Aktenfaszikel 113 – Kap.17

Nur mit großer Gefahr und unsäglicher Mühe war es Gaston von Clameran gelungen, sich zu retten, und daß es gelang, verdankte er in erster Linie dem alten Fährmann Menoul.

Nachdem sie in Camargue gelandet waren, versteckte der treue Schiffer seinen Schützling bei einer befreundeten Familie und begab sich auf Kundschaft nach Marseille.

Da Gaston Valentine den Schmuck seiner Mutter gelassen hatte, bestand sein ganzes Vermögen aus 920 Frank, eine Summe, die kaum für die Überfahrt hingereicht hätte. Um also seinen Zehrpfennig zusammenzuhalten, wollte er sich auf dem Schiffe nützlich machen, das heißt, die Überfahrt durch seiner Hände Arbeit verdienen, und ein Schiff, wo er in solcher Weise unterkommen konnte, sollte Menoul auskundschaften.

Das gelang dem alten Fährmann schon am ersten Abend; in einer Matrosenkneipe erfuhr er, daß der Kapitän eines amerikanischen Dreimasters, der vor Anker lag, ein vorurteilsloser Mensch wäre, der mit Vergnügen kräftige Burschen, die tüchtig zugreifen konnten, in Dienst nähme, ohne sich um ihre Vorgeschichte zu kümmern oder nach Papieren zu fragen.

Menoul sprach mit dem Kapitän und kehrte dann zu Gaston zurück.

»Es wäre alles in Ordnung,« sagte er, »aber ich fürchte, es wird Ihnen schwer ankommen. Sie müßten Matrosendienste  verrichten, und der Kapitän scheint ein geriebener Schurke zu sein.«

»Es bleibt mir keine andere Wahl,« entgegnete Gaston.

Er hatte sich kaum an Bord von »Tom Johns« befunden, als er wahrnahm, daß Menoul in bezug auf den Kapitän recht hatte, und kaum achtundvierzig Stunden dauerte es, da wußte er, daß er mitten unter eine Schar Verbrecher aller Art geraten war!

Ihm war das gleichgültig, seine Gedanken weilten weit fort, in der Heimat, bei seiner geliebten Valentine.

Nur, daß er wenig Zeit hatte, sich seinen Gedanken, seinem Schmerz zu überlassen. Er mußte die harte Lehrzeit eines Matrosen durchmachen und bedurfte seiner ganzen körperlichen Kraft und Willensstärke, um die Anstrengung, die der Dienst erforderte, zu ertragen. Aber des Nachts, wenn er Wache hatte, da kamen die Gedanken und mit ihnen die Sorge um die Zukunft. Er hatte Valentine versprochen, in drei Jahren als reicher Mann wiederzukehren. Wie sollte er dies ersehnte Ziel erreichen?

Es hatte nicht den Anschein, als ob »Tom Johns« bald Valparaiso erreichen sollte, wenn er überhaupt das Ziel hatte, denn der Kapitän sagte lachend, sie wollten erst einmal einen Abstecher nach Guinea machen, um eine Fracht »Ebenholz« zu holen.

Mit dieser Bezeichnung meinte er Neger, denn der ehrenwerte Herr Kapitän war ein Sklavenhändler!

Als Gaston dies erfuhr, war er aufs äußerste empört, aber er war klug genug zu schweigen, denn er sah ein, daß er durch seine Worte den Kapitän nicht zum Aufgeben seines unwürdigen Handels brächte, überhaupt mußte er sich hüten, das Ansehen, das er bei der Mannschaft und den Vorgesetzten genoß, aufs Spiel zu setzen. Durch den alten Menoul  wußten sie die Geschichte von den ausgeteilten Messerstichen und der kühn durchschwommenen Rhone und das imponierte ihnen. Der Kapitän besonders gewann ihn um seines überlegenen Verstandes willen lieb, und als der zweite Steuermann zufällig starb, übertrug er Gaston dessen Stelle.

Drei Jahre waren vergangen, als »Tom Johns« endlich in den Hafen von Rio de Janeiro einlief und Gaston das Schiff verlassen konnte.

Der Kapitän hatte ihm seinen Gehalt ausbezahlt und so besaß Gaston ein Vermögen von 12 000 Frank.

Trotz der wilden Gesellschaft, in der er drei Jahre unter allerlei Abenteuern und Gefahren gelebt, hatte er weder die Heimat noch die Geliebte vergessen; sein erstes war es daher, als er ans Land kam, einem vertrauten Freund zu schreiben und ihn zu bitten, Valentine in Kenntnis zu setzen, daß er am Leben und seines Versprechens eingedenk sei, er ließe sie bitten, sich noch zu gedulden. Er schrieb auch seinem Vater und erwartete mit Ungeduld Nachrichten ans der Heimat.

