach Leipzig gebracht und der Fabrikant arbeitete . . . weiter lesen

Das große Donnerwetter von 1860

Der 27. August 1860 war ein schöner sehr warmer Sommertag. Ich war nachmittags in der Schwimm­anstalt baden gewesen und dann noch nach unserem Garten in der Großen Funkenburg gegangen; da ich aber dort niemand von meinen Angehörigen traf und ein Gewitter, das schon stundenlang drohte, immer näher herankam und eine recht beängstigende gelb­liche Wolkenbildung annahm, eilte ich im Geschwind­schritt dem elterlichen Hause zu. Kaum hatte ich die Wohnung betreten, als wir in den nach Westen gelegenen Zimmern Scher­bengeklirr und ein unheim­liches Geräusch hörten. Gleichzeitig vernahmen wir Fensterbruch und Gepolter im Treppenhaus und als wir bestürzt hinzueilten, sahen wir Hagelkörner in der Größe von Hühnereiern, die die Fenster durch­schlagen hatten, die Treppenstufen hinabhüpfen. . . . weiter lesen

Hinter den Gardinen

An gut besuchten Bier- und Weinrestaurants war in der Stadt kein Mangel. Da war zunächst der alt-berühmte, durch die Faustsage bekannte Auerbachs Keller, dem sich gleichwertig Aeckerleins Keller anschloß. Gut besucht war ferner das Dähnesche Weinrestaurant (jetzt Page), sowie Hotel de Russie und Hotel de Baviere, beide in der Petersstraße, und außerhalb des Promenadenringes (nach Niederreißung des prächtigen Baues des "Kurprinz"), Hotel de Prusse, unter Krafts, des Freundes Richard Wagners, bewährter Leitung. Nach den Theatervorstellungen pflegte namentlich Kaltschmidts Weinstube auf dem Nikolaikirchhof viel aufgesucht zu werden, wo dann auch manches Spielchen aufgelegt wurde. Das Haringsche Restaurant in der Hainstraße, in dem schon . . . weiter lesen

Wasser, Ärzte und häusliches Leben

All­jähr­lich wur­de Leip­zig ein- oder zwei­mal von ei­ner gro­ßen Ue­ber­schwem­mung heim­ge­sucht. Von Con­ne­witz und Schleu­ßig her wälz­ten sich die Was­ser­mas­sen her­an und über­schwemm­ten das wei­te Ge­biet zwi­schen Leip­zig und Plag­witz-Lin­denau. Die jet­zi­ge Renn­bahn, das Schei­ben­holz, der jet­zi­ge Kö­nig Al­bert-Park bis zur Wie­sen­stra­ße, dann wei­ter­hin die jet­zi­ge Plag­wit­zer Stra­ße und die Frank­fur­ter Wie­sen bis in das Ro­sen­tal hin­ein und die gan­ze Flä­che bis nach Möckern bil­de­ten ei­ne ein­zi­ge gro­ße, wild durch­flu­te­te Was­ser­flä­che. So­weit das Au­ge reich­te, er­blick­te man nichts als ei­nen un­ge­heue­ren See. In sol­chen Zei­ten ver­dien­te Leip­zig . . . weiter lesen

Straßenleben

An die­ser Stel­le mö­gen auch ei­ni­ge klei­ne Er­leb­nis­se aus mei­ner Kind­heit Ta­gen Platz fin­den. Ei­nes Vor­mit­tags schick­te mich mei­ne Mut­ter in die Bar­fuß­müh­le, um dort Grieß für die Sup­pe zu ho­len. Sie schärf­te mir ein, im­mer "Grieß, Grieß" vor mich her­zu­sa­gen, auf daß ich auch das Rich­ti­ge brin­ge. Ich ver­sprach dies zu tun und nahm wohl­ge­mut mei­nen Weg von der Zen­tral­stra­ße um die Syn­ago­ge her­um, dort den klei­nen Ab­hang her­ab, der zu ei­ner den Die­bes­gra­ben über­span­nen­den Holz­brü­cke führ­te, dann durch Leh­manns Gar­ten an Ca­jeris Go­sen­gar­ten vor­bei nach der Brü­cke, wel­che Leh­manns Gar­ten mit der Pro­me­na­de ver­band und wo jen­seits der Brü­cke . . . weiter lesen

