1. Ich

An mei­ner Bü­ro­tür un­ter mei­nem Na­men steht: Con­trol­ling. Ir­gend­was muss ja da ste­hen, und Job­kil­ler kann man nicht gut dran­schrei­ben, ob­wohl das der Wahr­heit viel nä­her kä­me. Mit an­de­ren Wor­ten, ich bin der Mann fürs Gro­be. Ich ma­che die Schmutz­ar­beit für die Fir­ma. Und die Fir­ma, das ist Maddox Deutsch­land, ei­ne Un­ter­neh­mens­grup­pe, die von Ba­by­win­deln bis zum 50-Ton­nen-Bull­do­zer so ziem­lich al­les her­stellt, wo­mit sich Geld ma­chen lässt. Und wenn das mit dem Geld nicht so rich­tig klappt und ir­gend­wo im Kon­zern die Ge­winn­zah­len über mehr als drei Mo­na­te nach un­ten ge­hen, dann klin­geln in der Zen­tra­le die Alarm­glo­cken, und ich fah­re hin und neh­me den La­den aus­ein­an­der und set­ze ihn so wie­der zu­sam­men, dass er da­nach mit der hal­ben Be­leg­schaft dop­pelt so viel bringt wie vor­her. In ei­nem Be­trieb, den ich aus­mis­te, kann kei­ner si­cher sein, dass es sei­nen Job am nächs­ten Tag noch gibt. Ich ha­be schon gan­ze Groß­raum­bü­ros in­ner­halb von Stun­den leer ge­fegt. Jobs kos­ten ei­nen Hau­fen Geld, und Kos­ten­fak­to­ren drü­cken die Ren­di­te, und ich bin kei­ner von die­sen klein­ka­rier­ten Pfen­nig­fuch­sern mit Ma­gen­ge­schwür, de­nen bei Ge­winn­ein­brü­chen nichts Bes­se­res ein­fällt, als über­all 40-Watt-Bir­nen rein­zu­schrau­ben und das Ge­schäfts­pa­pier drei­sei­tig be­schrei­ben zu las­sen. Wenn ich den Rot­stift an­set­ze, fließt rich­tig Blut, dann wa­ckeln al­le Stüh­le, und Mil­lio­nen sprin­gen da­bei her­aus.

Maddox Deutsch­land ge­hört zu Maddox In­dus­tries Inc., Cleve­land, Ohio. Dort sit­zen knall­har­te Bur­schen mit sehr ame­ri­ka­ni­schen Ge­winn­vor­stel­lun­gen, die glau­ben an den Dol­lar und an sonst gar nichts. De­nen kann man nicht mit der Kon­junk­tur oder ir­gend­wel­chen Ha­fen­ar­bei­ter­streiks kom­men, die sind aus­schließ­lich an zwei­stel­li­gen Zu­wachs­ra­ten in­ter­es­siert und an ei­nem di­cken Scheck je­den Mo­nat, und auf ro­te Zah­len steht bei ih­nen die To­des­stra­fe. Mit an­de­ren Wor­ten, der La­den muss brum­men, dass es nur so ei­ne Art hat. Und weil die Leu­te nun mal nicht von al­lei­ne auf die Idee kom­men, sich den Arsch auf­zu­rei­ßen, gibt es für mich im­mer gut zu tun.

Oh­ne fal­sche Be­schei­den­heit kann ich wohl sa­gen, dass ich ge­nau der rich­ti­ge Mann für die­sen Job bin. Ich bin dy­na­misch, fle­xi­bel, be­sit­ze das Ge­wis­sen ei­ner Re­gis­trier­kas­se, und mei­nen Mut zu un­po­pu­lä­ren Maß­nah­men ent­deck­te ich schon sehr früh, als ich her­aus­fand, dass es mir viel mehr Freu­de be­rei­te­te, frem­de Sand­bur­gen zu zer­stö­ren als sel­ber wel­che zu bau­en.

Ach üb­ri­gens, mein Na­me ist Lünch, Bo­do Lünch.

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2. Bin ich entlassen? >>
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