Aber erst nach einem Jahr kam ihm die Antwort des Freundes zu. Er erfuhr mit einem Schlage, daß sein Vater gestorben und Louis außer Landes sei. Der Brief erhielt auch die Mitteilung, daß er selbst wegen Totschlags zu mehreren Jahren Gefängnis verurteilt worden und Valentine sich verheiratet habe.

Diese Nachrichten schmetterten ihn nieder. Heimatlos, entehrt, und Valentine hatte ihn vergessen, verleugnet!

Er war der Verzweiflung nahe, aber dann raffte er sich auf und stürzte sich, um zu vergessen, in einen Strudel von Arbeit und Spekulationen. Tausend Dinge unternahm er, er arbeitete in Bergwerken und verkaufte Felle, er versuchte wilde Ländereien urbar zu machen. Er hatte ungeheuere Summen gewonnen und wieder verloren, doch ließ er sich  nicht entmutigen, begann immer wieder aufs neue und endlich, nach jahrelangem Ringen und Kämpfen war er ein Millionär, dessen Gelder sicher angelegt waren.

Die Sehnsucht nach der alten Heimat, die er so lange bekämpft, erwachte in ihm aufs neue und er beschloß, nach Frankreich zurückzukehren.

Er hatte Erkundigungen eingezogen und sich vergewissert, daß die Gerichte ihn nicht mehr verfolgen würden, und so machte er denn einen Teil seiner Habe zu Geld und schiffte sich ein.

Dreiundzwanzig Jahre waren seit seiner Flucht vergangen; nun betrat er die Heimat wieder, aber er kam als Fremder und fühlte sich unsäglich einsam und tieftraurig. Auch der Klimawechsel taugte ihm nicht, er erkrankte und die Ärzte sandten ihn in ein Pyrenäenbad.

Die Gegend gefiel ihm überaus gut und als er genesen war, beschloß er, sich dort dauernd niederzulassen. Da ihm die Untätigkeit unerträglich war, so erstand er bei Oloron ein Hüttenwerk und gab sich mit vollem Eifer dem Betrieb seiner Eisenwerke hin.

Eines Abends überbrachte ihm der Diener die Karte eines Herrn, der ihn zu sprechen wünschte. Auf der Karte stand: Louis von Clameran.

»Mein Bruder,« rief Gaston freudig erregt, »mein Bruder,« und stürmte hinaus, dem Ankömmling entgegen.

Gaston bereitete seinem Bruder einen ungemein herzlichen Empfang.

Er lachte und weinte gleichzeitig als er ihn umarmte, ihm immer wieder die Hände schüttelte, ihn unverwandt betrachtete.

»Du hast dich gar nicht verändert, Louis,« sagte er, »ich habe dich sofort wiedererkannt, an dem Ausdruck deines Gesichtes, deinem Lächeln.«

Louis lächelte in der Tat, so mochte er vielleicht auch in jener Nacht gelächelt haben, als durch den Sturz seines Pferdes Gaston dem Verderben preisgegeben war. Gaston war über den Besuch seines Bruders aufrichtig erfreut.

»Nun bin ich doch nicht mehr einsam, nicht mehr fremd in der Heimat,« sagte er, »nun habe ich einen Bruder, einen Freund … Aber sage mir nur, wie ist es dir gelungen, mich aufzufinden?«

Auf diese Frage war Louis gefaßt gewesen, und während der langen Eisenbahnfahrt hatte er die Antwort vorbereitet.

Er erzählte, daß im Klub ein Herr, der eben aus dem Pyrenäenbade Eaux-Chandes gekommen, erzählt habe, er hätte dort von einem Marquis de Clamerau sprechen hören. »Ich glaubte,« berichtete Louis weiter, »irgend ein Abenteuerer habe sich unterstanden, sich unseren Namen beizulegen und rasch entschlossen, bin ich hierhergeeilt.«

»Und an mich dachtest du nicht?«

»Wie konnte ich? Seit dreiundzwanzig Jahren galtest du für tot.«

»Wie, du wußtest nichts von meiner Rettung? Hat euch denn die Komtesse von Laverberie nicht benachrichtigt? Sie versprach mir, den Vater aufzusuchen.«

»Nein,« entgegnete Louis mit betrübter Miene, »leider hat sie uns nichts wissen lassen.«

»Nichts,« rief Gaston erzürnt. »Wie, sie konnte so grausam sein euch meinen Tod beweinen, unseren armen Vater vor Kummer sterben zu lassen? Ach, sie hatte immer eine Angst vor der Meinung der Welt und hat mich ihrem guten Ruf geopfert.«

»Aber warum hast du nicht geschrieben?«

»Ich schrieb, bekam aber keine Antwort von euch, mein Schulfreund Paul teilte mir mit, daß der Vater gestorben sei und du Clameran verlassen habest.«

»Ich verließ Clameran, weil ich dich für tot hielt.«

Gaston stand auf und ging im Zimmer einigemal auf und ab, gleichsam als wollte er die tiefe Traurigkeit, die ihn übermannt, abschütteln.