Große Ereignisse

Am 27. Au­gust 1858 fand un­ter all­ge­mei­ner Teil­nah­me der Be­völ­ke­rung die 150jährige Fei­er der er­sten Be­sitz­nah­me des Ro­sen­ta­les durch den Stadt­rat und die gleich­zei­tig er­folg­te An­le­gung von Spa­zier­gän­gen in dem­sel­ben statt. In den Eta­blis­se­ments Bo­no­rand und Schwei­zer­häus­chen fan­den aus die­sem An­laß be­son­de­re fest­li­che Ver­an­stal­tun­gen statt. Den Mo­nat dar­auf er­schien der gro­ße Do­natsche Ko­met am Him­mel. Er wur­de schon in den ers­ten Abend­stun­den im Nord­wes­ten un­ter dem Schwei­fe des gro­ßen Bä­ren sicht­bar und konn­te des­halb auch von uns Kin­dern in Au­gen­schein ge­nom­men wer­den. Er war hell und klar mit dem blo­ßen Au­ge sicht­bar. . . . weiter lesen

Feuer, Feuer!

In der Nacht vom 6, und 7. Fe­bru­ar 1860 brach in der Tho­mas­müh­le Feu­er aus, ein Brand, den ich noch deut­lich vor Au­gen se­he, denn wir konn­ten von der Zen­tral­stra­ße aus, wo wir wohn­ten, den­sel­ben ge­nau be­ob­ach­ten und der Feu­er­lärm hat­te auch mich bald aus dem Schlaf ge­weckt. Das Feu­er war in dem al­ten Müh­len­ge­bäu­de, das nur noch als La­ger­raum be­nutzt wur­de, ent­stan­den und hat­te bei der reich­li­chen Nah­rung, die es an den auf­ge­sta­pel­ten Vor­rä­ten und an dem al­ten Ge­bälk fand, rasch um sich ge­grif­fen. Bald teil­te sich das Feu­er auch dem da­ne­ben ste­hen­den Wohn­haus mit. Ich se­he noch deut­lich die hel­len Flam­men aus den Fens­tern und dem Dach­stuhl schla­gen und das . . . weiter lesen

Volksfeste

Da ich im Vorstehenden wiederholt der Kommunal­garde gedacht habe, ist es wohl Zeit, derselben einige nähere Worte zu widmen. Die Kommunalgarde war eine im Jahre 1830 nach einer Straßenrevolte zum Schutz der staatlichen Ordnung und der Bürgerschaft geschaffene Organisation. Jeder, der in Leipzig das Bürgerrecht erlangte, war, gleichviel welcher Her­kunft, verpflichtet, in die Kommunalgarde einzutreten und in derselben Dienst bis zu seinem vollendeten 50. Lebensjahre zu tun. Zu dem Zwecke war die Stadt in eine Anzahl Viertel einge­teilt und die dort wohnenden neu vereidigten Bürger wurden den aus diesen Vierteln sich rekrutierenden Kompagnien überwiesen. Die Kommunalgarde bestand aus vier Bataillonen zu je vier Kompagnien und einer Eska­dron Berittener. Die letzteren trugen vergoldeten . . . weiter lesen

Cholera, ein Mord und ein gestopptes Henkersbeil

So war denn diese kriegerische Episode zu Ende. Aber ein unheimlicher Gast hatte sich während des Krieges in unserer Stadt eingeschlichen, der lange nicht weichen wollte — die Cholera. Dieselbe hatte schon das Jahr vorher hier und da in Deutschland und Oesterreich gespukt und war nun von Soldaten aus Böhmen, wo sie schon im Juni eine große Ausdehnung gewonnen hatte, in Leipzig eingeschleppt worden. Der erste Cholerafall ereignete sich am 29. Juni und die unheimliche Seuche verbreitete sich von da ab mit großer Schnelligkeit durch die ganze Stadt. Am meisten von ihr betroffen wurden die Straßen und größeren Häuserkomplexe, die eine dicht aneinan­der wohnende Bevölkerung besaßen, wie die Moritz­straße, die Kolonnadenstraße, die Große und Kleine Fleischergasse, die Sternwartenstraße, . . . weiter lesen