»Genug,« sagte er nach einer Pause, »lassen wir die Vergangenheit. Alle Erinnerungen, ob gute oder schlechte, sind nicht so viel wert wie die kleinste Hoffnung und – Gott sei Dank – die Zukunft ist unser!«

Und sogleich begann er Zukunftspläne zu schmieden.

»Wir bleiben beisammen,« sagte er, »und trennen uns nicht mehr.«

Der Diener kam mit der Meldung, daß die Abendmahlzeit bereit sei und die Brüder begaben sich Arm in Arm in den Speisesaal.

Gaston war im Fragen, im Erzählen unerschöpflich.

Louis war in großer Sorge, ob Gaston nicht in Clameran gewesen, aber zu seiner Beruhigung erfuhr er aus des Bruders Munde, daß er die engere Heimat noch nicht aufgesucht hatte.

Die Brüder waren bis in die späte Nacht aufgewesen; von seinem vergangenen Leben hatte Gaston berichtet, aber kein Wort über dasjenige gesagt, was Louis zu wissen wünschte, er mußte sich also gedulden.

Am nächsten Tag telegraphierte er an Raoul: »Fasse Mut, alles geht gut.«

Als er mit seinem Bruder wieder zusammentraf, gab er dem Gespräch eine Wendung, die ihm Klarheit über die Absichten Gastons geben sollte.

»Wir haben bis jetzt über alles mögliche gesprochen, Gaston, nur nicht über das Geschäftliche.«

Der Bruder sah ihn verwundert an.

»Was meinst du damit?«

»Ich meine die Erbschaftsangelegenheit. Da du für tot galtest, so fiel mir alles zu, du hast nun ein Anrecht auf die Hälfte …«

»Ach, bitte sprich nicht davon, die Sache ist ja verjährt – übrigens weißt du, daß der Vater nur einen Erben wünschte – es bleibe also nach seinem Willen.«

»Nein, Gaston, das kann ich nicht annehmen …«

»Warum? bist du so reich oder hältst du mich für so arm?«

Louis erschrak bei dieser Frage. Was sollte er antworten, um sich nicht zu verraten?

»Ich bin weder arm noch reich,« entgegnete er leichthin.

»Ich wäre beinahe froh, wenn du arm wärst, damit ich die Freude hätte, mit dir zu teilen.«

Dieses Gespräch fand während des Frühstücks statt; nach demselben lud Gaston Louis ein, seine Besitzung zu besichtigen.

Er zeigte ihm das schloßartige Haus, die Wirtschaftsgebäude, die Stallungen, den schönen Park und das in voller Tätigkeit befindliche großartige Hüttenwerk.

Und während sie alles besichtigten, Gaston erklärte und erläuterte, schritt Louis finster und einsilbig neben ihm her. Neid und Mißgunst fraßen an seinem Herzen und der alte Haß gegen den Bruder erwachte wieder aufs neue.

»Nun, was sagst du? Habe ich gut gekauft?« fragte Gaston heiter.

»Gewiß, du hast dir das herrlichste Gut in der schönsten Gegend der Welt ausgesucht. Man könnte dich beinahe beneiden.«

»Es gefällt dir, wirklich, lieber Louis, du wärst imstande dein nebliges Paris aufzugeben? O, dann schlag‘ ein, bleibe  bei mir. Zur Langweile ist keine Zeit, wir haben ja Arbeit vollauf an unserem Hüttenwerk. Und wir wollen es vergrößern, bauen, erfinden – ah, das soll ein Leben werden! Bist du einverstanden, Louis?«

Louis schwieg. Vor einem Jahre noch hätte ihm dieser Vorschlag mit Freude erfüllt. Das wäre ein Hafen gewesen, nach so manchem Sturm und Schiffbruch und er wäre kein Abenteurer mehr, nein, wieder ein Mensch geworden, wie früher!

Aber jetzt war es zu spät. Mit Wut im Herzen mußte er dies erkennen. Er war nicht frei, er hatte in Paris ein schändliches Spiel angezettelt, das er nicht aufgeben durfte, ohne Gefahr zu laufen mit den Gerichten in Konflikt zu geraten. Und wenn er noch allein gewesen wäre, er hätte einfach verschwinden können, aber – er hatte einen Mitschuldigen!

»Du antwortest nicht,« sagte Gaston, über Louis‘ Stillschweigen verwundert, »gefällt dir mein Vorschlag nicht?«

»Dein Vorschlag gefällt mir wohl, aber – ich bekleide in Paris eine Stelle und kann den Gehalt nicht entbehren – – –«

»Louis, hast du mich denn nicht verstanden? Wie, du botest mir eben die Hälfte des väterlichen Erbes und nun – o, das ist schlecht von dir!«

»Aber Gaston, ich kann dir doch unmöglich zur Last fallen.«

»Wie magst du nur so töricht reden! Habe ich dir nicht gesagt, daß ich sehr reich bin? Dies Hüttenwerk ist nur ein Bruchteil meines Vermögens, ich besitze gute Staatspapiere und außerdem habe ich noch Geschäftsverbindungen in Brasilien, vor kurzem erst bekam ich von meinem Geschäftsfreund 400 000 Frank zugewiesen, von denen ich nur 50 000 behoben habe.«

Louis zitterte vor freudiger Aufregung, endlich sollte er erfahren, was er zu wissen wünschte.

»Du hast noch Geschäfte in Brasilien?« fragte er.

»Ja, mit meinem ehemaligen Sozius und er hat mir einen Bankier, namens Fauvel in Paris empfohlen, er soll ein sehr ehrenwerter Mann sein.«

»Du kennst ihn nicht persönlich?« fragte Louis ganz blaß vor Aufregung.

»Nein, noch nicht, aber ich hoffe baldigst seine Bekanntschaft zu machen, ich beabsichtige nämlich, dich nach Paris zu begleiten, wenn du hinfährst um deine Angelegenheiten vor deiner Übersiedelung hierher in Ordnung zu bringen.«

Louis fühlte sich bei dieser Mitteilung wie vernichtet, aber er faßte sich gewaltsam und fragte scheinbar ruhig: »Wie, du willst nach Paris, ich denke, du verabscheust dieses Babel?«

»Allerdings, ohne die berühmte Hauptstadt zu kennen, ist sie mir äußerst unsympathisch, mich locken auch nicht ihre falschen Freuden – ich habe eine ernste Pflicht zu erfüllen – – Nun ja, ich will dir’s gestehen, die Komtesse von Laverberie soll nach Paris geheiratet haben – ich möchte sie wiedersehen …«

Gaston schwieg einen Augenblick, dann fuhr er fort: »Dir, Louis, kann ich es ja gestehen, ich habe ihr vor meiner Flucht den Schmuck unserer Mutter anvertraut …«

»Und den willst du jetzt zurückfordern?«

»Ja, das heißt, es soll mir ein Vorwand sein, um sie aufsuchen zu können, ich möchte sie wiedersehen, weil – weil ich sie einst geliebt habe.«

»Wie denkst du sie aber ausfindig zu machen?«

»Das wird wohl sehr einfach sein, in der Heimat dürfte man wohl den Namen ihres Mannes, vielleicht sogar ihre  Adresse kennen. Ich schreibe heute abend noch meinem alten Schulfreunde …«

Als Louis endlich sein Zimmer aufsuchen konnte, fühlte er sich wie niedergeschmettert, er versuchte seine Gedanken zu ordnen und einen Plan zu entwerfen. Auf den ersten Blick schien seine Lage äußerst verzweifelt.

Er hatte in dem Abenteuererleben, das er seit zwanzig Jahren führte, manch schwere Stunde erlebt, aber immer vermochte er die Klippen des Strafgesetzbuches zu umschiffen, und immer war es ihm, selbst in den verwickeltesten Fällen gelungen, sich aus der Schlinge zu ziehen. Aber jetzt sah er, daß er sich in eine Sackgasse verrannt hatte und kein rettender Gedanke erleuchtete ihn – es gab keinen Ausweg! Von allen Seiten drohte Gefahr: Fauvel, Gaston, sie würden sich beide an ihm rächen, sobald ihnen die Wahrheit bekannt würde, ja, selbst seinen Mitschuldigen Raoul hatte er zu fürchten.

Die Begegnung zwischen Valentine und Gaston mußte um jeden Preis verhindert werden, aber wie? – Er sann vergebens. Einen Augenblick lang dachte er daran, von seinem Bruder eine größere Summe zu entlehnen und für immer zu verschwinden – aber er verwarf den Gedanken wieder – denn so viel Geld als er benötigte, konnte er ja doch nicht fordern.

Der Kopf schmerzte ihm schier zum zerspringen und doch wollte ihm nichts einfallen. Er gab schließlich sein Nachdenken auf.

»Vielleicht hilft der Zufall,« sagte er sich mit bösem Lächeln, »er hat mir ja schon öfters geholfen.«

Für den Augenblick war weiter nichts zu tun, als Gaston möglichst zu verhindern an die Pariser Reise zu denken.

Zu diesem Zwecke äußerte Louis am nächsten Tag den Wunsch, Oloron und die Umgebung genau kennen zu lernen.

»Es ist ein herrliches Land,« sagte er.

Gaston ging freudig auf den Vorschlag ein und täglich wurden Ausflüge zu Wagen oder zu Pferde unternommen, allein es half nicht viel, denn Gaston ließ den Gedanken an die Pariser Reise nicht fallen, er wollte nur die Antwort auf seine Anfrage abwarten.

Nun versuchte es Louis ihn durch ernste Gegenvorstellungen davon abzubringen.