Wahlen, Karneval und Plon-Plon

Von dem Grausigen zu etwas Heiterem. Es mag vielleicht in der Weltgeschichte schon einmal vorge­kommen sein, daß ein Buchhändler in einem Delirium von Großmut einem seiner Autoren ein Reitpferd schenkte. Daß aber umgekehrt ein Schriftsteller seinem Verleger ein Roß zum Präsent machte, das war bis zu dem Dezember 1866, von dem ich hier berichte, jedenfalls ganz neu. Feierte da also ein Verlagsbuch­händler seinen Geburtstag und er hatte schon die Glückwünsche seines Personals gebührend entgegen­genommen, als es durch seinen zu ebener Erde ge­legenen Laden gepoltert kam und gleich darauf in sei­nem daran­stoßenden Kontor ein hiesiger Schriftstel­ler, dessen Werke er, verlegte, hoch zu Roß, auf einem Schimmel, erschien, um ihn mit einer Anrede in Ver­sen zu beglückwünschen . . . weiter lesen

Leipzig wächst und ein Skandal

In den letzten Jahren hatte die Stadt mehr und mehr an Umfang zugenommen. Im Norden, Süden, Osten und Westen wurden neue Straßen angelegt und überall schossen neue Häuser empor. Auch die bis­herigen Schießstände der Schützen­gesellschaft und das hinter dem Schützenhause gelegene Areal wur­den, ihrer günstigen Lage wegen, nicht weit von dem Promenadenring und benachbart von den stark in Anspruch genommenen Verkehrsstraßen Wintergar­tenstraße und Tauchaer Straße, von dieser Bautätig­keit erfaßt; die Schießstände paßten überhaupt nicht mehr inmitten der werdenden Großstadt. Die Schützenge­sellschaft mußte sich deshalb entschließen, sich ein neues Heim außerhalb des städtischen Ver­kehrs zu schaffen. So entstand das neue Schützen­haus am Leutzscher Weg, wo sich . . . weiter lesen

Noch ein Krieg

Zu Ostern 1870 verließ ich zu meiner weiteren Ausbildung Leipzig, doch war ich im Sommer auf einige Ferienwochen in der Heimat, als unerwartet der von Frankreich gewollte Krieg ausbrach. Unbeschreiblich war der Enthusiasmus, mit welchem die Kunde von der französischen Kriegserklärung, wie überall so auch in Leipzig, aufgenommen wurde. Noch kurz vorher hatte ich im Freundeskreise ein damals sehr beliebtes "geistreiches" Lied mitgesungen, dessen Text so kurz ist, daß ich ihn hierher setzen kann; "Europa hat Ruhe, und wenn Europa Ruhe hat, so hat Europa Ruh", welche Strophe bis zur Unendlichkeit wiederholt wurde. Diese Ruhe war jetzt mit einem Schlage weggefegt und statt des eben erwähnten Liedes hörte man jetzt aller Orten das . . . weiter lesen

Ein verbranntes Fräulein und des Königs Rock

Die weiteren Kriegsereignisse erlebte ich nicht in Leipzig. Ich kehrte erst im Winter 1871 zu 1872 in die Heimat zurück. Hier ward ich einige Wochen später Zeuge eines äußerst betrü­benden Unglücksfalles. Schon vor meiner Abreise aus Leipzig war ich einer Gesellschaft junger Leute beigetreten, welche die "Esperance" hieß und die Geselligkeit pflegte. Dieser Gesell­schaft war ich auch während meiner Ab­wesenheit treu geblieben und wurde bei meiner Rück­kehr von ihr mit offenen Armen empfangen. Alle Monate im Winter fand ein Vergnügen statt, in dem ein von uns gemimtes Theaterstück gegeben wurde, dem dann ein Ball folgte. An einem dieser Vergnü­gungsabende, der im Trianonsaale des Schützen­hauses abgehalten wurde, führten wir das Lustspiel "Humoristische Studien" auf, wobei . . . weiter lesen