»Sie ist die Frau eines andern, hat wahrscheinlich Kinder, denkst du nicht, daß es für sie peinlich sein müßte, dich wiederzusehen und auch für dich selbst kann die Begegnung nur schmerzlich sein.«

»Du magst wohl recht haben, es ist töricht, aber – ich kann nicht anders.«

Mit fieberhafter Ungeduld erwartete er den Brief aus der Heimat, aber noch größer war Louis‘ Ungeduld und er ging täglich dem Briefboten entgegen, um ihm die Post abzunehmen.

Und endlich war der ersehnte Brief da!

Louis ging damit rasch auf sein Zimmer, schloß sich ein und riß das Schreiben auf.

Der alte Schulfreund berichtete eine Unmenge Dinge, die Louis nicht interessierten, doch endlich fand er die Valentine betreffende Stelle. Sie lautete: »Die Komtesse Laverberie hat sich mit einem Pariser Bankier, namens André Fauvel verheiratet. Er ist ein Ehrenmann und ich gedenke, bei meiner nächsten Reise nach Paris, mit ihm in geschäftliche Beziehung zu treten. Ich hoffe, du hast nichts dagegen, wenn ich mich auf dich berufe.«

Louis war außer sich vor Aufregung.

Ich wäre verloren gewesen, wenn Gaston den Brief erhalten hätte, sagte er sich, aber er war keinen Augenblick im Zweifel, daß die Gefahr nicht abgewendet, sondern nur  hinausgeschoben war. Gaston würde sich höchstens eine Woche noch gedulden, dann dem Freunde nochmals schreiben …

Und selbst, wenn ich den zweiten Brief ebenfalls unterschlage, sagte er sich, was hilft das? Dieser Schafskopf von einem Schulkameraden will ja nach Paris, wird von Gaston sprechen – dann ist alles verloren!

Nun blieb ihm nur eins übrig: von seinem Bruder Geld ausborgen und das Weite suchen.

Eines Abends ging er mit Gaston auf der Straße, die von dem Hüttenwerk nach Oloron führte, spazieren, und war eben im Begriff eine kleine Geschichte zu erzählen, deren Schluß eine Anleihe von 200 000 Frank bilden sollte, als er plötzlich heftig zusammenschrak. Ein wie ein Handwerksbursche gekleideter junger Mann war an ihnen vorübergekommen und Louis hatte in ihm Raoul erkannt.

Gaston bemerkte seinen Schreck.

»Was ist dir?« fragte er erstaunt.

»O nichts,« entgegnete Louis mit vor Aufregung bebender Stimme, »ich bin an einen Stein angestoßen und habe mir wehe getan.«

Gaston sprach und erzählte allerlei, aber Louis ging stumm und wie geistesabwesend neben ihm her.

Was sollte Raouls Anwesenheit bedeuten? Louis hatte ihm täglich geschrieben, aber keine Antwort erhalten. War in Paris ein unvorhergesehener Fall eingetreten? Kam er, um ihm zu sagen, daß das Spiel verloren sei?

Gaston beendete zu Louis‘ Freude den Abendspaziergang früher als gewöhnlich, er hatte tagsüber sehr viel gearbeitet, fühlte sich müde und begab sich daher zur Ruhe. – Louis war frei!

Rasch verließ er wieder das Haus. Er war überzeugt, daß Raoul in der Nähe herumschleichen würde, und richtig  hatte er keine hundert Schritte noch gemacht, als ein Mann hinter einem Gebüsch hervortrat und sich ihm in den Weg stellte.

»Raoul! was gibt’s, was führt dich her?«

»Nichts.«

»Was tust du dann hier, mit welchem Recht verläßt du deinen Posten, weißt du denn nicht, daß uns das zugrunde richten kann?«

»Das ist meine Sache,« antwortete Raoul ruhig.

Wie mit eiserner Faust umklammerte Louis des Jünglings Arm, daß dieser hätte aufschreien mögen.

»Was soll das heißen, was unterstehst du dich?« rief Louis mit unterdrückter Wut.

Raoul machte sich von ihm los.

»Etwas zarter, wenn ich bitten darf,« sagte er trotzig, »ich will höflich behandelt sein – sonst antworte ich so.«

Und mit diesen Worten ließ er den Lauf eines Revolvers aus der Tasche hervorschimmern.

»Was willst du eigentlich?«

Sie hatten einen abgelegenen Seitenweg eingeschlagen, waren dann querfeldein gegangen, und erst als sie weit draußen in völliger Abgeschiedenheit waren, sagte Raoul: »So, ich meine hier sind wir ungestört, teuerer Onkel, und ich kann mich deutlich erklären. Deine Briefe, lieber Onkel, waren mit großer Vorsicht abgefaßt, das war natürlich klug, aber ich fand sie zu dunkel. Ich hatte nur die eine Empfindung – Gefahr ist im Verzuge, und da ich der Gefahr gerne ins Auge schaue, so bin ich gekommen.«

»Wie, hast du kein Vertrauen zu mir?« »Ungeheueres, verehrter Onkel, dasselbe, das du zu mir hast. Laß dir also in Kürze sagen, daß ich nicht gewillt bin, mich am Narrenseile führen zu lassen – ich weiß ganz genau, daß du mich im Notfalle ohne Zaudern preisgeben  würdest – leugne nicht, edler Oheim, denn an deiner Stelle täte ich dasselbe … So, nun kennst du meine Meinung, und damit genug gegenseitiger Vorwürfe. – Und nun berichte mir alles.«

Louis sah ein, daß er gegen einen solchen Mitschuldigen nicht aufkommen konnte, daher ließ er seine Entrüstung fahren und berichtete alles getreulich, nur über die Vermögensverhältnisse Gastons sprach er nicht wahrheitsgemäß, sondern tat, als wenn der Reichtum seines Bruders nur ganz unbedeutend wäre.

»O weh,« sagte Raoul, nachdem er alles gehört hatte, »die Sache steht schlimm.«

»Nicht so arg, als es den Anschein hat, verlasse dich auf mich, es wird mir schon gelingen ein Mittel ausfindig zu machen; kehre nur ruhig nach Paris zurück, solange ich hier Gaston festhalte, läufst du dort keine Gefahr.«

Raoul dachte einen Augenblick nach.

»Allerdings,« versetzte er nach einer Pause, »haben wir von meiner Frau Mutter nichts zu fürchten, aber du hast uns, verehrter Onkel, eine gefährliche Feindin geschaffen …«

»Du meinst Magda? – bah –« antwortete Louis und machte eine geringschätzende Handbewegung.

»Du unterschätzest sie, glaube mir. Sie hat sich allerdings bereit erklärt, sich für ihre Tante zu opfern und dich zu heiraten, aber sie ist kein schwacher Charakter und wird kämpfen, denn – sie liebt. Wenn du klug bist, so verzichtest du freiwillig auf sie.«

»Niemals!« stieß Louis fast schreiend hervor. »Niemals! Ich wollte sie zuerst ihrer Mitgift halber, aber jetzt würde ich sie auch ohne einen Pfennig Vermögen nehmen, ich liebe sie, und ich muß und will sie besitzen!«

Raoul war von dem leidenschaftlichen Ausbruch betroffen.  »So, du liebst sie, nun, dann sind wir so gut wie verloren. – Das Herz geht mit dem Verstande durch und es wird der Tag kommen, an dem du dich ihr auf Gnade und Ungnade ergibst. – Und sie ist eine schlaue Dalila, sie ist unsere Feindin und wird uns vernichten!«

»Du scheinst sie ja furchtbar zu hassen, oder – mein schöner Neffe, hättest du vielleicht auch Feuer gefangen und wäre der Haß nichts anderes als – verschmähte Liebe?«

Trotzdem die Nacht sternenhell war, so konnte doch Louis den Ausdruck, der Raouls Züge plötzlich entstellte, nicht wahrnehmen.

»Nein,« stieß er rauh hervor. »Mir liegt an den Weibern nichts, ich will nur Geld.«

»Also gib dich zufrieden, sobald Magda meine Frau ist, bekommst du die Hälfte ihrer Mitgift, was begehrst du mehr?« Die beiden Gesellen sprachen noch hin und her, und Mitternacht war längst vorüber, als sie sich mit dem Versprechen, sich morgen am selben Ort und zur selben Zeit wieder treffen zu wollen, trennten.

Auch in dieser Nacht konnte Louis kein Auge schließen, die Frage, warum Raoul Paris verlassen hatte, quälte ihn unablässig, und er begann seinen Spießgesellen zu fürchten und zu hassen.

Aber bis zum nächsten Abend hatte er seine Pläne entworfen, und als er mit Raoul zusammentraf, war sein Entschluß gefaßt.

»Nun,« sagte Raoul, sobald er seines Onkels ansichtig wurde, »was hast du ausgeheckt?«

»Ich hätte dir zweierlei Vorschläge zu machen. Der eine ist, wir verzichten auf das Geschäft, du verschwindest aus  Frankreich – natürlich mit einem hübschen Sümmchen in der Tasche.«

»Was nennst du ein hübsches Sümmchen?«

»Nun, zum Beispiel – Hundertfünfzigtausend Frank.«

Raoul lächelte verächtlich.

»Mein sehr verehrter Onkel beliebt zu scherzen. Glaubst du, ich kenne dich nicht? Mir bietest du diese Lappalie, während du sicherlich dich mit einer Million aus dem Staube machen wirst.«

»Du bist nicht bei Trost,« versetzte Louis.

»Leugne nicht, was habe ich von dem ganzen Gelde, das wir Frau Fauvel oft gegen meinen Willen entrissen haben, bekommen? Kaum den zehnten Teil …«

»Wir haben ja davon noch einen Zehrpfennig.«

»Jawohl, aber er ist in deinen Händen, und wenn die Sache schief ginge, dann würde der Herr Onkel sich und die Kasse in Sicherheit bringen, der Neffe aber ohne einen roten Heller dastehen und könnte ins Zuchthaus wandern.«

»Das kannst du von mir glauben?« sagte Louis beleidigten Tones.

»O ja, das und noch viel mehr. Übrigens kann ich dir sofort beweisen, daß du mich betrügen willst.«

»Wieso?!«

»Hast du mir nicht gesagt, daß dein Bruder im bescheidenen Wohlstand lebe? Nun, das ist eine Lüge – er ist vielfacher Millionär – ich kann dir haarklein all seine Besitzungen aufzählen – du stehst, werter Onkel, ich habe die Zeit meines Hierseins nicht verloren.«

Louis fand keine Antwort darauf.

»Das ist aber nicht alles, was ich dir vorzuwerfen habe, ich ärgere mich hauptsächlich darüber, daß das Spiel durch deine Schuld verloren ist. Frau Fauvel war für uns die  Henne mit den goldenen Eiern; statt uns nun mit dem was sie freiwillig gab, zu begnügen, mußte ich die arme Frau halb zu Tode quälen, so daß sie jetzt nicht mehr aus noch ein weiß.«

»Das war nötig.«

»Dann setzest du dir in den Kopf, Magda zu heiraten – sie aber ist imstande, die Anzeige bei der Polizei zu machen…«

»Das wird sie nicht.«

»Die Zukunft wird’s lehren, wer recht hat. Am einfältigsten aber hast du dich betragen, als du die ganze Geschichte einfädeltest, du hättest dich eben besser erkundigen müssen. Du sagtest mir: dein Vater ist tot – und siehe da, jetzt lebt er, und wir haben uns in einer Weise betragen, daß ich nicht vor ihm erscheinen kann. Statt der Million, die er mir sicher – wenn nicht mehr – geschenkt hätte – bekomme ich jetzt nichts – und das danke ich dir …«

»Genug,« fiel Louis heftig ein, »wenn ich alles aufs Spiel setzte, so habe ich auch ein Mittel, um die Partie zu retten.«

»Da wäre ich neugierig. Wenn Gaston seine geliebte Valentine aufsucht, wird er alles erfahren und dann – gute Nacht!«

» Wenn er sie aufsucht,« versetzte Louis.

Raoul antwortete nicht und beide schwiegen, ein furchtbarer Gedanke war beiden gleichzeitig gekommen und sie erschraken selbst darüber. Sie äußerten kein Wort, aber sie verstanden sich.

Nach einer langen Pause brach Louis endlich das drückende Schweigen.

»Also,« begann er, »willst du die Hundertfünfzigtausend Frank, die ich dir für dein Verschwinden anbiete? Überlege dir die Sache noch einmal gut.«

»Ich habe sie schon überlegt, ich weiß, du willst mich betrügen, aber ich weiß auch, daß ein ungeheueres Vermögen zu gewinnen ist. Ich will es entweder erringen oder zugrunde gehen.«

»Wohl, es sei. Wirst du nur blindlings gehorchen?«

»Ja, denn ich weiß, daß du jetzt nicht mehr versuchen wirst, mich zu betrügen.«

»Also höre, vor allem hast du sofort nach Paris zurückzukehren, dann begibst du dich zu Frau Fauvel und bist wieder der liebenswürdige gute Sohn; du erzählst ihr, daß du dich mit mir vollständig überworfen hast und kannst mich in den schwärzesten Farben malen.«

»Wie, auch vor Magda?«

»Auch vor Magda. Kennst du nicht die Geschichte jenes Mannes, der Feuer in das Haus seiner Geliebten legen ließ, um sie aus den Flammen retten zu können? Nun, wenn der geeignete Zeitpunkt gekommen sein wird, lasse ich durch dich moralisch Feuer in Frau Fauvels Haus legen und rette dann sie und ihre Nichte. Je schwärzer ich ihnen jetzt erscheine, desto lichter wird ihnen der Rettungsengel erstrahlen. Verstehst du jetzt?«

Die beiden Kumpane verabredeten noch, daß sie einander schreiben, in wichtigen Fällen aber telegraphieren würden und dann trennten sie sich.

Einige Tage nach Raouls Abreise wurde Gaston plötzlich unwohl. Es flimmerte ihm vor den Augen und ein Schwindel befiel ihn, so daß er kaum aufrecht zu stehen vermochte. Er legte sich zur Ruhe und hoffte, daß der Zustand sich in Bälde bessern würde; aber im Gegenteil, er verschlimmerte sich, es stellten sich unerträgliche Kopfschmerzen und ein großes Angstgefühl ein.

Louis tat sehr besorgt und ließ sofort den Arzt rufen. Dieser fand die Sache unbedeutend und verordnete nur einige beruhigende und schmerzstillende Mittel.

Am nächsten Tag fühlte sich Gaston wieder wohler, er stand auf und ging seiner gewohnten Tätigkeit wieder nach, aber abends erneuerte sich der Anfall, er war sogar weit heftiger als das erste Mal, und als der Arzt kam, fand er zu seiner Verwunderung so beunruhigende Symptome, daß er fragte, ob die verordnete Dosis Morphium überschritten worden wäre. Aber der alte brasilianische Diener, der schon seit zehn Jahren in Gastons Diensten stand und jetzt die Krankenpflege übernommen hatte, versicherte, daß er sich genau an die ärztliche Vorschrift gehalten habe.

Der Zustand Gastons verschlimmerte sich von Tag zu Tag, die Gelenke begannen zu schwellen, die Schmerzen waren qualvoll und er besaß kaum so viel Kraft, um sich im Bett aufzurichten.

Da gedachte er, sein Haus zu bestellen. Er hatte schon damals, als er nach seiner Rückkehr nach Frankreich, erkrankte, ein Testament gemacht und sein Vermögen zu wohltätigen und gemeinnützigen Zwecken bestimmt, jetzt, da er den Bruder wiedergefunden, wollte er das Testament zu seinen Gunsten ändern und Louis zum Universalerben einsetzen.

Der Notar, der mit der Abfassung des Testamentes betraut wurde, war ein findiger Herr; er sagte Gaston, wenn er seinem Bruder die Hälfte des Vermögens als eine von ihm gemachte Einlage gut schrieb, so hätte Louis später weniger Erbschaftssteuer zu bezahlen.

Gaston war über den Vorschlag sehr erfreut und bat den Notar, sogleich den diesbezüglichen Vertrag aufzusetzen. Dann ließ er Louis holen, da dessen Unterschrift unerläßlich war.

Als Louis erfuhr, um was es sich handelte, sträubte er sich es anzunehmen, und zwar in einer Weise, die seine Uneigennützigkeit und sein Zartgefühl ins schönste Licht stellten, ließ sich aber schließlich doch überreden, seinen Namen unter den Vertrag zu setzen.

Die sonderbarsten Gefühle bewegten ihn nun. Er war reich, ungeheuer reich, er hätte nun in Frieden leben können – aber es war zu spät, er konnte nicht mehr zurück, mußte wohl oder übel vorwärts auf der abschüssigen Bahn, auf der er sich befand.

Gastons Zustand besserte sich nicht, aber inmitten der größten Schmerzen sprach er immer von Valentine und seiner Absicht, sobald er wieder gesund wäre, nach Paris zu fahren. Aber eines Tages sagte er zu Louis: »Ich glaube, der Klimawechsel ist schuld, ich täte vielleicht am besten, wieder nach Brasilien zurückzukehren.«

Ja, das war ein Gedanke! Louis stimmte von ganzen Herzen zu und bestärkte ihn nicht nur in seiner Absicht, sondern versprach ihn auch zu begleiten.

Er atmete förmlich auf; wenn Gaston seinen Entschluß ausführte, dann war ja keine Gefahr mehr vorhanden, dann war das – Äußerste nicht nötig!

Und von diesem Tage an besserte sich Gastons Zustand merkwürdigerweise, und nach Verlauf von einer Woche konnte er schon auf Louis‘ Arm gestützt, im Garten einige Schritte machen.

Die Genesung schritt langsam, aber stetig vor. Gaston konnte wieder freier atmen, das Angstgefühl war gewichen und neue Lebensfreudigkeit durchströmte ihn. Er sprach viel von Brasilien und der bevorstehenden Reise. Louis konnte den Tag der Abreise kaum erwarten und nötigte den Bruder recht zu essen, damit er sich rasch kräftige.

Endlich war Gaston so weit hergestellt, daß er das Hüttenwerk wieder besuchen konnte. Als er die Hochöfen in voller Tätigkeit sah und die Arbeiter, die alle an ihm hingen, weil er ihr Freund und Wohltäter war, schlich sich ein leises Bedauern in sein Inneres. Die Arbeit, die er kaum begonnen, die ihm lieb geworden, sollte er verlassen? Sein Entschluß schwankte von Tag zu Tag mehr, und schließlich kam die alte Sehnsucht nach der Jugendgeliebten wieder zurück.

»Nein,« sagte er zu Louis, »ich kann Frankreich nicht eher verlassen, bis ich nicht Valentine wiedergesehen habe.«

Und am selben Tag noch schrieb er dem alten Schulfreund und bat um Auskunft.

Dieser Brief aber ist nie an seine Adresse gelangt – Louis hatte sich anheischig gemacht, ihn selbst zur Post zu tragen.

Unerklärlicherweise bekam Gaston einen Rückfall seiner Krankheit, und von dem Augenblick an ging es mit ihm rasch zu Ende. Bald stellte sich ein solcher Kräfteverfall ein, daß der Arzt jede Hoffnung aufgab und wenige Tage später trat die Katastrophe ein.

Jetzt war Louis wirklich Marquis von Clameran und vielfacher Millionär.

Nachdem er alle Angelegenheiten geordnet hatte, kehrte er nach Paris zurück.

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